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Über 100 Arten von Meeresfischen leben in der deutschen Ost- und Nordsee, doch fast einem Viertel davon geht es schlecht, wie die neueste Rote Liste offenbart. Viele Arten sind demnach bestandsgefährdet oder extrem selten. Ein paar Meeresfische sind in unseren marinen Gewässern sogar bereits ausgestorben. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.
Wer wissen will, wie es den Tieren, Pflanzen und Pilzen vor seiner Haustür geht, muss nur einen Blick in die Roten Listen Deutschlands werfen. Wie Inventarlisten führen diese Bestandserhebungen alle in Deutschland vorkommenden Arten und deren Gefährdungsstatus auf. Nun haben das Bundesamt für Naturschutz und das Rote-Liste-Zentrum in Bonn die neueste Rote Liste der Meeresfische vorgestellt. Diese unter Federführung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) erstellte Liste ist die erste große Bestandsaufnahme dieser Tiergruppe in deutschen Meeresgebieten seit 2013.
Jede vierte Art ist in Schwierigkeiten
Das Kernergebnis: Es könnte besser stehen um die Fische in der deutschen Nordsee und Ostsee. Rund ein Viertel aller 105 in Deutschland heimischen Meeresfischarten wird in der neuen Roten Liste entweder als bestandsgefährdet, extrem selten oder sogar bereits als ausgestorben aufgeführt. Letzteres trifft auf zwei Arten zu: den Stechrochen, der hierzulande zuletzt 1980 gesehen wurde, und den Meerengel, auch bekannt als Engelhai. Noch nicht ausgestorben, dafür aber kurz davor, sind der Hundshai und der Kleine Scheibenbauch (Liparis montagui).
Neben menschlichen Eingriffen in das Ökosystem sind diese Rückgänge auch auf den Klimawandel zurückzuführen. „Die Erhöhung der Wassertemperaturen infolge des Klimawandels trägt zu gravierenden Veränderungen in der Verbreitung bestimmter Meeresfischarten und dadurch zu Veränderungen ihrer Bestandsgrößen bei“, erklärt Ralf Thiel, Hauptautor der Roten Liste. „So nahm in den letzten 20 Jahren in den deutschen Nordseegebieten beispielsweise der Bestand des Kabeljaus, bei dem es sich um eine nördliche, kälteliebende Art handelt, stark ab, während der Bestand des Wolfsbarsches, der eine südliche und wärmeliebende Art ist, deutlich zunahm.“
Mehr Schutzgebiete nötig
Während sich der Klimawandel nur schwer ad hoc verändern lässt, sieht das bei menschlichen Eingriffen in Ost- und Nordsee schon anders aus. Thiel und seine Kollegen betonen hier die Wichtigkeit von nachhaltigem Fischereimanagement und gefährdungsarmen Rückzugsgebieten für die deutschen Meeresbewohner. „Die Meeresnatur braucht dringender denn je Rückzugsräume, damit sich Fischpopulationen und bedrohte Arten erholen können“, bekräftigt Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz.
Werden diese Forderungen umgesetzt, könnten einige der deutschen Meeresfische ihren Gefährdungsstatus zeitnah wieder ablegen, wie mehrere Positivbeispiele von der neuen Roten Liste zeigen. Gleich mehrere Arten, die vor zehn Jahren noch als selten oder bedroht galten, werden wieder häufiger gesichtet. Dazu zählen zum Beispiel der ehemals vom Aussterben bedrohte Nagelrochen und das als selten geltende Kurzschnäuzige Seepferdchen, das seit 2020 wieder häufiger an der deutschen Nordseeküste beobachtet wird.
Quelle: Rote-Liste-Zentrum

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