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Ob Tiefkühlpizza, Fertiggerichte oder der vorgemischte Frühstücks-Porridge: Convenience-Food ist beliebt, schnell konsumierbar und meist nicht allzu teuer. Doch diese hochverarbeiteten Lebensmittel haben eine Schattenseite. Selbst bei gleicher Kalorienzahl und Nährstoffanteilen ist das Abnehmen mit solchen Fertiggerichten signifikant schwieriger als mit wenig verarbeitetem Essen, wie nun eine britische Studie betätigt. Die 55 übergewichtigen Testpersonen verloren nach acht Wochen mit Fertigprodukten halb so viel Gewicht wie mit frisch zubereiten Speisen, auch der Fettanteil ihres Körpers sank weniger. Die Teilnehmenden berichteten zudem, dass sie mit frischen, wenig verarbeiteten Speisen weniger Heißhungerattacken und Essgelüste hatten als mit den Fertiggerichten. Nach Ansicht der Forschenden bestätigt dies, dass auch die starke Verarbeitung vieler Fertigprodukte eine Rolle für die weltweite Zunahme des Übergewichts spielen könnte.
Fertiggerichte und andere hochverarbeitete Lebensmittelprodukte sollen uns den Alltag erleichtern und Zeit und Aufwand für das Kochen verringern. Man schiebt die Gerichte einfach in die Mikrowelle oder den Ofen und schon hat man eine Mahlzeit. Doch damit das funktioniert, müssen die Lebensmittel so verarbeitet werden, dass sie lange haltbar, mikrobiologisch unbedenklich und geschmacklich stabil bleiben. Dadurch enthalten die hochverarbeiteten Produkte meist viel Zucker, Salz und gesättigte Fette, außerdem reichlich Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Konservierungsmittel und Süßungsmittel. Ballaststoffe sind hingegen oft weniger enthalten als in frisch zubereiteten, wenig verarbeiteten Speisen. Schon länger mehren sich die Hinweise darauf, dass der Genuss von vorwiegend hochverarbeiteten Lebensmitteln auf Dauer negative Folgen für die Gesundheit hat. So stehen sie im Verdacht, Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht zu fördern.
Woran dies liegt und ob der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel dafür wirklich die entscheidende Rolle spielt, war jedoch bisher umstritten. Denn häufig leben Menschen, die viel Fertigprodukte essen, auch insgesamt ungesünder. Das macht es schwer, den Effekt der hochverarbeiteten Lebensmittel von den restlichen Einflussfaktoren zu trennen. „Nur in einer präzisen Testreihe, die hoch- und minimal verarbeitete Lebensmittel gezielt in einem gut kontrollierten Experiment gegenüberstellt und dabei ausschließlich den Verarbeitungsgrad als Vergleichsgröße heranzieht, lässt sich das gesundheitliche Risiko durch hochverarbeitete Produkte genau ermitteln“, erklärt der nicht an der Studie beteiligte Stoffwechselmediziner Stefan Kabisch von der Charité Berlin. Doch solche Studien sind enorm aufwendig und teuer. „Bislang gab es in der gesamten Forschungsgeschichte nur sehr, sehr wenige Studien, die diese hohen Qualitätsmerkmale erfüllt haben“, so Kabisch weiter.
Nur halb so viel Gewichtsverlust mit Fertigprodukten
Eine dieser Studien ist nun die Untersuchung von Samuel Dicken vom University College London (UCL) und seinen Kollegen. Sie haben 55 übergewichtigen und adipösen Testpersonen mittleren Alters monatelang Essen nach Hause geliefert, um den Einfluss von hochverarbeiteten gegenüber wenig verarbeiteten, von ihnen frisch zubereiteten Speisen auf Gewicht und Gesundheit zu vergleichen. Für die Studie erhielten die Testpersonen zunächst acht Wochen lang entweder das hochverarbeitete oder wenig verarbeite Essen. Die Gerichte und Produkte waren dabei so ausgewählt, dass beide Gruppen Speisen mit dem gleichen Kaloriengehalt und gleichen Nährstoffanteilen bekamen. Die Fertiggerichte waren zudem nicht maximal ungesund, sondern hatten auf der Ernährungsampel die Einstufung bis maximal orange. Alle Testpersonen konnten so viel essen wie sie wollten, die Lebensmittelwaren in keiner Form rationiert. Nach acht Wochen folgte eine vierwöchige Pause, bevor die Gruppen für erneut acht Wochen getauscht wurden. Alle Teilnehmenden wurden vor und nach den jeweiligen Studienphasen medizinisch untersucht und ihr Gewicht, Körperfettanteil und Muskelmasse wurden gemessen. Zusätzlich befragten Dicken und sein Team alle Testpersonen dazu, wie stark ihr Appetit war, wie oft sie Heißhungerattacken hatten und ermittelten den Kaloriengehalt der verzehrten Nahrung.
Die Auswertungen ergaben, dass zwar alle Testpersonen leicht an Gewicht verloren hatten, der Effekt war jedoch bei der Gruppe mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln fast doppelt so hoch: Sie nahmen in den acht Wochen im Schnitt 2,06 Prozent ab, die Testgruppe mit den hochverarbeiteten Fertigprodukten nur rund 1,05 Prozent. Auch der Body-Mass-Index und der Körperfettanteil besserten sich mit den wenig verarbeiteten Lebensmittel signifikant stärker als mit den Fertigprodukten. „Auch wenn eine Gewichtsreduktion von zwei Prozent gering erscheint, muss man berücksichtigen, dass dies innerhalb von jeweils nur acht Wochen passierte und die Teilnehmenden ihre Kalorienaufnahme nicht bewusst einschränkten“, betont Dicken. Rechne man den Gewichtsverlust auf ein Jahr hoch, dann hätten die teilnehmenden Männer mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln rund 13 Prozent abgenommen, die Frauen neun Prozent. Bei den hochverarbeiteten Fertigprodukten wären es nur vier beziehungsweise fünf Prozent gewesen. Während der Studie wussten die Testpersonen jedoch nicht, dass es in der Studie um das Abnehmen ging. „Diese Verblindung des eigentlichen Studienziels ist ein wichtiges Element, denn nur so konnte es quasi unbewusst und unmerklich passieren“, kommentiert Kabisch. „Die körperliche Aktivität sollte zudem gleich bleiben und war nachweislich über die Studiendauer unverändert und ohne Unterschied zwischen den Gruppen.“
Mehr Heißhungerattacken
Die Studie zeigte auch, dass die Testpersonen in der Phase mit wenig verarbeiteten, frisch zubereiteten Speisen signifikant weniger Heißhungerattacken und Appetit auf Süßes oder Junkfood verspürten als mit den hochverarbeiteten Fertigprodukten und insgesamt weniger aßen. Die Ursachen dafür sind unklar, theoretisch wären aber mehrere Gründe denkbar, wie Kabisch erklärt: „Hochverarbeitete Lebensmittel sind geschmacklich auf unser Suchtverhalten optimiert, insbesondere starke Süßreize verhindern Sättigung. Denn leicht verdauliche Kohlenhydrate führen zu stärkeren Blutzuckerschwankungen, die wiederum kurze Zeit nach der Mahlzeit zu einem neuen Hungergefühl führen“, so der Stoffwechselmediziner. Hinzu kommt, dass Fertiggerichte oft weicher sind und weniger gekaut werden müssen. Dadurch essen wir sie schneller und das Sättigungsgefühl kommt nicht hinterher. Nach Ansicht der Forschenden und auch von nicht an der Studie beteiligten Fachkollegen bestätigt diese Studie, dass es für das Abnehmen und die Gewichtskontrolle günstiger ist, auf Fertigprodukte zu verzichten und möglichst unverarbeitete oder wenig verarbeitete Lebensmittel zu essen.
„Unsere Studie zeigt, wie wichtig die Verarbeitung für die gesundheitlichen Effekte ist —zusätzlich zu Nährstoffen wie Fett, Salz und Zucker“, sagt Koautor Chris van Tulleken vom University College London. Er und seine Kollegen plädieren dafür, dies stärker publik zu machen – beispielsweise durch Warnhinweise und Informationen. Gleichzeitig halten sie es für sinnvoll, auch regulierend einzugreifen,
etwa durch Werbebeschränkungen, Steuern und Subventionen. „Der beste Rat ist, Ernährungsempfehlungen möglichst weitgehend zu befolgen, die Gesamtenergieaufnahme zu kontrollieren, den Konsum von Salz, Zucker und gesättigten Fetten zu begrenzen und möglichst viele ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse zu essen“, sagt Seniorautorin Rachel Batterham vom University College London. „Frische Lebensmittel und Selbstkochen bringt Vorteile für Körpergewicht, Körperzusammensetzung und die Gesundheit insgesamt.“
Quelle: Samuel Dicken (University College London) et al., Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-025-03842-0

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