Fledermäuse profitieren von Biberbauten

Fledermäuse profitieren von Biberbauten

Biber bauen aus Totholz Dämme im Wasser und schaffen damit Lebensräume für sich und viele andere Arten. Doch nicht nur Wasserlebewesen profitieren von der Landschaftsarchitektur, sondern auch landlebende Tiere. Dazu gehören sogar Fledermäuse, wie eine neue Untersuchung zeigt. Demnach jagen in Revieren mit Biberteichen etwa doppelt so viele Fledermäuse wie andernorts – unter anderem, weil dort mehr Insekten als Futter zu finden sind. In den Bibergebieten kommen daher mehr Fledermausarten vor, darunter auch mehr gefährdete Arten.

In Europa leben derzeit über 1,4 Millionen Biber (Castor fiber). Bekannt sind diese tierischen Waldarbeiter dafür, dass sie mit ihren Nagezähnen ganze Bäume fällen und mit dem Holz Bäche aufstauen. In der Nähe dieser Staudämme bauen die Biber dann ihre kuppelförmigen Burgen mit innenliegenden Höhlen und Eingängen, die unter Wasser liegen. Nebenbei verändern die Nager dadurch die Fließgeschwindigkeit und den Wasserhaushalt in ihrer Umgebung und schaffen so neue Lebensräume und Nahrung für andere Lebewesen. Bekannt ist, dass viele Wasserorganismen von der Landschaftsarchitektur der Biber profitieren, zum Beispiel Fische.

Wie verändern Biber das Leben an Land?

Doch wie wirkt sich die Bautätigkeit der Biber auf Tiere und Pflanzen an Land aus? Das hat nun ein Team um Valentin Moser von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL untersucht. Dazu verglichen die Forschenden an acht Flüssen im Schweizer Mittelland jeweils zwei Abschnitte: einen mit Biberdamm und einen rund 500 Meter entfernten ohne Bibereinfluss. In diesen Arealen analysierten sie, wie viele Fluginsekten und Fledermäuse dort vorkommen. Dafür zeichneten Moser und seine Kollegen die Echolot-Rufe der Fledermäuse bei der Insektenjagd auf und fingen Insekten mit speziellen Fallen knapp über der Wasseroberfläche. Außerdem verglichen sie, wie viele stehende und liegende tote Bäume in den Gebieten vorkommen, welche Pflanzenarten dort wachsen und wie dicht und hoch die Baumkronen im Wald jeweils sind.

Das Ergebnis: Die Forschenden zählten mehr Fledermäuse in den von Bibern geprägten Flussabschnitten. Im Schnitt kamen bei Biberteichen fünf und an den unveränderten Flussabschnitten vier Fledermausarten pro Nacht vor, wie das Team berichtet. Unter ihnen waren auch bedrohte Fledermausarten, die auf der Roten Liste stehen, und ebenfalls öfter an Biberteichen vorkamen. Die Fledermäuse flogen insgesamt 1,6-mal öfter durch die Biberreviere. Zudem jagten sie dort 2,3-mal häufiger als in den nahegelegenen Kontrollgebieten, wie die Forschenden anhand der Echolotrufe ermittelten.

Luftaufnahme eines von Bibern geprägten Gebiets
Stehendes Wasser, Lücken im Wald und tote Bäume: hier finden Fledermäuse gute Jagdbedingungen. © Christof Angst

Paradies für Fledermäuse

Die Auswertung ergab auch, dass in Biberrevieren mehr Insekten und vielfältigere Pflanzen vorkommen. Zudem gibt es dort mehr totes Holz und einen offeneren Baumbestand. Diese Faktoren locken die Fledermäuse an, weil sie ihnen Nahrung und Schlafplätze schaffen, erklärt das Team. „Die Qualität des Lebensraums ist in Biberrevieren besser und die Futtermenge höher als außerhalb“, sagt Moser. Den größten Einfluss auf die Fledermausvielfalt hatte dabei das Totholz. Als Beispiel nennt das Team die Mopsfledermaus. Diese bedrohte Fledermausart schläft unter der abblätternden Rinde von stehenden, toten Bäumen. Solche Bäume kommen in den Bibersystemen häufiger vor, weil sie im gestauten Wasser absterben. „So stehen die Baumstämme noch jahrelang da und bieten einen sehr wertvollen, weil seltenen Lebensraum“, sagt Moser.

Die Forschenden schließen aus ihren Beobachtungen, dass Biber als natürliche Unterstützer beim Schutz von bedrohten Arten wie Fledermäusen helfen können. „Fast alle Fledermäuse sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Sie brauchen Unterstützung und der Biber scheint genau das für uns zu übernehmen“, sagt Christof Angst von der nationalen Biberfachstelle der Schweiz bei info fauna. „Der Biber schafft wieder funktionale, sehr artenreiche und widerstandsfähige Gewässer, und zwar billiger und besser als der Mensch mit Ingenieurskunst und Baggern.“ Die Biberfachstelle fasst die Erkenntnisse nun zusammen und entwickelt daraus konkrete Empfehlungen, wie die Biber und ihre Lebensräume in der Schweiz künftig am besten geschützt werden sollten.

Quelle: Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL; Fachartikel: Journal of Animal Ecology, doi: 10.1111/1365-2656.70136

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