Frankfurter Flughafen: Terminal 3 bereit für den ersten Start

Frankfurter Flughafen: Terminal 3 bereit für den ersten Start

Terminal 3 ist keine Baustelle mehr“, hat Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwoch vor der Presse ausgerufen. Er tat es sichtlich erfreut, was verständlich ist, da der vier Milliarden Euro teure Bau als größtes privat finanziertes Infrastrukturprojekt in Europa gilt und letztlich in seiner Verantwortung liegt. Am 22. April soll das Terminal des Frankfurter Flughafens mit einer Kapazität von 19 Millionen Fluggästen im Jahr in Betrieb genommen werden. Die ersten Passagiere werden einen Tag später von dort aus ihre Reise antreten. Startklar sei das Terminal im Grunde schon jetzt, hieß es am Mittwoch.

Vor zehn Jahren, im Oktober 2015, wurde der Bau des dritten Terminals begonnen. Das vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler in Modulbauweise entworfene Terminal erinnert mit seinem lichtdurchfluteten Hauptgebäude an die Neue National-Galerie von Ludwig Mies van der Rohe in Berlin. Die Dimensionen sind allerdings ganz andere. Die Empfangshalle des Terminal 3 misst 155 Meter mal 82 Meter, die Neue Nationalgalerie gerade einmal 50 mal 50 Meter. Der Knick in der gewaltigen Glasfront der 18 Meter hohen Halle des Terminals ist nicht alleine der Ästhetik geschuldet, sondern auch dem Zweck des Gebäudes als Teil der Luftinfrastruktur: Die Neigung der Scheiben verhindert, dass das Radar gestört und Piloten sowie Lotsen von Sonnenlicht geblendet werden, das sich in den Scheiben spiegelt.

Kapazität wächst auf 25 Millionen Passagiere

In der nun fertiggestellten Form verfügt das neue Terminal über die drei Flugsteige G, H und J. Damit hat alleine das Terminal 3 eine Kapazität von jährlich bis zu 19 Millionen Passagieren. Im Vollausbau mit einem vierten Finger würde die Kapazität auf 25 Millionen wachsen. Das entspräche dann etwa der Kapazität des Flughafens Düsseldorf, der als drittgrößter Verkehrsflughafen in Deutschland gilt. Diese Erweiterung ist derzeit aber noch nicht konkret geplant, wie Stephanie Pudwitz auf Nachfrage sagte. Sie leitet als kaufmännische Geschäftsführerin gemeinsam mit Harald Rohr die Fraport Ausbau Süd GmbH. „Der erfolgreiche Abschluss dieses Großprojekts unter denkbar schwierigen Rahmenbedingungen ist ein starkes Signal: Trotz Pandemie, Ukraine-Krieg und massiven Störungen der globalen Lieferketten ist es uns gelungen, das neue Terminal planmäßig und im vorgegebenen Budget zu realisieren“, sagte Rohr, Sprecher der Geschäftsleitung und technischer Geschäftsführer des Unternehmens.

Was für eine enorme Koordinationsleistung hinter dem Bau steckt, mag man daran sehen, dass 1100 Einzelverträge zu schließen und deren Einhaltung zu kontrollieren war, Behörenden rund 10.000 Genehmigungsdokumente in analoger Form verlangt haben und täglich der Einsatz von bis zu 3000 Arbeitern auf der Baustelle zu steuern war, wie es am Mittwoch weiter hieß.

Erleuchtet: Blick ins Innere des T3
Erleuchtet: Blick ins Innere des T3Lando Hass

Nach der Terminal-Eröffnung im April 2026 werden die Airlines von dort aus ihre Flieger in den Schengen- und Non-Schengen-Raum schicken. Es handelt sich dabei um alles in allen 57 Fluggesellschaften, die derzeit noch das Terminal 2 nutzen. Sie werden dauerhaft in das neue Terminal auf jenes Areal im Süden des Flughafens ziehen, auf dem bis zum Jahr 2005 noch die Rhein-Main Airbase der amerikanischen Luftwaffe zu finden war. Der Umzug soll vor den Sommerferien des nächsten Jahres vollzogen sein.

Das Terminal 2 wird nach der Inbetriebnahme des Terminal 3 mehrere Jahre aus dem Betrieb genommen und von Grund auf erneuert. Diese Arbeiten sollen 2027 oder 2028 beginnen, wieder koordiniert von der Ausbau-Süd-Tochter. Ohne Terminal 2 steht am Frankfurter Flughafen dann den Angaben zufolge eine Kapazität von 79 Millionen Passagieren im Jahr zur Verfügung. Angesichts von knapp 62 Millionen Fluggästen im Jahr 2024 verfügt der Flughafen Frankfurt dann auch ohne das zweite Terminal noch über einige Kapazitätsreserven.

Dass ein derartiges Großprojekt nicht ohne Schwierigkeiten – darunter Firmeninsolvenzen oder Lieferschwierigkeiten – über die Bühne geht, ist klar. Weshalb in Frankfurt aber desaströse Pannen wie am Berliner Flughafen ausgeblieben sind, hat Rohr zufolge vor allem eine wesentliche Ursache: In Berlin habe man immer wieder noch während der Ausführung von schon geplanten Posten neu geplant. Das führe zu Verzug und zerschlage jeden Zeitplan.

Ungeachtet dessen sorgten auch in Frankfurt unvorhersehbare Ereignisse wie die Corona-Pandemie für Turbulenzen. Trotzdem hat Fraport Schulte den Kosten und angepassten den Zeitrahmen voll halten können.

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