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In Bayern gibt es erhebliche Wartzeiten bei der kurativen Mammografie. Sie erfolgt, wenn beispielsweise ein Verdacht auf Brustkrebs vorliegt. Notfälle werden aber eingeschoben.
Biggi Welter kennt das Problem langer Wartezeiten für einen Mammografie-Termin nur zu gut aus Gesprächen mit Betroffenen. Sie ist Vorstandsmitglied bei Mamazone, der Selbsthilfeinitiative von und für Brustkrebspatientinnen und Leiterin der Regionalgruppe Augsburg. „Mir berichten immer wieder sogar Frauen, die einen Verdacht auf ein Rezidiv haben, die also fürchten müssen, dass der Brustkrebs zurückgekehrt ist, dass sie wochenlang auf einen Termin warten müssen.“
Termin-Probleme vor allem bei kurativen Mammografie
„Wir haben hier ein manifestes Problem“, sagt Dr. Marion Schäfer und die Lage spitze sich aktuell zu, erklärt die Bezirksvorsitzende für Schwaben im Berufsverband der Frauenärzte. Unterscheiden müsse man grundsätzlich zwischen dem Mammografie-Screening, also dem Vorsorge-Programm, bei dem Frauen im Alter zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre zu einer Untersuchung eingeladen werden. Hier gebe es keine Terminprobleme. Aber bei der sogenannten kurativen Mammografie, wenn also tatsächlich der Verdacht auf einen Tumor besteht oder eine anderweitige Kontrolle nötig ist, zum Beispiel im Rahmen einer Nachsorge nach einer Brustkrebserkrankung und eine Mammografie zur Abklärung wichtig ist, warten Patientinnen oft sehr lange. „Es war schon immer so, dass wir uns für Patientinnen, die einen hochgradigen Verdacht auf ein Mammakarzinom haben, selbst ans Telefon setzen, die radiologischen Praxen durchtelefonieren und für die Patientin einen Termin vereinbaren. Doch vor etwa zwei Wochen war es zum ersten Mal so, dass auch wir in so einem sehr besorgniserregenden Fall keinen Termin für eine Mammografie bekommen haben. Das hat mich wirklich schockiert.“ Schäfer und ihr Praxisteam in Augsburg weiten dann den Radius immer weiter aus, rufen also in immer weiter gelegenen Radiologie-Praxen an, um für die Patientinnen einen Termin zu bekommen. Allerdings dürfe man nicht vergessen: „Der Aufwand ist auch für uns sehr groß. Denn auch wir hängen dann oft in Warteschlangen. Das ist alles so grotesk.“
Dr. Ullrich Schricke ist Radiologe in München und im Vorstand des Bundesverbands der Radiologen. Er hat 2019 die Radiologie Initiative Bayern mitgegründet, die damals eine Petition gestartet hat, um die Politik auf die gravierenden Versorgungsprobleme in der kurativen Mammografie aufmerksam zu machen. Das Grundproblem, so Schricke, sei aber geblieben und liege darin, dass die aktuelle Vergütung nicht betriebswirtschaftlich sei. Dazu müsse man wissen, dass es zwei Arten der Honorierung gebe und dass das Mammografie-Screening anders abgerechnet wird als die kurative Mammografie. Konkret heißt das, „dass Radiologen für eine Mammografie im Screening-Programm 64,12 Euro erhalten, für die kurative Mammografie aber nur 39,62 Euro“. Das seien Sparmaßnahmen, die von der Kassenärztlichen Vereinigung so festgelegt werden mussten, um die zur Verfügung stehenden Mittel nicht zu überschreiten, erklärt Schricke. Doch er betont: „Notfälle versuchen wir immer einzuschieben.“ Und er hat auch eine gute Nachricht: Zusammen mit der Augsburger Radiologin Dr. Karin Flosdorf bauen seine Kollegen und er aktuell in Augsburg ein neues Mammographie-Zentrum auf, „wo wir nicht nur die Screening-Untersuchungen anbieten, sondern auch kurative Mammographien, obwohl Letzteres ein Draufzahlgeschäft ist“.
Wartezeiten in Bayern sind „gruselig lang“
Privatdozent Dr. Philipp Schlechtweg ist Radiologe und Mitgesellschafter des Diagnosticum Bayern Mitte, das Standorte unter anderem in Weißenburg und Gunzenhausen, aber auch in Ingolstadt hat. Die Gemeinschaftspraxis in Weißenburg bietet verschiedene radiologische Untersuchungen an, dazu gehören auch kurative Mammografien. Und für eine kurative Mammografie betrage in Weißenburg aktuell die Wartezeit etwa acht bis neun Monate. „Die Wartezeiten für kurative Mammografien sind aber in ganz Bayern gerade gruslig lang“, räumt der Mediziner ein. Allerdings betont auch er: „Notfälle, also Frauen, die einen konkreten Verdacht auf Brustkrebs haben, versuchen wir immer so schnell wie möglich einzuschieben.“ Dennoch spricht auch Schlechtweg, der stellvertretender Vorsitzender der Radiologie Initiative Bayern ist, von einer sehr unbefriedigenden Situation. Und große Sorge bereitet Schlechtweg: „Immer mehr radiologische Praxen in Bayern werden von Finanzinvestoren übernommen.“ Deren Ziel sei es aber nicht in erster Linie, die medizinische Versorgung in hoher Qualität sicherzustellen, sondern in bestimmten Zeitrahmen eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften.
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Nachgefragt beim bayerischen Gesundheitsministerium heißt es, dass „bisher nur sehr vereinzelt Anfragen zu langen Wartezeiten auf einen kurativen Mammografie-Termin“ bekannt seien. Und: „Bisher wurden keine Beschwerden über eine unzureichende Honorierung in der kurativen Mammografie an uns herangetragen.“ Für die Sicherstellung der fachärztlichen Versorgung sei indes die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) zuständig. Und die teilt auf Anfrage mit: „Wir teilen die Forderung, dass alle Leistungen angemessen als Einzelleistungen vergütet werden müssen.“ Das „Grundübel unseres ambulanten Gesundheitssystems“ bestehe allerdings darin, dass der „Budgettopf“, aus dem niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten ihre Honorare erhalten, insgesamt gedeckelt sei. „Die einfachste Lösung wäre es, den Budgetdeckel aufzuheben, dazu sind allerdings weder Politik noch Krankenkassen bereit.“ Das heißt, dass dieses Problem nur auf Bundesebene gelöst werden könne.
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