Freundschaftliches Getümmel

Freundschaftliches Getümmel
Freundschaftliches Getümmel
Bullenhaie im Shark Reef Marine Reserve, Fidschi. © Natasha D. Marosi

Bullenhaie tummeln sich im Shark Reef Marine Reserve auf Fidschi. Doch die Tiere begegnen sich nicht zufällig. Auch interagieren sie nicht willkürlich miteinander. Denn Haie sind keine strikten Einzelgänger. Sie haben ein komplexes soziales Leben und bilden sogar Freundschaften.

Forschende der University of Exter und der University of Lancaster untersuchten sechs Jahre lang das Sozialverhalten von Bullenhaien (Carcharhinus leucas). In hunderten Tauchgängen beobachteten sie die Tiere im Shark Reef Marine Reserve.

„Als Menschen pflegen wir eine Vielzahl sozialer Beziehungen – von lockeren Bekanntschaften bis zu tiefen Freundschaften, aber wir meiden auch aktiv bestimmte Personen – und Bullenhaie handeln ähnlich”, erklärt die leitende Wissenschaftlerin Natasha D. Marosi.

Um das Sozialverhalten der Tiere genauer zu untersuchen, zählten die Forschenden zum einen grobe Kontakte, die bestanden, wenn sich zwei Haie mit höchstens einer Körperlänge Abstand voneinander aufhielten. Zudem betrachteten sie feinere Interaktionsformen wie Mitmachen, Führen und Folgen, paralleles Schwimmen und Umkehren.

Die Unterschiede in den Begegnungen untersuchten die Forschenden darüber hinaus in Abhängigkeit von Alter sowie Geschlecht. Dabei fiel auf, dass männliche Haie zumeist mehr soziale Kontakte zu anderen Haien pflegen als weibliche. „Männliche Bullenhaie sind körperlich kleiner als Weibchen, daher könnte ein potenzieller Vorteil darin liegen, sozial stärker integriert zu sein. So sind sie vor aggressiven Auseinandersetzungen mit größeren Individuen geschützt”, so Marosi.

In Bezug auf das Alter stellte sich heraus, dass sowohl die älteren Bullenhaie als auch noch nicht ausgewachsene Tiere tendenziell weniger soziale Kontakte haben. Ältere Individuen, so Marosi, verfügen vermutlich über genügend Erfahrung, und müssen daher weniger gesellig sein. Jüngere Individuen dagegen halten sich oft in weiter entfernten Gebieten auf, möglicherweise um Konflikte mit erwachsenen Haien zu entgehen. Erst kurz bevor sie ausgewachsen sind, gesellen sie sich zu der Gruppe der erwachsenen Haie. „Wir haben ein paar mutigere Jungtiere im Reservoir, die soziale Kontakte zu einigen ausgewachsenen Haien geknüpft haben. Diese älteren Individuen könnten als Vermittler fungieren, sie in das soziale Netzwerk einbinden und möglicherweise auch einen Weg für soziales Lernen eröffnen“, berichtet Marosi. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Animal Behaviour veröffentlicht.

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