Inhaltsverzeichnis
Stürmische Zeiten: Der Klimawandel bringt nicht nur mehr Hitze, Dürren oder Starkregen nach Europa – auch Frühjahrsstürme werden häufiger und anhaltender, wie Klimaforscher ermittelt haben. Demnach entstehen heute signifikant mehr Sturmtiefs im Nordatlantik als noch 1940, zudem ziehen diese Stürme heute deutlich weiter über Europa hinweg als zuvor. Auch arktische Frühjahrsstürme sind häufiger, heftiger und ausdauernder geworden. Eine Ursache dafür ist das schwindende arktische Meereis, wie das Team berichtet.
Der Klimawandel heizt nicht nur die Erdatmosphäre auf, er verändert auch die großen, um den Globus ziehenden Windbänder, die Meerestemperaturen und die Bedingungen in der Atmosphäre. Dies beeinflusst auch, ob und wo Stürme entstehen. Denn warm-feuchte Luftmassen über den Meeren sind die Geburtsstätten regenreicher Stürme. Studien belegen, dass tropische Wirbelstürme durch die globale Erwärmung heftiger und regenreicher geworden sind als früher.

Sturm- und Wetterdaten von 1940 bis heute
Doch wie sieht es bei uns in Europa aus? Die über uns hinwegziehenden Sturmtiefs haben ihren Ursprung typischerweise über dem Nordatlantik. Die dortigen Wetterbedingungen und Meerestemperaturen lassen diese Tiefs entstehen, Windbänder wie der Jetstream lenken sie dann Richtung Europa. Wo diese Stürme dann über unseren Kontinent ziehen und wie weit, ist jedoch von Wetterlage und Jetstream-Position abhängig.
Wie sich Sturmhäufigkeit und Sturmbahnen über Europa und dem Rest der Nordhalbkugel in den letzten rund 85 Jahren verändert haben, hat nun ein Team um Zhi-Bo Li von der Universität Göteborg untersucht. Ihr Fokus lag dabei auf den bisher nur wenig untersuchten Frühjahrs- und Herbststürmen der mittleren und hohen Breiten. Während für Winterstürme bereits eine Zunahme an Stärke und Häufigkeiten nachgewiesen wurde, waren mögliche Veränderungen bei den Stürmen dieser Übergangsjahreszeiten unklar.
Für ihre Studie werteten Li und sein Team Wetterdaten eines globalen Datensatzes zu Luftdruck, Meerestemperaturen, Windbedingungen und Stürmen aus. Sie verglichen dabei Häufigkeit, Intensität und Zugbahnen von Sturmtiefs aus dem Nordatlantik, der Arktis und dem Nordpazifik in der Zeit von 1940 bis 2024.
Frühjahrsstürme sind häufiger und „haltbarer“
Das Ergebnis: „Wir sehen deutliche Veränderungen der Stürme über dem Nordatlantik, dem Nordpazifik und der Arktis auch im Frühjahr und Herbst“, berichtet Li. So bilden sich heute über dem Nordatlantik zwischen März und Mai signifikant mehr Stürme als noch vor rund 85 Jahren – im Schnitt nahm ihre Zahl um 0,7 pro Dekade zu. „Ein so heftiger und anhaltender Sturm wie Dave an Ostern 2026 war früher im April sehr selten“, erklärt Li. „Jetzt sehen wir so etwas dagegen häufiger.“
Die Frühjahrsstürme aus dem Nordatlantik sind zudem „haltbarer“ – sie legen weitere Strecken zurück, bevor sie sich abschwächen und auflösen. „Früher lösten sich viele Frühjahrsstürme schon über den Britischen Inseln auf, heute kommen sie oft bis nach Skandinavien“, sagt Li. Auch die Herbststürme sind den Auswertungen zufolge heute ausdauernder als früher, für sie konnte das Team aber keine signifikante Zunahme der Häufigkeit feststellen.

„Klarer Wandel in der Sturmlandschaft der Nordhalbkugel“
Noch deutlichere Veränderungen gibt es im hohen Norden jenseits des 65. Breitengrads: „In der Arktis entstehen zwar weniger Winterstürme, dafür sind die stärksten Sturmtiefs noch intensiver geworden und auch die Frühjahrsstürme leben länger und ziehen weiter als früher“, schreiben die Forschenden.
„Allgemein sehen wir einen klaren Wandel in der Sturmlandschaft der Nordhalbkugel“, sagt Li. „Unsere Studie schließt eine Lücke, indem sie zeigt, wie sich Stürme im Übergang zwischen Winter und Somer verhalten, hier gibt es signifikante Veränderungen, die bisher übersehen wurden.“ Nach Angaben der Forschenden passen die beobachteten räumlichen und saisonalen Muster aber gut zu den klimabedingten Veränderungen in Ozean und Atmosphäre.
Meereisrückgang ist Mitursache
„Ein Faktor, der auch zur Bildung von mehr Frühjahrsstürmen beiträgt, ist der Rückgang des arktischen Meereises“, erklärt Li. „Offenes Wasser gibt mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre ab als eine isolierende Meereisschicht.“ Dies begünstigt die Entstehung von Sturmtiefs und macht sie stärker und regenreicher. Dazu kommt, dass die schrumpfende Meereisfläche auch Lage und Verlauf von regionalen Luftströmungen und globalen Windbändern wie dem Jetstream beeinflusst. Dies wiederum verändert die Zugbahnen der Frühjahrsstürme.
Nach Ansicht der Forschenden unterstreicht dies, dass der Klimawandel nicht nur die traditionellen Winterstürme und ihre Bahnen beeinflusst, sondern auch die Sturmaktivität zu anderen Jahreszeiten. „Wir benötigen daher dringend auch saisonale Klimavorhersagen und Prognosen, die neben Winterstürmen und sommerlichen Extremen auch die Frühjahrs- und Herbststürme umfassen“, schreiben Li und seine Kollegen. Das sei auch wichtig, um entsprechende Anpassungen planen zu können.
Quelle: Zhi-Bo Li (Universität Göteborg) et al., Journal of Geophysical Research: Atmospheres, 2026; doi: 10.1029/2025JD044894
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Wissenschaft kategorie besuchen.