Gefährliche Dynamik

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Gefährliche Dynamik

Unter Kipppunkten können sich fast alle etwas vorstellen. Denn das Konzept ist anschaulich: Sobald ein gewisser Punkt erreicht ist, kippt ein System unumkehrbar. So plakativ dies ist, so umstritten ist das Prinzip in der Klimaforschung. Diese Debatte greifen Benjamin von Brackel und Toralf Staud in ihrem Buch „Am Kipppunkt“ auf, erst akademisch, dann praktisch, indem sie zwölf Ökosysteme als Kippelemente beschreiben.

Vom Regenwald über Korallenriffe und diverse Eis- und Frostregionen bis zur Atlantischen Umwälzzirkulation arbeiten sie den Forschungsstand zu Veränderungen in Ökosystemen auf, die – einmal angestoßen – unkontrollierbare Kettenreaktionen für das Klima in Gang setzen könnten. Stets wird aus den Recherchen und umfangreichen Expertengesprächen klar: Vieles würde sich dramatisch ändern. Je schneller wir gegensteuern, desto besser.

Drei Ansätze hierzu, „positive Kipppunkte“, stellen sie ebenfalls vor – eine starke Dehnung des Konzepts. Handelt es sich bei negativen Kipppunkten allesamt um vulnerable Ökosysteme, sind positive Kipppunkte vielmehr menschliche Konsum- und Verhaltensweisen, etwa die Umstellung auf E-Mobilität. So enthusiastisch die Autoren sie darstellen, manche Aspekte wie die begrenzte Rohstoffverfügbarkeit oder Konsequenzen für Natur und Umwelt lassen sie weitgehend unbeachtet. Insgesamt also ein anregendes Buch, das aber in seinem Ausblick nicht ganz überzeugt. Hans Siglbauer

Toralf Staud, Benjamin von Brackel
Am Kipppunkt. Wo das Klima zu kollabieren droht – und wie wir uns noch retten können
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 384 S., € 20,–
ISBN 978-3-462-00790-9

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