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Die Situation von Journalisten hat sich weltweit verschlechtert. Dies geht aus der Rangliste der Pressefreiheit hervor, die die internationale Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen jährlich erstellt. In 31 Ländern wird die Lage als „sehr ernst“, in 42 als „schwierig“ eingeschätzt, in 55 werden „erkennbare Probleme“ konstatiert, und nur in 52 könne von einer „guten“ oder „zufriedenstellenden“ Situation gesprochen werden.
Russland, China und Türkei weit hinten
Ins Auge fällt die nicht erst durch den Krieg in der Ukraine für inländische wie ausländische Journalisten gefährliche und weiterhin angespannte Situation in Russland (Rang 164 in der Liste) oder das Rekordhoch von mindestens hundert gefangenen Journalisten in den Gefängnissen der Volksrepublik China (179), die hinter Iran und Vietnam und knapp vor Nordkorea eines der Schlusslichter der Liste bildet.
Oftmals sind es anstehende Wahlen, die zu einer Einschränkung der Pressefreiheit durch die Regierungen einzelner Länder führen. So etwa in der Türkei (165), in der Präsident Recep Tayyip Erdogan um seine Wiederwahl fürchten muss. Das Land ist damit, wie Indien und Tadschikistan, in die Kategorie „sehr ernst“ gerutscht. In der bevölkerungsstärksten Demokratie der Welt, Indien, sorgt die Übernahme zahlreicher Medien durch einflussreiche und finanzstarke Freunde und Bekannte des Präsidenten Narendra Modi für den Abstieg.
Deutschland fällt zurück
Deutschland fällt um fünf Plätze auf Rang 21 ab. Reporter ohne Grenzen dokumentiert 103 physische Angriffe auf Journalisten im vergangenen Jahr, die höchste Zahl seit Beginn der Statistik 2015. Der Großteil der Vorfälle sei im Bereich rechtsextremer und antisemitischer Milieus zu verorten. Auch rassistische, sexistische und queerfeindliche Anfeindungen von Journalisten lassen sich dem Bericht entnehmen. Im europäischen Vergleich bleibt die Bundesrepublik hinter den Ländern im Norden des Kontinents zurück.
Norwegen und Irland bilden die Spitze der diesjährigen Rangliste. Dänemark rutschte vom zweiten auf den dritten Platz, Schweden fällt vom dritten Platz auf vier. Nordkorea ist das Schlusslicht der Rangliste der Pressefreiheit, vor China, Vietnam und Iran. China, merkt Reporter ohne Grenzen an, sei einer der „größten Exporteure von Propaganda“. Nirgend säßen mehr Journalisten im Gefängnis – mindestens 100, zehn von ihnen könnten im Gefängnis sterben, werden sie nicht bald freigelassen. (Die vollständige Liste findet sich im Netz unter: Rangliste der Pressefreiheit 2023 | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit (reporter-ohne-grenzen.de)
„Die Aggressivität gegenüber Medienschaffenden steigt weiter. Viele Regierungen und gesellschaftliche Gruppen versuchen, kritische Berichterstattung zu unterbinden“, sagte der RSF-Vorstandssprecher Michael Rediske. Erschreckend sei, „dass die Zahl der Übergriffe in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Demokratische Regierungen müssen Medien in ihren eigenen Ländern unterstützen, den Druck auf autoritäre Regime erhöhen und auch Exilmedien stärken. Desinformation darf nicht die Oberhand behalten.“
Zeitgleich zur Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht die Organisation den Bildband „Fotos für die Pressefreiheit 2023“. Insgesamt 21 Fotografen haben dafür Fotos aus dem letzten Jahr unentgeltlich bereitgestellt, acht von ihnen berichten in längeren Texten von ihrer Arbeit als Journalisten in Krisen- und Konfliktgebieten. Auf einem der Bilder steht ein herrenloser Koffer leicht schief auf einem Dorfplatz, daneben zwei unter weißen Planen verdeckte und nur an Händen und Füßen erkennbare Leichen. Es ist die Szene einer gescheiterten Flucht aus einem Vorort von Kiew im März vergangenen Jahres, fotografisch festgehalten von Diego Herrera Carcedo.
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