Glasfaser statt DSL? Telekom erhebt schwere Vorwürfe

Glasfaser statt DSL? Telekom erhebt schwere Vorwürfe
Wie erfolgt in Deutschland der Wechsel von DSL zu Glasfaser? Die Bundesnetzagentur hat vor einiger Zeit ihre Vorstellungen zur DSL-Abschaltung vorgelegt. Jetzt bezieht die Telekom Stellung – und erhebt schwere Vorwürfe.

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Telekom greift Kabelnetze anBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

In einer öffentlichen Stellungnahme als Reaktion auf das Regulierungskonzept der Bundesnetzagentur greift die Deutsche Telekom gleich mehrere Gegner an. Im Kern geht es um viel mehr als Technik und Regulierung. Es geht um die Hoheit über die Netze, Geld und die Frage, wer am Ende bestimmt, wann dein alter DSL-Anschluss verschwindet und welches Netz danach übrig bleibt. Die Telekom macht dabei aus ihrer Haltung keinen Hehl. Anders als bei sonstigen regulatorischen Stellungnahmen ist das Papier keine nüchterne Fachanmerkung. Es ist ein Frontalangriff auf die Bundesnetzagentur und indirekt auch auf die Kabelbranche. Das ist nicht irrelevant, denn der Streit über die DSL-Abschaltung wird am Ende darüber entscheiden, ob ein Wechsel zur Glasfaser freiwillig bleibt oder ob DSL-Netze schlicht verschwinden.

Was die Telekom der Bundesnetzagentur vorwirft

Am schärfsten zielt die Telekom-Stellungnahme auf die Rolle der Behörde. Die Telekom schreibt wörtlich: „Die BNetzA ist nicht Gesetzgeber, sondern ausführende Behörde.“ Und weiter heißt es, die Behörde überschreite mit ihrem Konzept ihre Rolle und nehme Einfluss auf künftige Gesetze. Besonders hart ist dieser Satz: „Die Grenze zwischen rollenadäquater Verwaltungstätigkeit und politischem Agenda Setting wird damit bewusst verwischt.“

Damit ist die Stoßrichtung klar. Die Telekom will die Debatte nicht nur technisch führen. Sie wirft der Bundesnetzagentur vor, aus Sicht des Konzerns Politik zu machen, statt nur geltendes Recht anzuwenden. Noch deutlicher wird das im nächsten Angriff. Das Papier sei „weniger als Regulierungskonzept im engeren Sinne zu verstehen, sondern vielmehr als politisch motivierter Diskussionsbeitrag“. Die Telekom wehrt sich gegen einen festen politischen Fahrplan für das Abschalten ihres Kupfernetzes. Der Konzern will selbst entscheiden, wo und wann ein Umstieg sinnvoll ist.

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Warum die Telekom sich benachteiligt sieht

Die Telekom argumentiert, sie werde doppelt belastet. Einerseits solle ihr Kupfernetz schneller verschwinden. Andererseits bleibe sie in vielen Bereichen weiter streng reguliert. Genau daraus leitet der Konzern seine angebliche Benachteiligung ab. Wörtlich spricht die Telekom von einer „systematischen Wettbewerbsverzerrung zuungunsten der Telekom“. Wettbewerber würden laut Stellungnahme „doppelt“ profitieren, nämlich durch „faktischem Gebietsschutz und regulatorisch geschützter Auslastung“.

Übersetzt heißt das: Die Telekom sagt, sie müsse ihr altes Kupfernetz womöglich früher aufgeben, während andere Anbieter in ausgebauten Gebieten von einer Art Schutzraum profitieren könnten. Der Konzern hält das für unfair, weil das Kupfernetz über viele Jahre privat finanziert worden sei. Auch deshalb spricht die Stellungnahme von einer möglichen „Entwertung getätigter Investitionen“.

Der Angriff auf die Kabelnetze

Fast noch spannender ist der Seitenhieb gegen die Kabelbranche. Dabei geht es vor allem um Vodafone, das mit seinem Kabelnetz weit mehr als 20 Millionen Haushalte mit Gigabit-Internet versorgen kann – wenngleich nur im Downstream. Die Telekom behauptet, nicht DSL sei heute das größte Hindernis für Glasfaser, sondern die bestehenden Kabelnetze. Im Papier steht wörtlich: „Kabelnetze: Der erste blinde Fleck des Regulierungskonzepts.“ Danach folgt der zentrale Vorwurf: Koaxialbasierte Kupferkabelnetze würden „eine deutlich größere hemmende Wirkung auf die Auslastung von Glasfasernetzen entfalten als klassische Kupfernetze“. Es ist nicht das erste Mal, dass die Telekom gegen die Kabelnetze wettert.

Die Telekom versucht damit, den Spieß umzudrehen. Wenn Politik und Regulierung wirklich konsequent wären, so die Logik, dann dürften sie nicht nur auf das Telekom-Netz schauen. Dann müssten sie auch die Kabelnetze in die Migrationsdebatte einbeziehen. Genau das passiere aus Sicht des Konzerns aber nicht.

Dazu passt auch dieser besonders bissige Satz: „Nicht das Kupfernetz der Telekom, sondern koaxialbasierte Kupferkabelnetze binden Nachfrage.“ Die Telekom behauptet also, dass Kunden eher beim Kabel bleiben und gerade das den Glasfaserausbau ausbremse. Tatsächlich sind die Kabelnetze von Vodafone und Tele Columbus weitaus billiger als eine Glasfaserleitung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Qualität bei Glasfaser weitaus höher ist. Wer erst einmal Glasfaser hat, will sie nicht mehr missen. In einer Verivox-Umfrage hieß es unlängst: „52 Prozent der befragten Glasfaserkunden können sich einen Wechsel zurück zu DSL oder Kabel nicht mehr vorstellen.“ Doch der Punkt mit der Nachfrage, die die Kabelnetze binden, geht dennoch an die Telekom. Die gleiche Umfrage ergab: Auf die Frage, welche Faktoren sie zu einem Wechsel auf Glasfaser-Internet bewegen könnten, nennen rund zwei Drittel der heutigen DSL- und Kabelkunden (65 Prozent) einen günstigen Preis bzw. ein gutes Angebot. Danach folgen mit jeweils 52 Prozent höhere Geschwindigkeiten sowie eine stabilere Verbindung.

Was das für Verbraucher bedeutet

Die Telekom versucht, die Debatte von einem einfachen „DSL muss weg“ wegzulenken. Sie sagt, das Problem sei viel komplizierter. Solange Kabelnetze stark bleiben und solange offene Zugänge zu Glasfasern nicht überall sauber geregelt sind, könne eine Abschaltung auch Nachteile bringen.

Das Papier arbeitet dabei bewusst mit harten Formulierungen. Besonders drastisch ist der Vorwurf einer „planwirtschaftliche Außerbetriebnahme bestehender Netzinfrastruktur gegen den erklärten Willen des Netzbetreibers“. Das ist keine technische Feinheit mehr. Das ist politische Sprache, die man so in öffentlichen regulatorischen Stellungnahmen der Telekom selten sieht. Gleichzeitig muss man aber auch bedenken: All das ist die Sicht der Telekom. Die Stellungnahme ist kein neutraler Faktencheck. Sie zeigt aber gut, worum der Streit jetzt geht. Die Telekom will verhindern, dass sie beim Abschalten von DSL allein unter Druck gerät, während Kabelnetze außen vor bleiben und die Bundesnetzagentur aus Sicht des Konzerns zu weit geht. Genau deshalb dürfte das Thema DSL-Abschaltung noch lange nicht erledigt sein. Insider rechnen damit, dass frühestens 2030 die ersten Abschaltungen stattfinden – wenn überhaupt.

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  • VDSL Symbolbild: Deutsche Telekom

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