Gräberfeld beleuchtet Anfänge der Bajuwaren

Gräberfeld beleuchtet Anfänge der Bajuwaren

Ein Gräberfeld im bayrischen Bad Füssing gibt neue Einblicke in Geschichte der Bajuwaren und in eine entscheidende Umbruchszeit der Region – den Übergang von der römischen Herrschaftszeit zum Frühmittelalter. Archäologen haben auf diesem Friedhof nicht nur die Gebeine der „bajuwarischen Prinzessin“ aus dem 6. bis 7. Jahrhundert entdeckt, sondern auch rund 150 Jahre ältere Gräber. Diese stammen damit aus der Zeit kurz vor Ende des Weströmischen Reichs und zeugen von schon damals beginnenden Veränderungen und Migrationen.

Der Übergang von der römisch geprägten Spätantike zum Frühmittelalter ereignete sich im Ostalpenraum wahrscheinlich vor rund 1550 Jahren. Damals zogen sich die Römer nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reichs aus der Region zurück. Die einheimische Bevölkerung bestand aus verschiedenen, romanisierten keltischen Volksgruppen, die sich im Zuge der Völkerwanderung mit zugewanderten Alamannen, Langobarden und germanischen Söldnern mischten. Ende des 5. Jahrhunderts entstand daraus der Stamm der Bajuwaren, der sich im Frühmittelalter weiter im Alpenraum ausbreitete. Doch über die Umbruchszeit zwischen dem Rückzug der Römer und dem Beginn des bajuwarisch geprägten Frühmittelalters ist für Ostbayern bisher nur wenig bekannt.

Eine „bajuwarische Prinzessin“…

Jetzt bieten neue Funde in einem Gräberfeld bei Bad Füssing im Landkreis Passau mehr Einblicke in diese Zeit. Bereits 2021 hatten Archäologen dort erste Gräber entdeckt, die sie auf das 6. und 7. Jahrhundert datierten – die Zeit der Bajuwaren. Besonders spektakulär war dabei das reich ausgestattete Grab einer jungen Frau, die bald als „bajuwarische Prinzessin“ bekannt wurde. Die mit 18 bis 25 Jahren gestorbene Frau trug eine Kette aus mehr als 200 bunte Perlen aus Glas und Edelsteinen um den Hals, außerdem eine Goldkette. Im Grab fanden die Archäologen zudem Elfenbeinringe, eine Bergkristallkugel mit Silberfassung und eine aufwendig verzierte Gewandschnalle. Diese Fundstücke legen nahe, dass es sich bei der Toten um eine hochrangige Person gehandelt hat – möglicherweise ein Adelige.

Spitzbecher
Dieser gläserne Spitzbecher stammt aus einer Zeit deutlich vor der „bajuwarischen Prinzessin“. © Büro für Archäologie Neupert, Kozik & Simm

Inzwischen haben Archäologen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege die Grabungen im Reihengräberfeld von Bad Füssing fortgesetzt. Dabei stießen sie auf mehrere Objekte, die nicht aus der Zeit der „bajuwarischen Prinzessin“ stammen, sondern schon älter sein müssen. Dazu gehören etwa gläserne Spitzbecher, Keramikschalen und Gewandschließen, die auf eine deutlich frühere Bestattungszeit hinwiesen. Tatsächlich ergab eine Radiokarbonanalyse an ausgewählten Gräbern und Grabbeigaben, dass dieses Gräberfeld in der Mitte des 5. Jahrhunderts genutzt wurde, rund 120 Jahre vor der Bestattung der „Prinzessin“.

…und ein Krieger aus der Umbruchszeit

„So spektakulär die Grabbeigaben der Prinzessin auch sind – für die Wissenschaft sind einige der älteren Gräber noch bedeutsamer“, erklärt Mathias Pfeil, Generalkonservator beim Landesamt. Denn diese Toten und ihre Grabbeigaben stammen aus der Übergangszeit, die das Ende der römischen Ordnung im Ostalpenraum markierte. „Nun kommt durch die Archäologie allmählich Licht ins Dunkel und wir verstehen immer besser, wie sich die Siedlungsgeschichte am Inn in dieser Umbruchszeit entwickelte“, sagt Pfeil.

Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang ein männlicher Toter aus der Zeit um 480. Verletzungsspuren an seinen Knochen legen nahe, dass dieser rund 40 bis 60 Jahre alte Mann bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung den Tod fand. Davon zeugt eine deutliche Scharte in seinem Oberschenkelknochen, die von einem Schwerthieb stammen könnte, wie das Landesamt berichtet. Der Schädel des Toten ist gebrochen und zeigt Spuren zweier weiterer Hiebe, die zum Todeszeitpunkt noch frisch waren. Dies legt nahe, dass der Mann an diesen Kopfverletzungen starb, wie die Archäologen berichten. Abnutzungsspuren am Oberschenkelknochen und ein im Grab entdeckter Reitersporn verraten zudem, dass der Tote einen Großteil seines Lebens zu Pferde verbrachte. Möglicherweise saß der Reiter zu Pferd, als er einen Schwerthieb in den rechten Oberschenkel erlitt, vom Tier stürzte und anschließend am Boden erschlagen wurde.

Zusammengenommen legen die Funde nahe, dass die Gemeinschaften im östlichen Voralpenland schon vor Ende des Weströmischen Reichs starke Veränderungen erlebten, wie das Landesamt berichtet. Noch bevor sich die Bajuwaren als Volksgruppe herausbildeten, waren schon nicht-römische Gruppen in die Region eingewandert und beeinflussten die Kultur und Lebensweise. Ablesbar ist dies auch an den Bestattungstraditionen, die sich schon ab Mitte des 5. Jahrhunderts zu wandeln begannen. Funde wie diese liefern damit wertvolle Erkenntnisse zum Leben und Sterben der „ersten Bayern“ am Inn vor mehr als 1500 Jahren.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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