Große Renten-Anpassung ab 2027: Katastrophe mit Ansage?

Große Renten-Anpassung ab 2027: Katastrophe mit Ansage?
Deutschland steckt in der Rentenkrise. Ältere sind unzufrieden und jüngere glauben gar nicht erst daran, noch etwas zu bekommen. Nun soll ein neues Altersvorsorge-Depot für alle ab 2027 Abhilfe schaffen. Doch es hagelt bereits jetzt Kritik.

Rentner mit Geldscheinen
Große Renten-Anpassung ab 2027: Katastrophe mit Ansage?Bildquelle: Rodica Ciorba / shutterstock.com

Junge Menschen glauben nicht mehr daran, sich durch Fleiß und harte Arbeit einen angenehmen Ruhestand erarbeiten zu können. Drei Viertel haben Angst vor der Altersarmut. Viele haben keinerlei Vertrauen mehr in die gesetzliche Rente. Ein Umstand, den auch die Bundesregierung nicht länger ignorieren kann. Deshalb soll ein neues Altersvorsorge-Depot die Probleme ab 2027 abschwächen. Doch noch bevor das Altersvorsorge-Reformgesetz final beschlossen ist, werden kritische Stimmen laut. Um eine Pleite zu verhindern, starten Finanzexperten eine Petition.

Richtiger Ansatz oder eine erneute Katastrophe?

Eine Vermögenssteuer wird in Deutschland bereits seit 1997 nicht mehr erhoben. Ein Teil des Problems, aber nicht die Hauptursache. Was speziell mit Blick auf die Rentenprobleme relevanter sein dürfte, ist der demografische Wandel. Unterm Strich gibt es immer mehr ältere Bürger, die Renten beziehen, und immer weniger jüngere Bürger, die in die Rentenkasse einzahlen. Als Lösung sollte die sogenannte Riester-Rente, eine staatlich geförderte private Altersvorsorge, dienen. Doch diese scheiterte katastrophal – nicht zuletzt aufgrund eines Produkte-Wirrwarrs und zu hoher Gebühren. Letzteres bescherte den Versicherern zwar dicke Geldbeutel, doch dem Bürger hatte die Regierung damit einen Bärendienst erwiesen.

Nun hat die Bundesregierung einen neuen Entwurf für das Altersvorsorge-Reformgesetz vorgelegt, der die Riester-Rente getreu seinem Namen grundlegend reformieren soll. Die Idee: Ab 2027 soll ein neues staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot angeboten werden, das Investitionen in Aktienfonds und ETFs erlaubt.

Passend dazu: Alle Rentner sollen 50.000 Euro zusätzlich erhalten – reicht das?

Die Höhe der Förderung soll sich dabei nach der Höhe der Einzahlungen richten. Auf bis zu 1.200 Euro pro Jahr sollen nach dem aktuellen Gesetzesentwurf 30 Prozent Zuschuss möglich sein (35 Prozent ab 2029). Während weitere 600 Euro mit immerhin 20 Prozent bezuschusst werden. Unterm Strich wären also maximal 480 Euro Zuschuss für die Jahre 2027 und 2028 möglich. Und dann gibt es noch einige Boni.

Dazu gehören eine Kinderzulage mit 25 Prozent auf bis zu 1.200 Euro (maximal 300 Euro pro Kind) sowie ein Berufseinsteiger-Bonus in Höhe von 200 Euro für unter 25-Jährige. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro. Klingt nicht schlecht? Der Schein kann trügen. Deshalb schlagen sowohl die Verbraucherzentrale als auch die Experten von Finanztip nun Alarm.

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Neue Altersvorsorge-Depots haben zwei große Probleme

Ein Grund für das Scheitern der Riester-Rente lag in der Vielzahl unterschiedlicher Produkte. Sparer waren bei der Planung ihrer Altersvorsorge auf die Unterstützung von Vermittlern angewiesen. Da diese jedoch auf Provisionsbasis verdienten, stand oft nicht das beste Produkt im Vordergrund, sondern das mit der höchsten Provision. Und nun scheint sich die Bundesregierung sehenden Auges in die gleiche Falle stürzen zu wollen.

„Es ist geplant, dass die Anbieter jeweils eigene sogenannte Standardprodukte anbieten und zusätzlich reguläre Riester-Verträge“, so die Verbraucherzentrale. Deshalb fordert diese die Einführung eines staatlich organisierten, einfachen, transparenten und kostengünstigen Standardprodukts zur Altersvorsorge. Ausgehend von dem aktuellen Entwurf befürchten die Verbraucherschützer eine Verkaufswelle „neuer teurer Produkte mit mehr Risiken vorbei am Bedarf der Verbraucher:innen“.

Und auch die Experten von Finanztip zeigen sich besorgt. Sie haben eine Petition gestartet, um die laufenden Gebühren der neuen Altersvorsorge-Depots bei maximal 0,5 Prozent im Jahr zu deckeln. Warum? Die Antwort liefert eine Rechnung über 40 Jahre bei einem monatlichen Sparbetrag von 200 Euro und einer Rendite von 6 Prozent. Damit kommt man laut den Finanzexperten bei 0,5 Prozent Kosten auf ein Vermögen in Höhe von 338.000 Euro. Und bei 1,5 Prozent Kosten? Aufgrund des schwächeren Zinseszins-Effekts würde hier nur ein Vermögen von 263.000 Euro zustande kommen – rund 75.000 Euro weniger.

Aktuell haben bereits knapp 130.000 Bürger die Petition unterzeichnet. Noch ist der Gesetzentwurf nicht final, daher können die Schwächen bis 2027 noch ausgemerzt werden. Doch sollte der Entwurf größtenteils unverändert übernommen werden, sollten künftige Rentner genau kalkulieren, ob sich die neue Rentenhilfe auch wirklich rechnet.

Bildquellen

  • id-teaser: inside digital/WhatsApp
  • Rente: Das soll sich 2026 für ganz Deutschland ändern: inside digital / KI-generiert
  • Große Renten-Anpassung ab 2027: Katastrophe mit Ansage?: Rodica Ciorba / shutterstock.com

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