#Grüne Jugend will Negernbötel umbenennen

Grüne Jugend will Negernbötel umbenennen

Exakt neunhundertneunundachtzig Einwohner fasst die kleine Gemeinde Negernbötel in Schleswig-Holstein. Und geht es nach der Grünen Jugend im dazugehörigen Kreis Segeberg, dann sollte es schnellstmöglich zu einer Umbenennung kommen. Denn der plattdeutsche Name, den der Ort 1306 erhielt, wecke einen Rassismusverdacht. So jedenfalls berichten es mehrere Medien wie die Kieler Nachrichten und die Bild-Zeitung.

Der Parteinachwuchs der Grünen weist auf Instagram allerdings selbst auf den Ursprung des Ortsnamens aus dem 14. Jahrhundert hin, der so viel bedeutet wie nähere (negern) Siedlung (Botele oder Bötel). Gemeint ist näher bei Segeberg als der ferner gelegene Ort Fehrenbötel. Die Grüne Jugend argumentiert, die meisten Menschen assoziierten den Namen jedoch heutzutage nicht mit der plattdeutschen Sprache.

„Der Ortsname N***rnbötel enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort“, schreibt die Jugendorganisation. „Natürlich bedeutet das nicht, dass die Einwohner*innen des Dorfes rassistisch sind, aber es bedeutet, dass wir ein Wort, welches für Rassismus, Unterdrückung und Mord an Black, Indigenous, People of Color steht, ehren und uns keine Gedanken darüber machen.“

Der Negernböteler Bürgermeister Marco Timme sagte am Freitag, er schätze das politische Engagement der jungen Leute. Es wäre aber besser gewesen, sich an die Gemeindevertretung zu wenden, denn nur dieses Gremium könne den Ortsnamen ändern. Das Thema komme alle paar Jahre wieder hoch, habe ihn schon sein Vorgänger im Amt gewarnt. Diesmal sei es aber „echt schwierig, weil es uns in der Arbeit behindert“, sagte Timme. Das Thema sei in der Gemeinde längst diskutiert und es bestehe kein Wunsch nach Namensänderung.

Bereits im Januar diesen Jahres hatte Timme den Lübecker Nachrichten zu der immer wieder aufkommenden Debatte gesagt: „Bei uns lebt nicht ein Rassist. Wir haben so großen Zuspruch. Wen das stört, der kann ja woanders wohnen.“

Der Landesvorsitzende der Grünen, Steffen Regis, bremste den Parteinachwuchs. Es gebe keinen Anlass, dem Ortsnamen oder gar den Einwohnern rassistische Motive zu unterstellen. „Eine Umbenennung des Ortes steht für uns nicht zur Debatte.“ Dabei brachte die Grüne Jugend sogar einen konkreten Vorschlag ein: „Näherbötel“.

In Deutschland ist es in der jüngeren Vergangenheit zu mehreren Umbenennungen wegen vermeintlich rassistischer Namen gekommen. So gaben sich etwa Mohrenapotheken in München und Kiel neue Namen. Eine Diskussion löste dazu die Neubenennung der Mohrenstraße in Berlin aus. Die Straße in Friedrichswerder soll nun nach dem ersten schwarzen Gelehrten an einer deutschen Universität Anton-Wilhelm-Amo-Straße genannt werden.

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