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#Heilung für die ganze Welt

Heilung für die ganze Welt

Die Maske muss abgenommen werden“, sagt Prince Harry zu Beginn von „The Me You Can’t See“. Damit beschreibt er das Leitmotiv und Grundprinzip der fünfteiligen Dokumentar­serie, die am 21. Mai auf der Streaming-Plattform Apple tv+ veröffentlicht wurde. Prince Harry ist ein Gegner der Maske, unter der das Ich, das in unserer Gesellschaft vermeintlich nicht gesehen wird, verborgen bleibt: das psychisch leidende Ich.

Und er macht vor, wie Demaskierung geht. Eine der Masken, die er in dieser Serie zuallererst abnimmt, ist sein Prinzentitel. Hier ist er einfach nur „Harry“, einer von vielen; er trägt keinen Titel, sondern eine Wunde. Außer im Abspann der Serie, da wird Prince Harry, the Duke of Essex, nämlich als ihr Ko-Produzent aufgeführt.

„The Me You Can’t See“ hat er zusammen mit Oprah Winfrey produziert, und in der Serie treten beide auf als sogenannte Gastgeber, aber auch als Angehörige der Gemeinde derer, die hier ihr versehrtes Ich zeigen. Zwiegespräche zwischen Oprah und Harry, von Sessel zu Sessel, bilden den Rahmen und roten Faden aller Folgen. Natürlich sind es keine Zwiegespräche. Sie erzeugen einen scheinbar vertraulichen Raum, dessen heimelige Intimität sich an ein Millionenpublikum richtet.

Auch darin schließen sie an das bereits monumental gewordene Interview an, das Harry und Meghan Markle Oprah Anfang März gegeben haben, über die Gründe für ihren Rücktritt als Senior Royals. Wie in etlichen anderen Interviews, die Oprah in den letzten vier Jahrzehnten geführt hat, bringt sie in den Sessel-Gesprächen mit Harry ihr Gegenüber mit direkten Fragen dazu, Persönliches preiszugeben, und knüpft daran ungefragt eigene private Einlassungen an. Im ersten dieser Gespräche geht es um das Trauma, das Harry, wie er sagt, durch den Tod seiner Mutter davongetragen und dem er sich erst in jüngerer Zeit gestellt hat.

Erzählt Oprah von sich oder tut seelenkundliches Grundlagenwissen kund (was oft ununterscheidbar ist), gibt Harry sich als guter, aber stiller Zuhörer, der verständnisvoll und ein bisschen ehrfürchtig nickt, wie ein Kind, das sich von seiner Mutter die Welt erklären lässt. Oprah, die in der Serie mehrmals von „ihren Mädchen“ spricht, die sie im Lauf vieler Jahre als eine Art Patin versorgt hat, hat diesmal, scheint es, einen Jungen unter ihre Fittiche genommen. Er heißt Harry, und er hat, das wussten wir schon vorher, ein neues amerikanisches Zuhause.

Mit der Serie wird endgültig klar, dass er auch einen neuen Job hat, einen Self-made-Job im wahrsten Sinne. Nach intensiver therapeutischer Arbeit an sich selbst ist er nun zum internationalen Botschafter dafür geworden, „mental health“ – psychische Gesundheit – zum öffentlichen Thema zu machen. Sie sei, beteuert er, das größte Problem unserer Zeit. Neben dem Klimawandel.

„The Me You Can’t See“ hat ein starkes Sendungsbewusstsein. Die Serie will über mentale Störungen aufklären und dazu beitragen, ihnen das Stigma zu nehmen, mit dem sie noch belegt seien. Sie will das Bewusstsein dafür erhöhen, wie verbreitet diese Störungen sind und dass es an Mitteln zu ihrer Prävention und Behandlung fehlt. Nicht zuletzt will sie erste Hilfe leisten für Betroffene, die vielleicht noch gar nicht ahnen, dass sie es sind.

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