#In der Form ihres Lebens

In der Form ihres Lebens

Ein mögliches Triple ließ Anna Elendt aus. Nachdem die Schwimmerin der SG Frankfurt bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin schon zwei Tage hintereinander mit deutschen Rekorden zu zwei Meistertiteln gekommen war, meldete sie am Sonntag für das Finale über 200 Meter Brust ab. Den Vorlauf über die längste Strecke ihrer Lieblingslage hatte die 19-Jährige noch in 2:26,89 Minuten für sich entschieden, was nur wenige Hundertstel über ihrer persönlichen Bestleistung war.

Sowohl über 50 als auch 100 Meter Brust hatte die in den USA studierende Hessin während dieser Titelkämpfe im Rahmen der sogenannten „Finals“ den deutschen Rekord verbessert und damit den Verantwortlichen im Deutschen Schwimmverband zu denken gegeben. Denn offiziell, nach dem Ergebnis der Trials, ist die Weltmeisterschaftsfinalistin von 2019 zwar für die Olympischen Spiele in Tokio, aber dort nur für die Lagenstaffel qualifiziert.

Vorauszusehen war die Leistungssteigerung nicht. Zwar hatte Elendt, wie sie erklärte, ihre Renntaktik noch einmal umgestellt und übt deutlich mehr ihren eigenen Stil als früher in der Heimat. Doch hatte Elendt aufs sogenannte Tapering verzichtet. Also darauf, ihr Training, wie vor wichtigen Wettkämpfen üblich, herunterzufahren. Doch für sie wie für die meisten anderen Schwimmer und Schwimmerinnen waren die nationalen Titelkämpfe mehr ein Schaulaufen fürs Fernsehen, weil ihr Leistungshöhepunkt bei der Olympiaqualifikation und den Spielen selbst erreicht werden soll.

Stil umgestellt, Bestzeiten aufgestellt, aber noch lange nicht am Ziel: „Es wird bis Tokio durchgezogen.“


Stil umgestellt, Bestzeiten aufgestellt, aber noch lange nicht am Ziel: „Es wird bis Tokio durchgezogen.“
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Bild: dpa

Umso größer war denn auch das eigene Erstaunen der jungen Frau aus Dreieich-Götzenhain über ihre Schnelligkeit. Am Freitag war sie nach 100 Metern mit einer Zeit von 1:06,50 Minuten aufgetaucht und hatte damit die zwölf Jahre alte Bestmarke von Sarah Poewe um eine halbe Sekunde unterboten. Einen Tag später sprintete sie über die nichtolympischen 50 Meter Brust in 30,67 Sekunden eine Zehntelsekunde schneller als die bisherigen Rekordhalterinnen Kerstin Vogel und Dorothea Brandt. Beide Male schaute die Siegerin nach ihren Rennen völlig fassungslos auf die Anzeigetafel.

Tägliche Wettkämpfe bei Urlaubsstimmung

Elendt, der schon ihr früherer Trainer Alexander Kreisel in Darmstadt eine große Zukunft vorhergesagt hatte, weiß, dass sie diesen beachtlichen Aufwärtstrend ihrem mutigen Sprung nach Übersee direkt nach dem Abitur verdankt. „Vor den USA wäre ich nicht mal ansatzweise an diese Zeiten herangekommen, und jetzt bin ich zwei deutsche Rekorde hintereinander geschwommen“, stellte sie nicht mal ein Jahr nach ihrem Wechsel an die University of Texas in Austin fest. Dort genießt sie als Stipendiatin optimale Bedingungen für ihren Sport. Inmitten von 20 anderen starken Schwimmerinnen wird dort bei motivierender Musik am Beckenrand und oft strahlendem Sonnenschein bei jeder Einheit „gebattlet“. Tägliche Wettkämpfe bei Urlaubsstimmung, so darf man sich das wohl vorstellen. Die Wege auf dem Campus, wo Elendt wohnt, sind kurz, die Betreuung ist auch abseits der Übungseinheiten, etwa im medizinischen Bereich, optimal.

Unter ihrer Trainerin Carol Capitani, die einst Rebecca Soni zu Olympiasiegen coachte, erlernte die deutsche Gaststudentin frühzeitig einen anderen Rhythmus von Armzug und Beinschlag. So kann sie mit weniger Aufwand schneller sein, wie sie sagt. Die Belastungen, die daraus entstehen, pfeilschnell durch das Becken zu gleiten, steckt sie damit besser weg. Ausruhen steht auch deshalb vorerst nicht auf ihrem Plan. „Ich fange direkt am Montag oder Dienstag wieder mit Training an“, betonte Elendt. „Es wird bis Tokio durchgezogen.“

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