In eigener Sache: Todesursache KI – eine genauere Einordnung

In eigener Sache: Todesursache KI – eine genauere Einordnung

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In eigener Sache: Todesursache KI – eine genauere Einordnung

Am letzten Freitag haben wir einen Beitrag zu den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Projekte wie uns veröffentlicht, für den, so offen müssen wir sein, eine für unsere Verhältnisse ziemlich überspitzte Aufmachung gewählt wurde. Während der Artikel selbst eigentlich eine dringend notwendige Diskussion anregen sollte, war so mancher im zugehörigen Kommentarthread ziemlich aufgeschreckt und bekam den Eindruck, dass hier in absehbarer Zeit die Lichter ausgehen.

Deswegen schreibe ich kurzfristig nochmal einen zweiten Beitrag, der das Ganze mal in ein genaueres Licht rücken wird. Vorab sei gesagt: Nein, ihr braucht keine Angst haben, dass wir euch in wenigen Monaten hier von der Fahne gehen, uns geht es immer noch ziemlich gut. Gleichzeitig ist das eine Diskussion, die man führen muss, zumal auch mehrere Faktoren hier zusammenkommen.

Faktor 1: Microsoft

Fangen wir mit was Offensichtlichem an: Wir sind ein Projekt, was sich auf Inhalte über Microsoft für Consumer spezialisiert hat, und die machen es uns mit der aktuellen Strategie des Unternehmens nicht gerade leicht. Dass sich bei Microsoft mittlerweile alles um Copilot in seinen diversen Varianten dreht, ist dabei ein Punkt, der gar nicht mal so relevant wäre. Copilot gibt es auch für Consumer. Besagte Zielgruppe rückt für Microsoft in einem atemberaubenden Tempo allerdings immer mehr in den hintersten Hintergrund und entsprechend reduzieren sich die Inhalte, über die man schreiben könnte.

Inhalte, die für die Generierung von Reichweite gleichzeitig der erste Hebel sind. Was wir damit meinen, wird deutlicher, wenn man sich einmal anschaut, in welchen Bereichen Microsoft bei seinen Streichkonzerten vor allem gekürzt hat. Hier wird sehr schnell deutlich, dass das vor allem den Consumer-Bereich getroffen hat: Movies & TV, etliche Einschnitte bei der Xbox, diverse Apps wie Xbox Avatar-Editor oder Dienste wie Defender VPN. Hinzu gesellen sich Punkte, die sich eh schon über Jahre angestaut haben, etwa dass die Marke Surface mittlerweile nur noch ein ausgehöhlter Schatten seiner selbst ist.

Im Endergebnis führt das dazu, dass wir zwar viel Dienst nach Vorschrift machen, etwa indem wir euch erzählen, was der letzte Patchday gebracht hat, welche Spiele in den Game Pass kommen oder welche Neuerungen die aktuellen Versionen von Edge, den PowerToys und anderen Produkten mitbringen. Zusätzliche Kategorien wie der Gadgetcheck oder Connected Roadtrip verbreitern unsere Inhalte als Bonus dabei noch. Aber am Ende können wir festhalten, dass die Strategie von Microsoft dafür sorgt, dass wir anders als die Apple-Kollegen nur noch selten über was berichten können, was bei Microsoft wirklich für eine emotionale Bindung sorgt. Die Zeiten von Windows Phone oder dem Microsoft Band sind eben vorbei.

Faktor 2: Reichweite

Reichweite ist eine heterogene Angelegenheit und bezieht sich nicht nur auf die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Martin in seinem Beitrag am Freitag angesprochen hat. Andere Faktoren sind zum Beispiel die Algorithmen in den sozialen Netzwerken oder die Sichtbarkeit in Aggregatoren wie Google News oder MSN. Alle Faktoren zusammen summieren sich nachher zu dem Gesamtproblem, was kleinere Seitenbetreiber wie Dr. Windows dann bekommen und was sich dann am Ende auch in der Refinanzierung niederschlägt. Damit wären wir bei den 80 %, die im vorherigen Beitrag erwähnt wurden.

Nun ist Dr. Windows für uns durch die Bank ein Freizeitprojekt. Niemand aus dem Team kriegt von Martin eine Aufwandsentschädigung und wir müssen auch nicht aus Gewinnmaximierung jeden Kram mitmachen. Relevant bleiben aber die Betriebskosten. Wenn Dr. Windows irgendwann querfinanziert werden müsste, haben wir ein Problem. Damit die Refinanzierung über Werbung (und Affiliates) funktioniert, müssen die Leute aber zu uns auf die Seite finden. Fährt Künstliche Intelligenz hier den Schlagbaum runter, gerät entsprechend etwas ins Straucheln. Das zu korrigieren, ist nicht so leicht, wie man denkt.

Faktor 3: Geänderter Konsum

Viele von euch haben im Forum immer wieder angesprochen, warum wir nicht eine Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung einrichten oder unsere Plattformbasis verbreitern. Ersteres ist ein Punkt, der vor einigen Jahren schon einmal angedacht war und über Steady laufen sollte. Sowas kann man natürlich wieder aufgreifen, aber auch Plattformen wie Steady oder Patreon laufen darauf hinaus, dass wir den Lesern einen Mehrwert bieten müssen und das Einkommen dann auch sicher reinkommen muss, um die Betriebskosten zu decken.

Dann wären wir ein Stück weit unabhängiger von etwaigen Reichweitendiskussionen, aber abhängiger davon, wie viel die Leser für ein Angebot wie Dr. Windows monatlich tatsächlich zahlen würden, ob als Spende oder Pseudo-Abo. Wir geben zwar unser Bestes, aber der Spiegel, das Handelsblatt oder die Zeit sind wir eben dann doch nicht. Außerdem hat sich das Konsumverhalten vieler Internetnutzer sowieso stark geändert und kurze und präzise Inhalte klicken sich wesentlich besser als lang ausgelegter Content, egal in welcher Form.

Die Debatten um eine Plattformerweiterung gehen in eine ähnliche Richtung. Im Forum wurde besonders unser YouTube-Kanal und der frühere OneCast angesprochen, und tatsächlich könnte man darüber nachdenken, auf YouTube, Spotify und anderswo ein gesondertes Angebot zu machen. Trotzdem steht man bei den Plattformen vor ähnlichen Problemen. Viele Kanäle auf YouTube oder Twitch könnten sich ohne Sponsoren, Kanalmitgliedschaften oder sowas wie Patreon nicht refinanzieren, weil die Ausschüttung von Werbeeinnahmen durch Google und Amazon inkl. Einnahmenteilung ziemlich mies ist. Wir reden hier also bestenfalls von einer kleinen Ergänzung, aber keiner Lösung des eigentlichen Problems.

Faktor 4: Begrenzte Ressourcen

Dass Dr. Windows ein Freizeitprojekt ist und nicht jedem Trend hinterher jagen muss, sondern seine Zukunft unabhängiger gestalten kann, ist daneben ein schöner Nebeneffekt, bedeutet aber auch, dass wir nur begrenzte Ressourcen in das Projekt investieren können und Dr. Windows im Ernstfall gegenüber wichtigeren Sachen zurückstecken muss. Wenn Claus jeweils einen Beitrag für Dr. Windows und einen für die PC Games Hardware auf seinem Schreibtisch hat, wo er sein Geld verdient, ist klar, dass wir später dran sind. Wenn ich einen Beitrag vorbereite, aber gleichzeitig wichtige Aufgaben im Rahmen der Eingliederungshilfe erledigen muss, weil das für meine langfristige Zukunft extrem wichtig ist, dann gibt es da auch keine Diskussionen, was Vorrang hat. Sind nur zwei Beispiele.

Ich will damit keine Ausreden forcieren, aber ich möchte euch deutlich machen, wo genau Dr. Windows in der internen Hierarchie steht: Schon weit oben, aber eben doch in der zweiten Reihe. Allen im Team bedeutet das Projekt sehr viel, aber Lösungen zu finden bedeutet vor dem Hintergrund sehr wahrscheinlich auch, dass wir Prioritäten setzen müssen und wir dann womöglich eher von Umschichtungen als von einem realen Aufwuchs der Ressourcen reden würden. Wie das langfristig aussehen könnte, wenn Microsoft seine bisherige Strategie weiter so durchzieht, darauf haben wir aber noch keine abschließende Antwort.

Wollen wir weitermachen? Ja. Aber gleichzeitig ist es uns immer noch wichtig, dass keiner von uns in irgendeiner Weise von Dr. Windows abhängig ist. Das betrifft nicht nur die berufliche oder anderweitige Seiten, die wir alle haben und die ohnehin prioritär behandelt werden (müssen), sondern manche haben auch noch eigene Projekte, die Dr. Windows zusätzlich flankieren. Es wäre also nicht so, dass wir nichts mehr zu tun hätten, wenn das hier mal endet. Dr. Windows ist ein wichtiger Teil unserer Gegenwart, aber wir sind uns alle bewusst, dass es nicht unbedingt Teil unserer mittel- bis langfristigen Zukunft sein wird. Irgendwann (und hierauf liegt die Betonung) wird hier Schluss sein, mit Blick auf ein offenes Ende gesprochen.

Faktor 5: Ein neuer Deal?

Ihr seht also, dass für Dr. Windows selbst erstmal keine unmittelbare Gefahr besteht, sodass hier übermorgen die Lichter ausgehen. Gleichzeitig ist das unter Berücksichtigung aller Faktoren aber eine Diskussion, die wir nicht nur teamintern, sondern zu einem gewissen Anteil auch mit euch als Lesern führen wollen und müssen. Einerseits betrifft das die Notwendigkeit, eine Idee dafür zu entwickeln, wie man Inhalte trotz der Strategie von Microsoft, die weiterhin ein Risiko für uns sein wird, wieder spannender bekommt. Zweitens muss dieser Dreiklang aus Reichweite, Refinanzierung und Ressourcen wieder in ein akzeptables Gleichgewicht gebracht werden.

Ganz persönlich glaube ich, dass wir ähnlich wie die Kollegen bei Deskmodder in der bestehenden Microsoft-Community eigentlich eine wichtige Aufgabe erfüllen, was die Unterstützung von weniger erfahrenen Nutzern betrifft, die Probleme mit Windows und dergleichen haben. Die Kollegen haben ihr großes Wiki, wir haben dafür das Forum oder unsere Anleitungen hier im Blog. Hinzu kommen unsere Sachen wie das Downloadverzeichnis, was von Ela unermüdlich betreut wird, oder die ganzen Blogbeiträge, wo Redakteure wie Claus, Martin, Daniel H., Daniel O., Alex, Tobias oder ich, um nur einige zu nennen, eben unser Bestes geben. Dafür halten uns die Moderatoren wie Ingo, Alice oder Wolfgang an anderer Stelle den Rücken frei.

Lasst uns schauen, dass wir in den kommenden Monaten eine Idee dafür entwickeln, wie gewisse Teillösungen wie zum Beispiel eine kleine monatliche finanzielle Unterstützung durch die Leser tatsächlich aussehen könnte, dann können wir die Leuchtkraft von der Glühbirne auch nach und nach wieder höher drehen. Aber um die Diskussion an sich kommen wir nicht herum.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und für Entwickler zu berichten hat. Regelmäßige Beiträge aus meinem digitalen Alltag sind auch dabei.

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