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Der August ist der heilige Urlaubsmonat der Italiener – mit dem katholischen Hochfest Mariä Himmelfahrt und Ferragosto, dem weltlichen Höhepunkt der Sommerfrische, parallel am 15. August. Aber dieses Jahr ist die Stimmung getrübt. Am Wetter liegt es nicht. Das ist seit der letzten Juliwoche schöner als schön, mit warmen Tagen und kühlen Nächten von Nord bis Süd. Erst nächste Woche könnte sich wieder afrikanische Hitze aufbauen. Vom „Sommer der Verbote“ ist die Rede. Andere sagen, unbeschwerte Sommer wie ehedem gebe es ohnedies nicht mehr.
Fußgängermaut für Selfie-Hotspot
Für Missmut sorgen Maßnahmen, die touristische Hotspots von Südtirol bis Kalabrien gegen den Übertourismus und gegen ungezogene Besucher ergriffen haben. Besondere Aufmerksamkeit erlangte jüngst das Drehkreuz, das Bauern auf der Seceda, einem Alm-Berg hoch über dem Grödnertal, auf dem Wanderweg zu ihren privaten Wiesen installiert und für den Durchgang zu einem Selfie-Hotspot vor den Geislerspitzen eine Fußgängermaut von fünf Euro erhoben hatten. Die Bauern sagen, sie hätten sich nicht anders zu helfen gewusst, um den Ansturm von bis zu 8000 Besuchern täglich samt deren Hinterlassenschaften von Plastik und Fäkalien einzudämmen. Es gibt Streit, ob die Bauern das Drehkreuz überhaupt errichten durften und ob sie das Richtige getan haben. Die Gespräche mit den örtlichen Behörden und der Provinzregierung in Bozen dauern an. Die Initiatoren jedenfalls sind mit ihrer Protestaktion zufrieden. Die Zahl der Besucher sei zuletzt auf 400 täglich zurückgegangen, sagen sie. Freilich vor allem deshalb, weil die knausrigeren Tagesausflügler von der Bergstation der Seceda-Seilbahn (Kosten für Berg-und-Tal-Fahrt 30 Euro) eine längere, aber mautfreie Route zum beliebten Fotoaussichtspunkt auf 2500 Meter Meereshöhe nehmen.
In Praia a Mare in der süditalienischen Region Kalabrien hat der Bürgermeister eine Ausgangssperre für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren von 0.30 Uhr bis sieben Uhr verhängt. Nur so könnten Vandalismus auf den Straßen und an den Stränden, Schlägereien, Alkohol- und Rauschgiftkonsum sowie der Missbrauch von E-Scootern eingedämmt werden, sagt der Bürgermeister. Die Maßnahme könne er erst dann aufheben, wenn Eltern ihre Zöglinge wieder in den Griff bekämen. Wer auf den gut ausgebauten Wanderwegen über den pittoresken Fischerdörfern der Cinque Terre an der ligurischen Küste in Flip-Flops oder Sandalen erwischt wird, muss schon seit fünf Jahren mit einer Strafe von bis zu 2500 Euro rechnen. In Portofino ist neuerdings das Barfußgehen auf den Gassen der Altstadt untersagt. Dort darf man auf Randsteinen und Mauern, auf Gehwegen und Plätzen sowie in Parks auch nicht mehr herumsitzen oder gar liegen. Wer mit Rollkoffern, Picknick-Ausrüstung oder Musikboxen zu lange an öffentlichen Plätzen verweilt, riskiert ebenfalls ein Bußgeld, je nach Schwere des Verstoßes zwischen 25 und 500 Euro.
Auch in Kunststädten wie Rom, Florenz und Venedig versucht man, den Besuchern mit Verboten und Kontrollen Dekorum zu verordnen. In der Ewigen Stadt ist es untersagt, auf Stufen von Kirchen sowie auf der Spanischen Treppe zu essen. Man darf auch nicht in die Brunnen springen oder an den „nasoni“ (Trinkwasserbrunnen) seine Füße oder Kleider waschen. In der Altstadt von Florenz ist es verboten, auf Straßen und Plätzen in der Nähe zu Kirchen und Baudenkmälern zu essen. Venedig erhebt an Wochenenden von April bis Juli für Tagesbesucher einen Eintrittspreis von fünf bis zehn Euro. Zudem gelten Beschränkungen für die Größe und den Geräuschpegel von Reisegruppen. Dass man in Kanälen nicht schwimmen darf, müsste inzwischen jeder wissen. In Dutzenden Gemeinden, von Hafen- und Industriestädten bis zu Fischer- und Bergdörfern, ist zudem das Fußballspielen auf der Piazza verboten, auch in verkehrsberuhigten Zonen. Und wo soll die Squadra Azzurra von übermorgen trainieren?
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