„Kein Monster, ein Mann“
Die Sache hatte sich angebahnt. Evan Rachel Wood hatte schon 2018 und 2019 davon berichtet, von einem früheren Partner körperlich und seelisch missbraucht und misshandelt worden zu sein. Nun gab die Schauspielerin auch seinen Namen bekannt: Brian Warner, vielen besser bekannt als Marilyn Manson. Mit dem Musiker war Wood von 2007 bis 2010 mit Unterbrechungen liiert, zeitweise sogar verlobt. Sie war 18, als sie ihn kennenlernte, er 36.

Schon nachdem Wood in einem Untersuchungsausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses im Jahr 2018 von ihren Erfahrungen berichtet hatte, verdächtigten Kritiker den Musiker Manson. Wood hatte damals einen Gesetzesentwurf zum Schutz von Opfern sexueller Übergriffe befürwortet und von Misshandlungen, Morddrohungen, Gewalt und psychischem Terror während einer früheren Beziehung erzählt. Es sei so weit gegangen, dass sie davon „aufgewacht“ sei, dass der Mann, der „vorgab, mich zu lieben, das vergewaltigte, was er für meinen bewusstlosen Körper hielt“. Über Jahre habe sie unter posttraumatischem Stress gelitten. Im Zuge der MeToo-Bewegung etwa hätte sie sich zwar bestärkt, aber vor allem beinahe durchgängig belastet gefühlt, „wie eingefroren“ – ein häufig auftretendes Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung und ein Gefühl, das sie auch während der Misshandlungen in ihrer Beziehung immer wieder gespürt habe.

Evan Rachel Wood und Marilyn Manson im Jahr 2007
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Bild: AFP
Nachdem Evan Rachel Wood dann vergangene Woche Marilyn Mansons Namen genannt und ihn beschuldigt hatte, meldeten sich noch vier weitere Frauen und Ex-Partnerinnen von Manson, die angaben, von ihm misshandelt, vergewaltigt, kontrolliert und manipuliert worden zu sein: Mansons ehemalige Privatsekretärin Ashley Walters, Model Sarah McNeilly, Model Ashley Lindsey Morgan und die Künstlerin und Musikerin Gabriella. Die von den Frauen geschilderten Erlebnisse ähneln den Erzählungen Evan Rachel Woods. Die Plattenfirma Loma Vista Recordings beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Marilyn Manson. Sein neues Album wird nicht weiter vertrieben werden, künftige Projekte wurden ausgeschlossen.
In einem Instagrampost weist Marilyn Manson alle Vorwürfe von sich. Die Anschuldigungen seien „schreckliche Verzerrungen der Realität“. Seine Intimbeziehungen seien immer, so Manson, einvernehmlich verlaufen. Seine wohl prominenteste Ex-Frau Dita Von Teese schrieb ebenfalls auf Instagram, die Erfahrungen der anderen Frauen seien nicht die ihren gewesen. Sie habe Manson 2006 nach sieben Jahren wegen seiner Untreue und seines Drogenkonsums verlassen. Sie wolle aber alle Frauen, die in einer Beziehung Missbrauch erführen, ermutigen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um zu heilen.
Was die Vorwürfe gegen Manson angeht, die aktuell noch bloß Vorwürfe sind – eine Gerichtsverhandlung gab es nie, die kalifornische Senatorin Susan Rubio forderte nun in einem Brief FBI-Ermittlungen gegen Manson –, sind noch einige Fragen offen. So waren schon 2018, im Zuge der MeToo-Bewegung, Anschuldigungen gegen Manson in einem Polizeibericht vorgebracht worden. Laut „The Hollywood Reporter“ handelte es sich um nicht spezifizierte Sexualverbrechen, die 2011 stattgefunden haben sollen. Mansons Anwalt sagte dem „Hollywood Reporter“ 2018, sein Mandant weise alle Vorwürfe von sich. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen mit der Begründung ein, die Verjährungsfrist für die Vergehen sei abgelaufen und es gebe einen Mangel an Beweismaterial. Mansons Anwalt ließ verlauten, die Anschuldigungen der „Bekannten“ seines Mandanten seien entweder „komplett wahnhaft“ oder Teil eines „kalkulierten Versuchs, Aufmerksamkeit zu generieren“.
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