Die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach sind nicht nur das größte Weingut Deutschlands, sondern auch eines der traditionsreichsten. Die Weinbaugeschichte des Betriebs im Rheingau reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert, und entsprechend einzigartig ist die Schatzkammer in den Gewölben von Kloster Eberbach. Die älteste Flasche dieser beeindruckenden Sammlung stammt aus dem Jahr 1706 und ist wahrscheinlich ein Riesling – so genau weiß man das nicht, weil die Weine damals noch nicht mit den Rebsorten ausgezeichnet wurden.
Wie viele Flaschen insgesamt in der Schatzkammer lagern, ist zwar bekannt – aber ein gut gehütetes Geheimnis. Wer allerdings einmal dort unten in den Kellern des Klosters gewesen ist und das beeindruckende Gewölbe bestaunen konnte, der wird die Schätzung, dass es sich um viele Zehntausend Bouteillen handelt, nicht für unplausibel halten. Jahr für Jahr kommen etwa tausend Flaschen des aktuellen Jahrgangs hinzu. Aber es gibt auch Abgänge: Regelmäßig werden Schatzkammerweine von den Staatsweingütern für Verkostungen oder für Versteigerungen aus dem Archiv genommen und der Öffentlichkeit vorgestellt – und jetzt hat die neue Geschäftsführerin des Landesbetriebs, Christine Müller, mit ihrem Kellermeisterteam eine Kollektion von historischen Weinen zusammengestellt, um sie Liebhabern, Kennern und Sammlern zum Kauf anzubieten.

Die Liste umfasst knapp 40 Weine aus sechs Jahrzehnten. Keiner der Tropfen hat seit seiner Einlagerung den Keller des Klosters verlassen und konnte deshalb unter perfekten, konstanten Bedingungen reifen. Der jüngste Wein dieser Auswahl ist ein Rheingau Pinot Noir von 2005, der für 39 Euro je Flasche angeboten wird. Der älteste ist eine Riesling-Beerenauslese Hochheimer Domdechaney aus dem Jahr 1953.
Dieser oft als Jahrhundertlese bezeichnete Jahrgang steht für ein außergewöhnlich gutes Erntejahr mit einem sonnigen Sommer und einem langen Herbst. Aus den gut gereiften Trauben konnten damals viele sehr feine trockene Weine gekeltert werden. Wegen relativ früh einsetzender Botrytis, sprich Edelschimmelbefall, erhielten aber auch die edelsüßen Weine ein ungewöhnlich ausgewogenes Süße-Säure-Verhältnis und damit eine besondere Balance. Die Beerenauslese aus der Schatzkammer zeigt sich den Notizen der Kellermeister zufolge mit Noten von getrockneten Früchten und feinem Rauch in der Nase und entfaltet am Gaumen Aromen von Nüssen, Rosinen, Akazienhonig sowie balsamischen und würzigen Anklängen.
Wer sich dieses oder ein anderes weinhistorisches Erlebnis gönnen möchte, muss im Fall der 1953er-Beerenauslese 280 Euro je Flasche zahlen. In der Liste der Schatzkammerweine stehen aber auch günstigere Exemplare – allerdings auch einige deutlich kostspieligere. Die gesamte Liste findet sich online unter www.weingut-kloster-eberbach.de/Schatzkammerweine, zu bekommen sind die Weine im Onlineshop und in der Vinothek in Kloster Eberbach.
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