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Die Browser Choice Alliance (BCA) ist ein Zusammenschluss mehrerer Browser-Entwickler. Das angebliche Ziel ist es, die freie Entscheidung der Internetnutzer für den Browser ihrer Wahl zu unterstützen. Wenn diese Allianz glaubwürdig(er) werden möchte, sollte sie Microsoft als Mitglied aufnehmen und ihr prominentestes Mitglied rauswerfen. Klingt paradox, ist aber so.
Die BCA hat sechs Mitglieder. Die ersten fünf sind Opera, Vivaldi, Midori, Wavebox und BrowserWorks. Wenn Ihr zwei davon kennt, seid Ihr schon gut. Bei drei oder mehr Treffern dürft Ihr Euch schon fast Experten nennen. Das ist nicht despektierlich gemeint. Eine solche Vereinigung dient schließlich genau dem Zweck, die Schwachen und Unbekannten zu repräsentieren und zu stärken.
Damit kommen wir zum sechsten Mitglied: Dieses hört auf den Namen Google. Deren Browser heißt Chrome. Vielleicht habt Ihr davon schon mal gehört.
Verbunden mit der Information, dass sich die Browser Choice Alliance seit ihrer Gründung vor etwa zwei Jahren noch nie für die freie Browserwahl auf mobilen Plattformen eingesetzt hat, weiß man damit schon alles, was man wissen muss.
Das einzige Angriffsziel der BCA ist Microsoft und Windows. In schöner Regelmäßigkeit schießt man gegen die Methoden, mit denen Microsoft versucht, die Nutzung von Edge unter Windows zu forcieren. In der vergangenen Woche erschien auf der Webseite der BCA ein offener Brief an Satya Nadella, der erfreulich wenig mediale Aufmerksamkeit erregte. Nicht, weil die darin erhobenen Vorwürfe falsch wären, sondern weil die Motive so leicht durchschaubar sind.
Die Vorwürfe
„Genug ist genug“ lautet die Überschrift des Schreibens. Es führt die Methoden auf, mit denen Microsoft die freie Browserwahl unter Windows erschwert und die Konkurrenz benachteiligt:
- Vergünstigungen für PC-Hersteller, um die Vorinstallation alternativer Browser zu verhindern.
- Verhinderung der Deinstallation von Microsoft Edge.
- Einblendung von verwirrenden und aufdringlichen Benachrichtigungen, wenn Nutzer versuchen, mit Edge einen anderen Browser herunterzuladen.
- Missbrauch von Systemupdates und Verwendung manipulativer Dialoge, um Edge wieder zum Standardbrowser zu machen.
- Ignorieren von Standardbrowser-Einstellungen in Outlook und Teams.
- Hartcodierte Verbindungen zu Microsoft Edge über die Widgets und die Windows-Suche.
- Blockierung der Funktion, alternative Browser mit einem Klick zum Standardbrowser zu machen.
In der EU hat Microsoft mehrere dieser Praktiken dank des Digital Markets Act bereits eingestellt und nachgebessert. Ich unterstütze die Forderungen, das weltweit umzusetzen, mit jedem Wort. Alles, was da aufgezählt ist, sollte nicht so sein.
Die Realität
In der Realität haben die Windows-Nutzer allerdings bereits bewiesen, dass Microsofts Maßnahmen ins Leere laufen. Derzeit bewegen sich die Marktanteile von Microsoft Edge im einstelligen Bereich. Mit kleineren Aufs und Abs ist dieser Wert seit mehreren Jahren stabil. Das dürften in der Hauptsache Business-Nutzer sein, die ohnehin keine Wahl haben, weil die Firma den Standardbrowser vorgibt.
Daraus lässt sich einigermaßen leicht ableiten: Bei den Privatnutzern ist Microsoft Edge praktisch bedeutungslos. So offensiv und übergriffig Microsoft auch agieren mag – die Leute wissen, wie man zu einem anderen Browser wechselt, und sie tun es mehr oder weniger ausnahmslos.
Wem nützt es?
Unterstellen wir einfach mal, dass Edge nur aufgrund Microsofts fieser Machenschaften überhaupt noch ein paar Rest-Nutzer hat. Wem würde es dann helfen, wenn diese Maßnahmen wegfielen?
Aktuell hält Google auf dem Desktop einen Anteil von 75 Prozent. Dabei ist macOS schon eingerechnet, wo Apples Safari einen starken Stand hat. Unter Windows ist die Dominanz von Chrome höchstwahrscheinlich noch deutlich erdrückender.
Angesichts des Quasi-Monopols von Google als Suchmaschine würde insbesondere die Rückkehr der Möglichkeit, mit einem Klick den Standardbrowser zu ändern, vorhersehbar dazu führen, dass die Anteile von Chrome noch weiter steigen. Als ob das wirklich nötig wäre.
Die Browser Choice Alliance ist ein PR-Stunt von Google
Mozilla, die mit Firefox den einzigen Browser stellen, der neben Chrome und Edge noch ein wenig Relevanz unter Windows hat, ist kein Mitglied der BCA. Vielleicht, weil das führende Mitglied sie nicht mitspielen lässt? Vielleicht, weil Mozilla sich nicht vor den Karren spannen lassen möchte, weil es Google am Ende gar nicht um „Choice“, sondern das genaue Gegenteil geht?
Unter dem Strich kann man feststellen: Der unangefochtene Marktführer ist auch gleichzeitig Anführer einer Allianz, deren erklärtes Ziel es ist, den einzigen Gegner zu schwächen, der dem Marktführer überhaupt Ärger bereiten kann.
Microsoft wäre ein glaubwürdigeres Mitglied einer Vereinigung, die sich plattformübergreifend für eine echte, freie Browserwahl einsetzt und gegen den eigentlichen Monopolisten kämpft. Das stimmt selbstverständlich nur in der Theorie. In der Praxis würde Microsoft ebenso nur die eigenen Ziele verfolgen, wie Google das tut.
Wichtig ist nur, dass man die Browser Choice Alliance gedanklich als das abspeichert, was sie ist: ein gut gemachter PR-Stunt von Google.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant.
Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir – für Euch!
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