Forschende konnten Hakenwürmer wie diesen genetisch verändern, so dass sie Arzneistoffe produzieren und im Körper verbreiten können. © Makedonka Mitreva
Hakenwürmer können in tropischen Gebieten zu gefährlichen Infektionen führen. Wissenschaftler konnten die Parasiten nun genetisch verändern, damit sie bestimmte Wirkstoffe produzieren und diese im Körper des Wirts abgeben. So können neue Behandlungsmöglichkeiten für chronische Krankheiten oder bestimmte Gifte entwickelt werden.
In einigen Regionen der Welt mit schlechter Gesundheitsversorgung sind hunderte Millionen Menschen mit Hakenwürmern befallen, die jahrelang im menschlichen Darm überleben können. Die Darmparasiten sondern dabei Moleküle ab, die das Zusammenleben mit dem Wirt ermöglichen. Für gesunde Menschen führt eine Infektion üblicherweise zu leichten Verdauungsproblemen, für bestimmte Gruppen wie Kinder oder Schwangere kann ein Befall allerdings deutlich ernstere Folgen haben.
Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis nutzten die besondere Lebensweise des Parasits nun, um eine neue Behandlungsmethode für verschiedene Krankheiten zu entwickeln. Der Wurm wurde in den Versuchen genetisch modifiziert, so dass er einen Antikörper produziert, der das tödliche Nervengift Tetrodotoxin teilweise neutralisiert. Das Gegengift wird durch den Wurm im Darm des Wirts abgegeben und gelangt so in den Blutkreislauf. Erste Tests an Hamstern konnten zeigen, dass eine gezielte Infektion mit den genveränderten Parasiten Tetrodotoxin im Blut teilweise neutralisieren kann.
Die neue Behandlung könnte in Zukunft zum Beispiel in abgelegenen Gebieten ohne medizinische Versorgung zum Einsatz kommen. Außerdem sehen die Forschenden großes Potenzial in der Behandlung chronischer Darmerkrankungen. Da ein Großteil der Ausscheidungen des Wurms im Darm verbleibt, ohne in den Blutkreislauf zu gelangen, könnte eine gezielte Anwendung hier besonders effektiv sein. Das Konzept wird nun weiterentwickelt und kann potenziell in der Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen, Lebensmittelallergien und chronischen Krankheiten, die eine konstante Wirkstoffgabe erfordern zur Anwendung kommen.
Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass für die Anwendung am Menschen streng kontrollierte Bedingungen notwendig sind, um die Verbreitung des Parasits zu vermeiden. Menschen können durch Tabletten oder eine Hautlotion gezielt mit den Würmern infiziert werden. Diese können sich dann allerdings nicht im Wirt vermehren und die Einnahme eines Antiparasitikums kann den Befall einfach beseitigen. Die Forschenden arbeiten daran, die Hakenwürmer genetisch so zu verändern, dass sie keine Eier mehr produzieren, um eine unkontrollierte Verbreitung komplett auszuschließen.
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