Inhaltsverzeichnis
„Künstliche Intelligenz ChatGPT jetzt auch Buchautor“

Sicher, die Sonne kreist nicht um die Erde, der Mensch stammt von Affen ab, und gegen unsere Triebe haben wir nicht immer etwas in der Hand. Aber der Autor? Muss unsterblich sein, wenn ihn schon sein viel zitierter Tod nicht obsolet machen konnte. Was die dreigeteilte Speerspitze narzisstischer Kränkung von Kopernikus über Darwin bis Freud vorbereitete, trägt ChatGPT nun allerdings in die nächste Runde: Mehr als 250 auf Amazon im Selbstverlag veröffentlichte Titel listen die KI inzwischen als (Ko-)Autor, eine hohe Dunkelziffer ist naheliegend. Beteiligt an diesem Aufschwung ist ausgerechnet jenes Segment, das jenseits der Publikumsverlage aufs Selbermachen, auf „Selfpublishing“ setzt. Welche Ironie! Aber wo sonst sollten sie erscheinen, diese artifiziell generierten Werke, die urheberrechtlich gar keine sind?
Längst lässt sich Geschriebenes ganz ohne Verlagskontakt, Lektorat und Faktencheck aus den heimischen Schubladen unter die Leute und auf Buchmessen bringen. Amazon und Books on Demand machen mit vorgefertigten Bausätzen publik (und zu Geld), was früher in dunklen Ecken staubiger Dachböden gelandet wäre. Kontrollmechanismen gibt es keine. Nur der Autor hielt sich bisher wacker. Der Literat, den Roland Barthes so prominent totgesagt hatte, gedieh auch abseits großer Verlagshäuser. Bis jetzt. Bei den Publikationen, die im Namen der KI nun den Markt fluten, handelt es sich zwar vorrangig um schräge Kinderbücher und abstruse Ratgeber, die auch vorher aus dem Boden sprossen – niedrigschwellig in Aufwand wie Verkaufspreis. Mittlerweile landen die fremdverfassten Texte aber auch auf den Schreibtischen der Literaturzeitschriften, ohne entsprechende Kennzeichnung.
Selbstschreiben wird hoch gehängt
Dass ChatGPT Text auf Knopfdruck generiert und keiner Schreibblockade erliegen kann, verspricht den schnellen Profit. Als Gatekeeper einer neuen alten Produktionsästhetik tritt jetzt das amerikanische Science-Fiction- und Fantasy-Magazin „Clarkesworld“ auf: Mehr als ein Drittel der eingereichten Beiträge will der Herausgeber und Chefredakteur Neil Clarke als „KI-Spam“ entlarvt haben. Sein Blatt erlaubt nicht einmal eine Befragung der Software, um die anfängliche Leere auf dem Papier zu überwinden, das Selbstschreiben wird im Selfpublishing-Genre schlechthin hoch gehängt.
Mitte des Monats wurde die Annahme sämtlicher Kurzprosa zur Veröffentlichung daher gänzlich gestoppt. So viel ist sicher: Wenn das Schule macht, wird es für Jungautoren genreübergreifend schwierig. Wie die Kategorie Autor erhalten werden kann, ohne den Nachwuchs zu opfern? Clarke weiß sich noch keinen Rat. ChatGPT schon: Erkennungssoftware. Hätte die KI ein Bewusstsein, wäre das ihre erste eigene Kränkung.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.