#„Künstliche Intelligenz ist zu wichtig, um sie nicht zu regulieren“

Herr Pichai, welche Künstlichen Intelligenzen benutzen Sie eigentlich im Alltag so?

Wissen Sie, eine interessante Eigenschaft an der KI ist, dass wir sie mit der Zeit als selbstverständlich ansehen und nicht mehr als KI betrachten, wenn wir sie benutzen. Als wir im Jahr 2015 Google Fotos ankündigten, wurde das gesamte Produkt durch KI ermöglicht. Jeder konnte seine Fotos plötzlich durchsuchen und alles finden. Ich benutze es auch jetzt ständig, während ich durch Europa reise. Ich habe Bilder verschickt. Es zeigt mir Bilder von meiner letzten Reise hierher. All das wird von KI unterstützt, und es macht mir Spaß, das zu nutzen.

Hätten Sie noch ein weiteres Beispiel?

Google Lens ist eines meiner Lieblingsprodukte. Wir haben jeden Monat mehr als 12 Milliarden visuelle Suchanfragen. Lens basiert auf Bilderkennung, auf KI. Sie können mit dem Handy auf etwas zeigen und Fragen stellen. Und natürlich nutze ich auch unseren neuen Chatbot Bard. Und diese Vorstellung, direkt mit der KI sprechen zu können und sie kreative Antworten geben zu lassen, das ist etwas, das mir auch sehr gut gefällt.

Wie nutzen Sie denn Bard? Wir deutschen Nutzer kennen ihn noch nicht, wir haben ja noch keine Chance, einen Blick darauf zu werfen.

Vor einiger Zeit plante ich den 80. Geburtstag meines Vaters. Also habe ich Bard gefragt, was ich tun soll. Die meisten guten Vorschläge kannte ich schon, aber es war schön, sie an einem Ort zusammengestellt zu sehen. Bard schlug mir vor, ein Fotoalbum zu machen – das habe ich dann auch tatsächlich gemacht. Und zu Deutschland: Wir werden mit Bard auch bald hier sein.

Gibt es eine geheime KI, die Ihnen hilft, Google zu managen?

Wir nutzen KI natürlich längst auch intern. Etwa um unseren Software-Entwicklern beim Programmieren zu helfen. Wir nutzen KI, um unsere Rechenzentren effizienter zu kühlen. Wir setzen sie zunehmend ein, um den Kundenservice zu verbessern und um bessere Analysen innerhalb des Unternehmens zu erhalten. Wir stehen noch ziemlich am Anfang, aber wir werden sie immer mehr einsetzen.

Vor sechs Jahren haben Sie gesagt: Wir werden Zeuge eines neuen Wandels in der Informationstechnologie – weg von der Mobil-First hin zu einer AI-first-Welt, KI zuerst. Was ist seither passiert innerhalb von Google? Gibt es inzwischen eigentlich noch irgendein Projekt oder Produkt, das ohne KI auskommt?

Der Wendepunkt für uns liegt ungefähr ein Jahrzehnt zurück, als die KI-Systeme wirklich gut in der Bilderkennung wurden. Für uns war das ein Durchbruch. Ich habe Google in der Folge darauf ausgerichtet, dass wir in erster Linie ein KI-Unternehmen sind. Seither treiben wir Forschung und Entwicklung von KI auf dem neuesten Stand voran. Jahr für Jahr haben wir dies in unsere Produkte einfließen lassen und tun das weiter. Deshalb haben wir beispielsweise in Google Mail vor ein paar Jahren die Funktion „intelligente Antwort“ eingeführt. Dann wurde die Technologie ein bisschen besser, und wir fügten die Funktion „intelligentes Schreiben“ hinzu, und jetzt kon­stru­ieren wir die sogenannte generative KI. Wenn ich über KI nachdenke und wie man sie am besten einsetzen kann, dann ist das im Kontext der Produkte, die von Menschen genutzt werden, und wie wir sie für alle hilfreicher machen können – denn hier wollen wir mit unseren Innovationen ansetzen. Es geht nicht darum, KI der KI wegen einzusetzen. Sie ist einfach eine der leistungsfähigsten Technologien, die es gibt, um unsere Produkte zu verbessern.

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