Stimmiger kann man sich kaum auf ein Pokalhalbfinale eingrooven. In der Freiburger Arena wurden kurz vor dem Anpfiff des Duells zwischen dem Bundesliga-Vierten SC Freiburg und dem Bundesliga-Fünften RB Leipzig noch einmal die Jubelbilder aus München eingespielt. Vom 4. April, als der Bundesliga-Vierte im Viertelfinale des DFB-Pokals den Bundesliga-Ersten und deutschen Dauermeister FC Bayern mit einem 2:1-Sieg aus dem Wettbewerb kickte. So viel zum Wunschtraum.
Und nun zur Wirklichkeit. Zum Wiedersehen der Pokalfinalisten vom 21. Mai 2022, als RB dem Sport-Club am Ende nur durch den Sieg im Elfmeterschießen um ein kleines bisschen voraus war. Und diesmal, als es um die Qualifikation für das Endspiel am 3. Juni im Berliner Olympiastadion ging, waren die Leipziger um Längen besser, als erster Finalist stehen sie nun im Pokalendspiel.
Der erhoffte Pokalkrimi weckte schon früh keine Spekulationen mehr, wer denn hier Täter und wer Opfer sein würde. RB Leipzig spielte in Freiburg während der ersten Halbzeit die ganze Palette seiner großen Möglichkeiten zielstrebig aus und lag nach 45 Minuten durch zauberhaft herauskombinierte Treffer von Dani Olmo (13. Minute), Benjamin Henrichs (15.), Dominik Szoboszlai (39.) und dem stark wie vor seiner Verletzungsmisere in dieser Saison auftrumpfenden Nkunku (45.+1) uneinholbar 4:0 vorn. Am Ende stand es 5:1 für den ungefährdeten Sieger nach Gregoritschs 1:4 (75.) und dem abschließenden Foulelfmetertreffer von Szoboszlai kurz vor dem Abpfiff (90.+7).
In den vier Pokalrunden zuvor musste der SC Freiburg nur drei Gegentore registrieren. Diesmal aber kam das sonst so abwehrstarke Team mit der Wucht, dem Tempo und der Spielfreude der Leipziger, entfacht von Szoboszlai, Nkunku, Werner und dem überragenden Spanier Olmo, der an allen vier Treffern beteiligt war, nicht mit.

Klare Überlegenheit: Leipziger Jubel nach einer famosen ersten Halbzeit
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Bild: EPA
Der Freiburger Fußballlehrer Christian Streich, längst eine Trainerinstitution im deutschen Fußball, hatte sich diesmal bei der Komposition seiner Mannschaft einen verhängnisvollen Fehler erlaubt. Er setzte von Beginn an auf eine Kombination aus Dreier- und Fünferabwehr. Die früh überfordert anmutenden Spieler aber fanden sich mit den Rollen, die ihnen Streich zugewiesen hatte, angesichts der raumgreifenden Leipziger Rasanz nicht zurecht.
Die Profis des SC, das weiß auch Streich, fühlen sich in der Regel wohler in einer Viererkette. Er korrigierte nach zwanzig Minuten seinen Fehler, nahm den rechten Schienenspieler Sildilla vom Platz und erlöste seinen besten Saisontorschützen Grifo von seiner Wartezeit auf der Bank. Da aber waren die Zeichen für Sieger und Verlierer schon gesetzt. Es stand 2:0 für die dominanten Leipziger. Ein Guthaben, das sich bis zur Pause weiter verzinste.
Aufregung bot nach der Pause vor allem die Szene, als der Leipziger Innenverteidiger Gvardiol den eingewechselten Freiburger Sallai auf dem Weg in den Strafraum von RB regelwidrig festhielt, so dass Schiedsrichter Jablonski den Kroaten nach einem Hinweis des Videoschiedsrichters Benjamin Brand per Roter Karte vom Platz schickte (59.).
Das Spiel wurde nun härter und hässlicher, woran auch ein kleiner, rabiater Teil des Freiburger Publikums durch das Werfen von Gegenständen in Richtung der Leipziger Stars seinen Anteil hatte. Das Spiel aber blieb von einer Ergebniswende weit entfernt. Gregoritschs Treffer zum 1:4 war nicht mehr als eine kleine Ergebniskorrektur, die RB noch durch Soboszlais Elfmetertreffer zum für Leipzig guten Schluss konterte.
Immerhin gibt es schon am Samstag (15.30 im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) die Gelegenheit zur Freiburger Revanche auf der Alltagsebene, wenn es an gleicher Stelle aufs Neue gegen RB Leipzig geht. Diesmal in der Bundesliga, wenn wieder viel auf dem Spiel steht: ein Qualifikationsplatz für den kommenden Champions-League-Wettbewerb. Noch ist Freiburg Vierter und Leipzig Fünfter der Tabelle. Da sich der Fußball in der Bundesliga während dieser Saison wechselhaft wie lange nicht präsentiert, muss selbst der 5:1-Pokaltriumph der Sachsen keinen Signalcharakter für das Wiedersehen vier Tage später haben.
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