„„Luftreiniger können Coronaviren fast vollständig ausschalten““
Martin Ackermann ist Geschäftsführer von Heraeus Noblelight, einem der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von Speziallampen. Diese Lampen senden Licht im Wellenlängenbereich von Ultraviolett (UV) bis Infrarot (IR) aus. Das zur Heraeus-Gruppe gehörende Unternehmen gilt als Erfinder der UV-Lampen. Die stellt es seit fast hundert Jahren her – bislang vor allem für Kunden aus der Industrie, Wissenschaft und Medizin.

Mit der Corona-Krise rückten sogenannte UV-C-Lampen ins Zentrum des Interesses einer breiten Öffentlichkeit. Sie senden Licht aus, welches das Erbgut von Bakterien und Viren ausschaltet. Heraeus hat aus den Lampen geschlossene Luftdesinfektionssysteme entwickelt, die vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik gerade getestet und sicher befunden wurden – auch in Schulen und Kindergärten.
Herr Ackermann, im Rahmen der Corona-Bekämpfung haben Sie weltweit die erste Studie unter realen Bedingungen über die Wirksamkeit von UV-C-Systemen in geschlossenen Räumen gemacht. Was kam dabei heraus?
Eine Reduktion der Viren im Raum von 95 Prozent.
Wie kommen Sie zu der Aussage?
Das ist ein Ergebnis der Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Sie kommen zu dem Schluss, dass Luftreiniger mit UV-C-Lampen in der Lage sind, Coronaviren in einem Raum fast vollständig zu inaktivieren. Sie sind also sehr gut zur Reduzierung eines Infektionsrisikos geeignet.
Was ist mit der Sicherheit?
Gute Geräte sind absolut sicher. Unsere UV-C-Geräte haben sich in den vergangenen Monaten in vielen Schulen, Kitas, Arztpraxen, in Bussen und sogar im Impfzentrum bewährt.
Es gibt in Teilen der Öffentlichkeit dennoch Bedenken gegen diese Technik.
UV-C-Lampen werden schon seit Jahren in der Trinkwasserreinigung, in Kliniken oder in der Lebensmittelbranche eingesetzt. Dort sind sie gar nicht mehr wegzudenken. Da aber nach wie vor Berührungsängste zu sehen sind und es auch in der Politik immer wieder Diskussionen gibt, haben wir die Geräte durch verschiedene Labors noch mal testen lassen. Wir stellen seit mehr als hundert Jahren UV-Lampen her, wir wollten es aber in dieser Situation einfach noch einmal von unabhängigen Institutionen prüfen lassen.

Martin Ackermann, Chef von Heraeus Noblelight
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Bild: Heraeus
Was wurde wo und von wem getestet?
Die Systeme für hygienisch saubere Oberflächen wurden in einem Labor der Universitätsklinik Tübingen getestet. Die Systeme für saubere Luft am Fraunhofer-Institut für Bauphysik im bayerischen Valley. Im Prinzip ist zu 99,99 Prozent nachgewiesen, dass mit diesen Geräten das Virus inaktiviert wird.
Also ausgeschaltet wird.
Genau. Das hat uns nicht überrascht. Aber es bestätigte noch mal, dass wir mit unseren Lampen in der Lage sind, fast 100 Prozent Desinfektionsleistung zu bringen und virenfreie Luft und Oberflächen zu schaffen.
Ohne Filter?
Ohne Filter. Da wird nichts eingesammelt, da wird nichts behalten. Letztlich funktionieren die Lampen wartungsfrei.
Funktioniert das auch dort, wo sich Menschen über längere Zeit aufhalten, etwa in Kindergärten oder Schulen?
Auch das haben wir uns noch mal ganz genau angesehen. Denn da sollen solche Geräte ja schließlich hin.
Und wie gingen Sie vor?
Die Fraunhofer-Forscher sind Experten. Für den Test ist ein Klassenraum nachgebaut und mit beheizten Puppen ausgestattet worden. Dann wurde eine Situation nachgestellt, dass jemand in diesem Raum infiziert ist und dass diese Person auch keine Maske trägt. Also eine Art Worst-Case-Szenario für den maximalen Schaden. Schließlich hat Fraunhofer massenhaft Viren in den Raum eingebracht. Dann gingen die UV-C-Lampen an.
Wie fielen die Ergebnisse aus?
Phantastisch. Bei so einem Test werden ja tatsächlich Viren nachgezählt – erst mit und dann ohne Luftreinigungsgeräte. Ohne Geräte wurden im Raum bis zu 45 Millionen Viren gemessen. Mit Geräten ging es rasch runter bis auf 300.000 – und zwar ohne, dass die Virusquelle den Raum verlassen hat.
Das kann Sie nicht wirklich überraschen.
Das nicht. Aber was uns überraschte, war Folgendes: Man sollte eigentlich denken, die Politik unterstützt den Einsatz solcher Geräte auf breiter Front. Das dachten wir auch erst. Dann aber mussten wir feststellen, dass außer Lippenbekenntnissen nicht viel kam.
Was erwarteten Sie denn?
Na ja, ich denke: Wir sind ja ein reiches Land; und technologisch gesehen haben wir schon den Anspruch, weltweit ganz oben mitzumischen. Aber politisch gehen wir einseitig vor.
Wie meinen Sie das?
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