Im Interview mit dem YouTube-Kanal «Glücksrad» erinnert sie sich an den beispiellosen Erfolg, berichtet von Konflikten hinter den Kulissen und verrät, warum die späteren Neuauflagen ihrer Meinung nach scheiterten.
Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende des Sat.1-Klassikers «Glücksrad» gibt Maren Gilzer überraschend offene Einblicke in die erfolgreichste Phase ihrer Fernsehkarriere. Im ausführlichen Gespräch mit Julian Schlichting und Frank Brendel vom YouTube-Kanal Glücksrad spricht die ehemalige Buchstabenfee nicht nur über nostalgische Erinnerungen, sondern auch über interne Konflikte, die Absetzung der Sendung und bislang kaum bekannte Hintergründe.
Das Gespräch beginnt mit einer Erkenntnis, die viele Fernsehzuschauer teilen dürften: Für Maren Gilzer ist «Glücksrad» bis heute der prägende Teil ihrer Karriere. „Ich werde fast immer aufs Glücksrad angesprochen“, erzählt sie. Noch heute werde sie regelmäßig als Glücksfee für Veranstaltungen gebucht. Gleichzeitig wundert sie sich über die zahlreichen Neuauflagen des Formats. Ihrer Ansicht nach hätten die Verantwortlichen nie verstanden, weshalb die ursprüngliche Sendung so erfolgreich gewesen sei. „Leider wissen sie nicht, wie man es macht“, sagt Gilzer. Statt den nostalgischen Charakter zu bewahren, hätten spätere Versionen versucht, das Format zwanghaft zu modernisieren. „Das funktioniert einfach nicht.“
Diese Einschätzung verbindet sie mit einer deutlichen Kritik an der Programmstrategie der damaligen Sat.1-Führung. Immer wieder sei ihr gesagt worden, dass das Publikum zu alt werde und die Sendung verjüngt werden müsse. Dabei hätten die Einschaltquoten eigentlich keinen Anlass zur Sorge gegeben. „Die Quoten waren zwischen vier und sieben Millionen“, erinnert sie sich. Trotzdem sei der Druck immer größer geworden, jüngere Zuschauer anzusprechen. Als Fred Kogel Sat.1 übernahm, sei schließlich klar gewesen, wohin die Reise geht. Gilzer verrät sogar, dass sie schon vor allen anderen von der Einstellung der Sendung wusste, weil ihr damaliger Lebensgefährte und Manager mit Kogel befreundet gewesen sei. Die Nachricht habe sie jedoch geheim halten müssen. Besonders bitter sei gewesen, dass ihr viele Kollegen nicht glaubten. „Die haben immer gesagt: Bei den Quoten werden die das nicht einstellen.“
Erstmals schildert Gilzer auch ausführlich ihren ungewöhnlichen Weg zur Sendung. Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden und arbeitete damals als Model. Das Casting für «Glücksrad» sei denkbar unspektakulär gewesen. Sie musste weder Buchstaben umdrehen noch Probe moderieren. Stattdessen habe man ihr lediglich Ausschnitte der amerikanischen Version gezeigt und anschließend gemeinsam Kaffee und Kuchen gegessen. Wochen später erhielt sie während einer Modenschau in Paris den Anruf mit der Zusage. Ursprünglich war sogar geplant gewesen, mit zwei Assistentinnen zu arbeiten, bevor sich die Produktion kurzfristig doch für Gilzer allein entschied. Sie selbst betrachtete den Job damals lediglich als Sprungbrett für ihre eigentliche Schauspielkarriere. Dass daraus fast ein Jahrzehnt Fernsehen werden würde, ahnte niemand.
Besonders spannend sind Gilzers Schilderungen über ihre Rolle innerhalb der Produktion. Während sie nach außen zum Markenzeichen der Sendung wurde, fühlte sie sich intern häufig ausgebremst. Immer wieder habe sie darum kämpfen müssen, auch sprechen zu dürfen. Als bei Sondersendungen externe Moderatorinnen eingesetzt wurden, sei sie regelrecht enttäuscht gewesen. „Das war so ein Punkt, wo ich sauer war“, erzählt sie offen. Erst nachdem sie selbst darauf gedrängt hatte, erhielt sie kleinere Moderationsaufgaben. Unterstützung habe sie dabei allerdings kaum bekommen. Bei ihrem ersten größeren Auftritt habe Produzent Gerrit Neuhaus ihr bewusst keinerlei Hintergrundinformationen gegeben. „Er hat mich ins kalte Wasser geschubst“, sagt Gilzer. Als der Auftritt dennoch gelang, habe Neuhaus lediglich trocken kommentiert: „War leider gut.“
Überhaupt zeichnet Gilzer ein differenziertes Bild des langjährigen Produzenten. Einerseits bezeichnet sie Neuhaus als „Vater des Glücksrads“, der die Sendung maßgeblich geprägt habe. Andererseits spricht sie von einem ausgeprägten Macho-Verhalten. Ihrer Ansicht nach habe Neuhaus vor allem die männlichen Moderatoren fördern wollen, während sie selbst bewusst klein gehalten worden sei. „Das Publikum wollte halt immer mich“, sagt Gilzer rückblickend. Besonders geärgert habe sie, dass moderne Ideen häufig abgelehnt worden seien. Statt echter inhaltlicher Verjüngung habe man beispielsweise lediglich La-Ola-Wellen im Publikum eingeführt. Ihre Kritik daran sei nicht immer gut angekommen.
Interessant sind auch die Einblicke in den Produktionsalltag. Viele Zuschauer hätten vermutet, sie kenne sämtliche Lösungen bereits im Voraus. Tatsächlich hätte sie jederzeit auf die Rätselzettel schauen können, wollte dies aber bewusst nicht. „Es hat mir mehr Spaß gemacht mitzuraten“, erklärt Gilzer. Auch technische Pannen gehörten damals zum Alltag. Buchstaben seien falsch eingesetzt worden, Rätsel mussten ausgetauscht werden und wegen der komplett mechanischen Ratewand habe sie jedes einzelne Feld sorgfältig kontrollieren müssen.
Für Überraschung sorgt außerdem ihre Schilderung über Peter Bond. Das öffentliche Bild des Moderators habe sich deutlich von ihren persönlichen Erfahrungen unterschieden. Anfangs sei das Verhältnis schwierig gewesen, weil sie mit seinem Auftreten wenig anfangen konnte. Erst während einer gemeinsamen Reise nach Orlando habe sich das grundlegend geändert. Dort habe sie Bond offen auf sein Verhalten angesprochen und ihm geraten, freundlicher mit Mitarbeitern umzugehen. Laut Gilzer nahm er sich diese Kritik tatsächlich zu Herzen. Nach der Rückkehr habe sich auch das gesamte Team über seine veränderte Art gewundert. „Er war wie verwandelt“, erinnert sie sich. Mit Frederik Meisner verbindet sie dagegen bis heute eine enge Freundschaft; regelmäßig tausche man sich noch zu Weihnachten oder Geburtstagen aus.
Bemerkenswert ist schließlich Gilzers Blick auf ihre eigene Karriere. Den Wechsel von «Glücksrad» zur Schauspielerei bezeichnet sie rückblickend als mutige Entscheidung. Heute würde sie diesen Schritt vermutlich nicht mehr wagen. Damals habe sie jedoch bewusst auf ihre eigentliche Leidenschaft gesetzt und mit ihrer Rolle in «In aller Freundschaft» schließlich den gewünschten Erfolg erzielt.
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