Mathematisches Genie

Mathematisches Genie

Mathematisches GenieAda Lovelace ist die wohl berühmteste Vordenkerin der Informatik. Vera Weidenbach arbeitet in ihrem Buch präzise heraus, wie Lovelace in ihrem Hauptwerk „Notes“ nicht nur das erste Programm entwarf. Vor allem beschrieb sie darin die Möglichkeit, dass Maschinen über Zahlen hinaus mit Symbolen, Musik oder Sprache operieren könnten. Überzeugend verknüpft Weidenbach Lovelaces analytische Begabung mit ihrem sozialen Geschick: Ada war Intellektuelle und strategische Networkerin.

Das Buch ist eine intensiv erzählte Annäherung an die Mathematikerin. Besonders stark ist es dort, wo es die strukturellen Schranken benennt, denen Ada unterworfen war: eine streng reglementierte weibliche Erziehung, die die mathematische Schulung zwar förderte, aber ihre geistige Selbstständigkeit disziplinierte. Weidenbachs explizit feministischer Blick macht diese Einschränkungen sichtbar. Sie formuliert berechtigte Empörung über die engen Grenzen, die selbst privilegierten Frauen im 19. Jahrhundert gesetzt wurden.

Die Schwächen des Buchs liegen im konsequenten Fokus auf Geschlechterfragen und Geniekritik. So rücken wirtschaftliche, institutionelle und technikgeschichtliche Kontexte der industriellen Revolution in den Hintergrund. Ein weiterer Blickwinkel hätte die Tragweite von Lovelaces Einsichten noch deutlicher gezeigt und ihre Originalität im Wechselspiel aus Ideen, Apparaten und Akteuren noch stärker verortet. Sabine Delorme

Vera Weidenbach
Ada Lovelace – Visionärin und Genie
Rowohlt Verlag, 256 S., € 24,–
ISBN 978-3-498-00754-6

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