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Die Mayastadt Caracol im heutigen Belize war jahrhundertelang eines der Zentren der Tiefland-Maya. Jetzt haben Archäologen dort das Grab des Mayakönigs Te K’ab Chaak entdeckt. Er war vor fast 1700 Jahren der erste König dieser Mayastadt und der Begründer ihrer royalen Dynastie. Weitere Gräberfunde mit ungewöhnlichen Grabbeigaben enthüllen zudem, dass Caracol schon damals enge Beziehungen zum Reich von Teotihuacan im Norden unterhielt.
Die Mayastadt Caracol wurde schon vor mehr als 3000 Jahren gegründet, wuchs aber erst in der klassischen Periode der Mayakultur zu einer Metropole mit überregionaler politischer und wirtschaftlicher Bedeutung heran. In der Zeit zwischen 560 bis 900 könnten mehr als 100.000 Menschen in der ursprünglich Uxwitza – „Ort dreier Berge“ – genannten Stadt gelebt haben. Sie umfasste damals zehntausende Wohnhäuser und mehrere große Zeremonialkomplexe mit Pyramiden, Tempeln und Palästen auf rund 90 Quadratkilometer Fläche.
Grab von Te K’ab Chaak entdeckt
Aus archäologischen Funden und Inschriften ist bekannt, dass Caracol ab 331 zu einem der Stadtkönigreiche der Maya wurde. Te K’ab Chaak bestieg im Jahr 331 den Thron und wurde zum Begründer einer mehr als 460 Jahre lang regierenden Königsdynastie. Das Grab dieses ersten Königs von Caracol haben nun Archäologen um Arlen und Diane Chase von der University of Houston entdeckt. Bei Ausgrabungen im nordöstlichen Zentrum der Mayastadt wurden sie an der Basis eines königlichen Schreins fündig. Sie entdeckten die Gebeine eines Mannes, der mit prachtvollen Grabbeigaben bestattet worden war.
Datierungen der Knochen sowie Inschriften auf den Grabeigaben verrieten, dass es sich um die sterblichen Überreste des Mayakönigs Te K’ab Chaak handeln musste, der um das Jahr 350 herum starb. Seine Gebeine und Zähne verraten, dass der Dynastiegründer rund 1,70 Meter groß gewesen sein muss, erst in hohem Alter starb und zu diesem Zeitpunkt komplett zahnlos war. Das Grab von Te K’ab Chaak ist das erste klar identifizierte Königsgrab, das in 40 Jahren der Ausgrabungen in Caracol gefunden wurde, erklären die Archäologen. Neben den Gebeinen des Königs fanden sie zahlreiche Grabbeigaben, darunter Jadeschmuck und eine kunstvolle Totenmaske aus Jadeplättchen, sowie Knochenflöten, vom Pazifik stammende Muschelschalen und verzierte Keramikgefäße. Auf einem dieser Gefäße ist ein speertragender Mayaherrscher abgebildet, ein anderes Gefäß zeigt den für Handel zuständigen Mayagott Ek Chuah umgeben von Opfergaben.

Interessant sind auch zwei Gefäße mit Deckel, deren Henkel mit Reliefs von Nasenbären-Köpfen verziert sind. Diese Kleinbären – in der Mayasprache Tz’uutz’ genannt – spielten offenbar für die Königsdynastie von Caracol eine besondere Rolle, wie die Archäologen erklären. Denn auf Te K’ab Chaak folgende Herrscher verwendeten diesen Begriff oft als Teil ihres Namens. Auf vier weiteren Keramikschalen sind gefesselte Gefangene dargestellt – auch dies ist ein im Kontext von Mayakönigen typisches Motiv.
Gräber und Grabbeigaben mit Bezug zu Teotihuacan
Bei ihren Ausgrabungen im nordöstlichen Zeremonialzentrum von Caracol entdeckten die Chases und ihr Team noch drei weitere Gräber hochrangiger Mayas aus derselben Zeit wie das Königsgrab. Doch diese Toten waren zunächst verbrannt und dann mitsamt Grabbeigaben unter der zentralen Plaza dieses Stadtteils bestattet worden. Diese Art der Feuerbestattung war für die Maya der damaligen Zeit eher ungewöhnlich, wie die Archäologen erklären. Den möglichen Grund für diese fremdartige Bestattungspraxis lieferten die Grabbeigaben der drei Toten. Denn sie umfassten 15 Klingen aus grünem Obsidian, zwei große Messer, sechs Spitzen einer Atlatl-Sperrschleuder und diverse Gefäße, die ebenfalls nicht Maya-typisch waren.
Stattdessen deuten Machart und Verzierungen dieser Grabbeigaben darauf hin, dass sie aus Mexiko stammen – aus dem rund 1.200 Kilometer entfernten Reich von Teotihuacan. Das legt nahe, dass die Maya von Caracol schon um das Jahr 350 herum Kontakte zu dieser Kultur gehabt haben müssen – erstaunlich früh. „Schon seit den 1960er Jahren rätseln Archäologen darüber, ob und wann Menschen von Teotihuacan eine neue politische Ordnung im Mayagebiet einführten“, erklärt Diane Chase. „Denn Steinstelen, Hieroglyphendaten, Abbildungen und archäologische Daten deuten darauf hin, dass es ab 378 besonders enge pan-mesoamerikanische Verbindungen gab. Dieser Übergang wird daher auch als ‚Entrada‘ bezeichnet.“
Kontakt beider Kulturen begann früher als gedacht
Die jetzt in Caracol entdeckten Mayagräber legen aber einen deutlich früheren Beginn solcher Beziehungen nahe. „Maya und Teotihuacan kannten schon damals ihre gegenseitigen rituellen Praktiken, wie die Feuerbestattungen in Caracol demonstrieren“, sagt Arlen Chase. Die Grabbeigaben und Bestattungsart zeigten, dass Mayaherrscher schon sehr früh enge Kontakte zu dem damals mächtigen Reich im Norden hatten. „Die Kontakte zwischen den beiden Regionen fanden auf der höchsten Ebene der Gesellschaft statt“, erklärt Chase. „Schon die ersten Könige verschiedener Mayastädte – wie Te K’ab Chaak in Caracol – unterhielten offenbar formelle diplomatische Beziehungen mit Teotihuacan.“ Zu diesen Diplomaten könnte auch einer der drei Toten von Caracol gehört haben. Aufgrund seiner Beigaben vermuten die Archäologen, dass es sich um ein Mitglied der Königsfamilie gehandelt hat – vielleicht ein enger Verwandter von Te K’ab Chaak.
Die Archäologen sind noch dabei, die Grabkammer des Mayakönigs zu untersuchen. Auch die Auswertungen der Funde haben erst begonnen. Als nächstes wollen sie DNA aus den Gebeinen der Toten extrahieren und die Knochen mittels Isotopenanalyse untersuchen. Dies könnte weitere Informationen über die Identität, Herkunft und Lebensweise der Toten liefern.
Quelle: University of Houston

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