Auf dem Oktoberfest, auf bierdeutsch der „Wiesn“, waren 2026 so viel Leute wie nie zuvor, 7,4 Millionen, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Wenn man in den letzten zwei Wochen mit der S-Bahn im Münchner Umland unterwegs war, konnte man alle Nationalitäten im Landhaus-Stil gekleidet zur Theresienwiese strömen sehen, oft mit dem Vorglüh-Bier in der Hand. Lange wird es nicht mehr dauern und die ersten Roboterinnen werden im Dirndl unterwegs sein.
Viele Menschen trinken viel Bier, sehr viel Bier, 6,7 Mio. Maß sollen es gewesen sein, allerdings kein Rekord, sie essen viel, Hähnchen, Ochsen, Steckerlfisch, Obazda, Brezn, Eis oder Gummibärchen, manche alles zusammen, und manche brauchen auch medizinische Hilfe. Die medizinische Hilfe vor Ort auf der Theresienwiese wird seit 2018 von der „Aichacher Ambulanz Union“ sichergestellt, zu normalen Zeiten ein Rettungsdienst mit inzwischen ca. 1.000 Mitarbeitern. Vorher hatte mehr als 100 Jahre lang das Bayerische Rote Kreuz den Auftrag, der europaweit für jeweils mehrere Jahre ausgeschrieben wird.
Beim Oktoberfest 2026 war die Aichacher Ambulanz Union mit 430 angestellten und ehrenamtlichen Kräften, darunter 36 Ärzt:innen, im Einsatz. Auf der Theresienwiese steht in dieser Zeit ein kleines Krankenhaus mit Operationsräumen samt einem gemeinsam mit der LMU München betriebenen CT und diversen Geräten für Herzprobleme. Sozusagen eine Pop-up-Klinik, für die Patient:innen zuzahlungsfrei.
2026 gab es medizinisch gesehen ebenfalls einen neuen Rekord: 8.409 Patient:innen wurden versorgt, 23,2 Prozent mehr als 2025, teilt die Aichacher Ambulanz Union mit. Im letzten Jahr waren es ca. 40 Prozent Alkoholvergiftungen, ein Drittel Verletzungen, ein Viertel internistische Probleme, das wird wohl wieder so gewesen sein. Fast alle konnten vor Ort behandelt werden, nur 1 Prozent der Fälle musste 2026 in eine Klinik im Stadtgebiet verlegt werden. Für eine halbe Million Hähnchen sowie ca. 200 vierbeinige Rindviecher kam dagegen jede Hilfe zu spät.
Helfen kostet. Die Aichacher Ambulanz Union hatte bei der Auftragsübernahme Modernisierungskosten für die Ambulanz in Höhe von 500.000 Euro vorfinanziert, die sich über die mehrjährigen Verträge wieder amortisieren müssen. Die Krankenkassen bezahlen in der Regel die Behandlung, die Infrastruktur finanziert die Stadt München. Wie viel die medizinische Betreuung 2026 gekostet hat, ist bisher nicht veröffentlicht. Es wird nicht ganz billig gewesen sein, allein der Einsatz des CT-Geräts, angeblich das weltweit einzige mobile Volksfest-CT-Gerät, soll nach Medienberichten bis einschließlich 2027 ca. 1,5 Mio. Euro kosten, so viel wie 100.000 Maß Bier, oder 80.000 halbe Hähnchen, die sind auch nicht ganz billig auf dem Oktoberfest.
Neu war dieses Jahr ein Impfangebot der Stadt München auf dem Oktoberfest. Geimpft wurde gegen Grippe und Covid-19, das Angebot soll gut nachgefragt worden sein. Allerdings dürfte sich, von den allerersten Kunden abgesehen, der Impfschutz erst nach dem Ende der Wiesn aufbauen, es dauert ein bis zwei Wochen. Der weltweit berühmten „Wiesn-Grippe“ sollte das Impfangebot also keinen Abbruch tun, zumal die womöglich eh auf andere Viren zurückgeht. Das wird übrigens 2026 auch erstmals untersucht. Wer weiß, am Ende entdeckt man noch das Münchner Wiesn-Virus, gesehen hat es angeblich schon mancher.
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Frühere wiesnwissenschaftliche Betrachtungen
• Blogbeitrag Oktoberfest-Statistik
• Blogbeitrag Bia san mia
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