Merz und Belém: Nicht schönreden

Merz und Belém: Nicht schönreden

Falls Brasiliens Präsident Lula 2026 zur Hannovermesse anreist, sollte er sich den etwas zwielichtigen Hauptbahnhof anschauen. Vielleicht sagt er dann später etwas Ähnliches wie Bundeskanzler Friedrich Merz nach seiner Rückkehr von der Weltklimakonferenz in Belém: Man müsse froh sein, aus dem Veranstaltungsort wieder zurück in die Heimat geflogen zu sein.

Der CDU-Chef wollte eigentlich nur deutlich machen, wie attraktiv Deutschland sei, trotz allen schlechten Geredes. Gleichwohl war seine Bemerkung gedankenlos und undiplomatisch und hat in Brasilien, das Deutschland normalerweise sehr wohlwollend gegenübersteht, für Empörung gesorgt.

Dabei hat Merz natürlich nicht unrecht: Wer sich abseits der herausgeputzten Viertel bewegt, erlebt, wie anstrengend das Leben in Belém ist. Das wissen die Brasilianer selbst am besten, sie brauchen die Belehrung von außen nicht. Wenn Lula Merz rät, er hätte in Belém lieber tanzen und essen gehen sollen, verzerrt aber auch das die Realität: Dafür fehlt vielen Einwohnern die Zeit und das Geld. Häme ist keine Lösung, aber Schönreden auch nicht.

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