Microsoft 365 für Privatnutzer: Es braucht ein neues Home & Student

Microsoft 365 Copilot App

Ältere Nutzer, die ihre Lizenzen für Microsoft Office tatsächlich noch als Boxen im stationären Einzelhandel gekauft haben, werden sie noch kennen: Microsoft Office Home & Student. Editionen wie Office 2010 hatten diese absolute Basisversion von Microsofts Produktivitäts-Suite, die mit Word, Excel, PowerPoint und OneNote nur die vier notwendigsten Programme mitbrachte, die dann über einen gewissen Zeitraum stabil mit Sicherheitsupdates versorgt wurden.

Microsoft 365 und früher Office 365 kannten diese Grundversorgung, die für Privatnutzer auch vor gut 10 Jahren schon ausgereicht hätte, nie. Schon damals wurden mit Word, Excel, PowerPoint, OneNote, Outlook und unter Windows auch Publisher und Access gleich sieben Office-Programme nebst anderer Goodies wie dem OneDrive-Speicher integriert. Angesichts der aktuellen Konsolidierungen kann man aber fragen: Sollte es bei Microsoft 365 heute wieder eine ähnliche Ausrichtung geben?

Konsolidierung

Dass Microsoft sein Angebot von Microsoft 365 für Privatnutzer aktuell aufräumt, ist unübersehbar. Demnächst erfolgt die Einstellung von Microsoft Publisher, daneben verlieren Privatnutzer den Zugriff auf Microsoft Whiteboard und die Infrastruktur von Microsoft Copilot wird auch bei Microsoft 365 zusammengeführt. Hinter den Kulissen wird die Einführung von Planner auch im neuen Outlook massiv beschleunigt, womit To Do weiter aufs Abstellgleis wandert. Einziger Vorstoß, der sich nur an Privatnutzer richtet, war tatsächlich OneDrive Photos, und der ging in die Hose.

Ohnehin gibt es so einige Mitglieder bei Microsoft 365, hinter die man ein Fragezeichen setzen muss, weil Microsoft darüber nicht mehr spricht und dementsprechend eine Zukunft offen wäre. Neben Microsoft To Do sind hier Microsoft Loop, Microsoft Forms und Microsoft Journal an vorderster Front zu nennen. Ob ein Privatnutzer unter Windows den Bonus von Microsoft Access braucht, anstatt hier eine Vereinheitlichung mit macOS anzupeilen, kann man ebenfalls hinterfragen, und bei Outlook will man in Redmond eh, dass die Privatnutzer beim neuen Outlook als Tester fungieren.

Heißt unterm Strich: Microsoft sollte sich ehrlich machen und einen Moment wie bei Teams schaffen, was nicht für Privatnutzer entwickelt wird, aber hier eben doch zur Verfügung steht. Auch wenn man fragen kann, ob Privatnutzer Teams wirklich brauchen. Fakt ist, dass Microsoft 365 für Privatnutzer aktuell weiterhin viel zu wuchtig ist.

Ein neues Home & Student

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Microsoft hat durchaus Software und Dienste im Angebot, die bei Microsoft 365 auch für Privatnutzer interessant sein können. Bei den bestehenden Integrationen dürften Word, Excel, PowerPoint, OneNote, OneDrive, Copilot, Clipchamp, Designer und das neue Outlook/die Verbesserungen bei Outlook im Web aber für die allermeisten Nutzer ausreichen. Teams für Consumer bleibt ein Fremdkörper und der Bonus von Access unter Windows zulasten einer Vereinheitlichung mit macOS macht nicht wirklich mehr Sinn.

Daneben schöpft Microsoft die Möglichkeiten von dem, was für Privatnutzer und Studenten potenziell interessant sein könnte, ganz offen nicht wirklich aus. Dass die Zukunft der Aufgabenverwaltung mittelfristig Microsoft Planner gehört, ist für Geschäftskunden schon länger klar, aber diese Hängepartie von Microsoft To Do bei Privatnutzern verhindert einen sauberen Abschluss, die man mit einer Ankündigung oder einem Supportdokument von der Agenda nehmen könnte.

Und dann sind da noch Dienste, die Privatnutzer bei Microsoft 365 bisher nie zu sehen bekommen haben. Mein Lieblingsbeispiel in diesem Zusammenhang war ja immer eine angepasste oder abgespeckte Version von Microsoft Visio, die vor allem Studenten dabei helfen könnte, wenn sie Schaubilder, Diagramme und Ähnliches zeichnen müssten. Selbst wenn es nur eine Webversion wäre, würde das für die meisten Privatnutzer eine sinnvollere Integration als Teams sein.

Fazit

Dass Microsoft keine gesonderte Entwicklung für Privatnutzer mehr macht, sofern die bei Microsoft 365 überhaupt jemals stattgefunden hätte, ist natürlich klar. Gleichzeitig sollte Microsoft seine aktuelle Konsolidierung nutzen, das vorhandene Angebot für Privatnutzer nochmal genauer zu überprüfen und auf ein geeignetes Maß anzupassen. In Redmond wäre das kein großer Aufwand, für die Privatnutzer würde sich das aber vor allem in zumindest stabilen Preisen niederschlagen. Niemand sollte für etwas zahlen, was er eigentlich nicht braucht, ganz besonders, wenn eine Integration sowieso am Bedarf der meisten Privatnutzer vorbeigeht.

So schlank wie das frühere Office Home & Student wäre das natürlich auch nicht. Aber es würde die Realitäten widerspiegeln, was bei Microsoft 365 für Privatnutzer noch interessant ist und den bestmöglichen Bedarf decken kann. Dass wir in den nächsten Monaten noch weitere Anpassungen etwa bei Planner erwarten können, ist jedenfalls zu erwarten.

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