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Microsoft umwirbt kommerzielle europäische Kunden mit der „EU-Datengrenze“. Diese verspricht, dass alle Daten innerhalb der EU gespeichert und verarbeitet werden. Für den Microsoft 365 Copilot genehmigt sich Redmond selbst eine Ausnahme. Bereits ab Mitte April überträgt Copilot Daten unter Umständen in andere Regionen. Kunden, die das nicht möchten, müssen aktiv werden.
„Flex Routing“ ist standardmäßig aktiv
„Flex Routing“ nennt Microsoft diese neue Vorgehensweise, die in einem Supportartikel beschrieben ist. Hier heißt es (übersetzt):
Mit Flex-Routing können Kunden in der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) Aufbereitungen durch KI-Sprachmodelle (LLM) außerhalb der EU-Datengrenze während Spitzenzeiten der Nachfrage zulassen, um eine konsistente Copilot-Erfahrung zu gewährleisten. Aufbereitungen sind der Verarbeitungsschritt, wenn ein KI-Modell die Eingabeaufforderung ausführt, um eine Ausgabe oder Antwort zu erzeugen, z. B. das Zusammenfassen von Inhalten oder das Beantworten einer Frage.
„Zulassen“ ist in diesem Fall eine irreführende Formulierung, denn die Einstellung ist für alle Microsoft 365 Instanzen automatisch aktiviert. Zwar schreibt Microsoft im verlinkten Artikel, dass Flex Routing nur für Microsoft 365 Tenants aktiv ist, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden. Alle Bestandskunden sollen im M365 Admincenter nachschauen. Dort findet man unter der ID MC1269223 eine Nachricht, die darüber informiert, dass Flex Routing generell aktiv ist. Besonders pikant ist hierbei die kurze Vorlaufzeit. Die Nachricht stammt vom 3. April, die Umsetzung erfolgt bereits 14 Tage später am 17. April 2026.
Wie kann man Flex Routing deaktivieren?
Verhindern lässt sich die externe Datenübertragung durch eine Anpassung der Option „Flex routing during peak load periods“ in den Copilot-Einstellungen. Dafür sind Administratorrechte erforderlich.

Microsoft verspricht Verschlüsselung und Anonymisierung
Für alle Daten, die durch Flex Routing die EU-Datengrenze verlassen, verspricht Microsoft eine vollständige Verschlüsselung bei der Speicherung und Übertragung. Die Speicherung außerhalb der EU beschränkt sich zudem auf anonymisierte Daten.
Entsprechende Ausnahmen gibt es für eine Reihe von Microsoft-Diensten, die Daten außerhalb der EU-Datengrenze verarbeiten. Diese Ausnahmen sind in einem weiteren Supportartikel beschrieben. Hier fällt auf, dass bei praktisch allen Diensten exakt beschrieben ist, welche Daten zu welchem Zweck über die Grenze gehen. Im Abschnitt zu Microsoft Copilot sind die Formulierungen allerdings schwammig.
Warum tut Microsoft das?
Microsoft gibt sich große Mühe, das Vertrauen europäischer Kunden zu gewinnen, die großen Wert darauf legen, dass ihre Daten in der EU verbleiben. Diskussionen, dass diese Datengrenze wegen Regelungen wie dem US Cloud Act ohnehin nur ein Papiertiger ist, machen es den Redmondern schwer genug. Warum schneidet man jetzt selbst ein Loch in den virtuellen Zaun?
Man könnte unterstellen, dass Microsoft hier eine Hintertür einbaut, die beispielsweise der heimischen Regierung einen Schnüffelzugang zu den KI-Aktivitäten der EU-Kundschaft ermöglicht. Ich habe keine Zweifel, dass Microsoft das jederzeit tun würde, unter einer totalitär agierenden Regierung hat man schließlich keine andere Wahl.
In diesem Fall glaube ich aber, dass es tatsächlich darum geht, Lastspitzen abzufangen und kurze Reaktionszeiten des Copilot zu gewährleisten. Microsoft baut seine Datenzentren in der EU zwar kontinuierlich aus, dennoch reichen die Kapazitäten nicht aus, um den gewaltigen Ressourcenbedarf durch KI-Anwendungen zu decken.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant.
Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir – für Euch!
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