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Die Kathedrale Notre-Dame in Paris soll digitalisiert werden. Dies sagte jüngst der Präsident von Microsoft, Brad Smith, bei einem Besuch in der französischen Hauptstadt gegenüber der Zeitschrift „Le Point“. Das digitale Modell diene dazu, Kunsthistorikern und Restauratoren künftig die Arbeit zu erleichtern und einer weltweiten Öffentlichkeit den Besuch der im Herbst 2024 nach fünf Jahren Renovierungsarbeiten wiedereröffneten Kathedrale auch online zu ermöglichen. Es soll im gleichen Stil erstellt werden wie ähnliche Projekte etwa an der Abtei des Mont-Saint-Michel und im Petersdom in Rom. Dort hatte ein Team von Microsoft gemeinsam mit dem französischen Unternehmen „Iconem“ auf der Grundlage von mehr als 400.000 eigens erstellten Fotos, Drohnenaufnahmen sowie mithilfe eines speziellen Algorithmus einen Avatar des Petersdoms geschaffen, der im vergangenen Winter vorgestellt worden war.
Charmeoffensive gegenüber europäischen Staaten?
Die digitale Erfassung von Notre-Dame werde mindestens ein Jahr dauern und mehrere Millionen Dollar kosten, sagte Smith, ohne eine genaue Summe zu nennen. Wie „Le Point“ berichtet, plane der amerikanische Konzern außerdem, in Zusammenarbeit mit dem französischen Kulturministerium rund 1500 Bühnenbildmodelle der Pariser Oper zu digitalisieren und diese Sammlung auf einer Plattform der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dass Microsoft auf diese Weise auch in den Besitz von Daten gelangt, mit denen es seine Modelle Künstlicher Intelligenz trainieren kann, liegt auf der Hand. Die lancierten Projekte werden zudem als Teil von Bemühungen des Unternehmens gesehen, die europäischen Behörden für sich zu gewinnen, die seit Langem über eine Regulierung amerikanischer Digitalkonzerne beraten. Dies gilt offensichtlich umso mehr, als Brad Smith in mehrfacher Hinsicht irrt: Schon vor Monaten hatte er geäußert, der Wiederaufbau der Kathedrale von Notre-Dame wäre mithilfe eines digitalen Modells viel einfacher gewesen.
Ein solches Modell aber gab es bereits, und es leistete bei der Rekonstruktion tatsächlich wertvolle Hilfe – erstellt worden war es glücklicherweise schon vor der Brandkatastrophe 2019 am intakten Bau von Art Graphique & Patrimoine (AGP) und Mitarbeitern der Universität Bamberg unter der Leitung von Professor Stephan Albrecht. Doch auch während der fünfjährigen Restaurierung wurden gemeinsam mit den französischen Experten noch mindestens drei hochauflösende Scans des gesamten Gebäudes mit der sehr dichten Punktfolge von nur einem Zentimeter Abstand zwischen den Scanpunkten angefertigt. Wenig überraschend zeigt sich der Bamberger Kunsthistoriker und Bauforscher im Gespräch mit dieser Zeitung über das amerikanische Projekt verwundert; in Albrechts Augen sei das erneute Scannen Notre-Dames „komplett sinnlos“.
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