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Die am Wochenende angeordnete Sperre von Anthropics fortschrittlichsten KI-Modellen Claude Mythos und Claude Fable 5 durch die US-Regierung sorgt weiter für Aufruhr. Während neben einem direkten Hinweis durch Amazon-Chef Andy Jassy auch eine mögliche Cyberspionage durch chinesische Akteure als Gründe angeführt werden, versetzt es die europäische Digitalbranche zunehmend in den Alarmmodus. Warnungen vor riskanten und einseitigen Abhängigkeiten werden lauter.
So kommentiert Dr. Ralf Wintergerst, Chef des Branchenverbandes Bitkom:
„Deutschland und Europa sind beim Zugang zu den stärksten KI-Modellen vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig, das hat die überraschende Anordnung am Wochenende mehr als deutlich gemacht. Dies hat unmittelbar Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unserer klassischen Industrien und unserer Verwaltungen und beeinträchtigt auch unsere Sicherheit und zum Beispiel die Exzellenz unserer Wissenschaft. Mehr denn je muss es jetzt darum gehen, Deutschland und Europa digital souverän zu machen. Digitale Souveränität und eigene KI-Kompetenzen gehören mit an die Spitze der politischen Prioritäten.“
Auch Prof. Dr. Katharina Erhardt als Leiterin vom Industrial Policy Lab am Kiel Institut warnt vor entsprechenden Abhängigkeiten. Sie kritisiert die Betrachtung strategischer Abhängigkeiten und kritischen Bereichen der Industriepolitik in Europa als weiterhin zu kleinteilig gedacht. Während über Chips und Seltene Erden schon lange gesprochen wird, fallen modernste Technologien mit KI an vorderster Front weiterhin eher durchs Raster. Sie fordert eine echte digitale Industriepolitik als zentralen Faktor in Europa.
Der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest nennt die Abhängigkeit von den USA bei Künstlicher Intelligenz im Handelsblatt eine existenzbedrohende Situation für die europäische Wirtschaft. Zudem ist KI auch eine strategische Ressource. Europa könne und müsse im KI-Bereich zwar nicht autark werden, aber muss auch wieder zum Entwickler und Eigentümer statt nur Nutzer und Kunden werden. Dies erfordere einen Ausbau der eigenen Fähigkeiten.
Auch Markus Beckedahl vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie sieht einen gefährlichen Präzedenzfall, wie er im Interview mit Tagesschau24 noch am Freitag sagte. Die US-Regierung agiere nicht transparent und handelt zumindest in dieser US-Administration willkürlich. Ähnlich sieht es Christoph Knöll vom Beratungsunternehmen Neurawork im DLF, hält ein weltweites Abkommen zur Regulierung von KI aber für wenig realistisch.
Der KI-Bundesverband mit ihrem Vorsitzenden Rasmus Rothe nennt die Anordnung in einem Statement auf LinkedIn die Quittung für das, wovor der Verband bereits seit 2021 gewarnt habe. Erstmals wurden KI-Modelle von der US-Regierung wie Rüstungsgüter behandelt, während kritische Infrastruktur wie Cybersicherheit, Krankenhäuser, Banken und Energieversorger an Systemen hängen, die in ähnlicher Form abgeschaltet werden können. Rothe fordert neben einem sofortigen KI-Souveränitätsgipfel eine Abhängigkeitsprüfung in Behörden und kritische Infrastruktur, eine Verdreifachung der Mittel für europäische KI-Entwicklung, eine Souveränitätspflicht für staatliche KI-Anwendungen und mehr Engagement der hiesigen Privatwirtschaft bei KI-Innovationen.
Abschließend hat auch Sascha Pallenberg das Ganze in seinem Podcast Metacheles kommentiert. Das Video hierzu findet ihr unter dem Beitrag.
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Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.
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