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Im Magdeburger Dom ruht seit Jahrhunderten eine prägende Figur der europäischen Geschichte, Otto der Große. Jetzt haben Restaurierungsarbeiten einmalige Einblicke in diese letzte Ruhestätte eines Kaisers eröffnet, denn dafür wurde der steinerne Sarkophag aufgemacht. Im Inneren steht ein schlichter Holzsarg, in dem das Restauratorenteam Textilreste, Eierschalen und die Gebeine eines älteren, ungewöhnlich großgewachsenen Mannes vorfanden – vermutlich von Otto I. Nähere Analysen sollen nun zeigen, ob diese Knochen wirklich ihm stammen.
Otto I., auch Otto der Große genannt, war eine prägende Figur der europäischen Geschichte. Er war König des Ostfrankenreichs, dann auch Italiens und wurde 962 zum Kaiser gekrönt. Damit legte er den Grundstein für eine Wiederbelebung des römischen Kaisertums und das spätere Heilige Römische Reich. Während seiner Herrschaft erlebte das Reichsgebiet einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, zudem förderte Otto der Große intensiv Kirchen und Klöster.

Eine besondere Rolle für Otto I. spielte Magdeburg, das er im Jahr 968 zum Erzbistum machte. Nach seinem Tod im Jahr 973 wurde der Kaiser im Magdeburger Dom beigesetzt. Sein Grabmal steht zentral im Binnenchor des Doms. Sein Sarkophag besteht aus einem an allen vier Seiten kassettierten, monolithischen Block aus Kalkstein. Die Abdeckung bildet eine wiederverwendete antike Marmorplatte, die an den Seiten über den Block hinausragt. Bereits 1945 wurde daher an den Seiten eine stützende Metallkonstruktion hinzugefügt. Doch bei einer der regelmäßigen Überprüfungen des Grabmals stellten Experten der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie im Jahr 2024 besorgniserregende Schäden am historischen Grabmal fest.
Restaurierung eines Kaisergrabes
Deshalb wurde beschlossen, das wertvolle und historisch bedeutende Grabmal zu restaurieren. Ein Team aus Restauratoren und weiteren Fachleuten ist seit Anfang 2025 dabei, das Grabmal Ottos des Großen vorsichtig auseinanderzunehmen und, zu überprüfen und zu restaurieren. „Otto der Große hat europäische Geschichte geschrieben und in Sachsen-Anhalt bedeutende Spuren hinterlassen“, sagte Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra dazu. „Neben der aus konservatorischer und denkmalpflegerischer Perspektive dringend nötigen Sicherung seines Grabmals im Magdeburger Dom ergeben sich nun einzigartige Gelegenheiten zu dessen Erforschung.“
Im Januar 2025 wurde das Grab Ottos I. im Magdeburger Dom mit einer Art Schutzhütte aus Holzplatten ummantelt, innerhalb derer die diffizilen Arbeiten am historisch bedeutsamen Sarkophag durchgeführt werden können. Die Restauratoren führten dafür zunächst eine detaillierte zeichnerische und fotografische Dokumentation des Grabmals und der äußerlich sichtbaren Schäden durch und erstellten ein digitales 3D-Modell des Grabmals. Sarkophag und Untergrund wurden zudem mittels Georadar und Ultraschall untersucht. Dabei stellten die Experten fest, dass Feuchtigkeit in den Sarkophag eingedrungen war – wahrscheinlich durch einige im 19. Jahrhundert angebrachte und bereits korrodierte Klammern und Nägel.
Erster Blick ins Innere des Sarkophags
Dann folgte ein heikler Schritt: Im März 2025 wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen die rund 300 Kilogramm schwere marmorne Deckplatte vom Sarkophag abgenommen. Zum ersten Mal erhielten die Restauratoren damit einen Blick auf den schlichten Sarg aus Kiefernholz im Inneren. Radiokarbondatierungen ergaben, dass dieser Holzsarg aus unterschiedlich alten Hölzern aus dem Hohen Mittelalter gezimmert wurde. „Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde er angefertigt, als die Gebeine Ottos des Großen nach dem Dombrand von 1207 und dem anschließenden Neubau des Doms umgebettet wurden“, erklärt das Landesamt für Denkmalschutz. Nähere Untersuchungen des Holzsargs ergaben, dass dessen oberer Bereich noch gut erhalten ist. Im unteren Teil war der Sarg jedoch aufsteigender Feuchtigkeit ausgesetzt und das Holz ist stark geschädigt und zersetzt, wie die Konservatoren feststellten. Ein zwischen Steinsarkophag und Holzsarg gefundenes Brett wurde offenbar bereits im Mittelalter angebracht, um kleinere Risse im Holzsarg zu verdecken.

Mitte Juni 2025 war es dann soweit: Die Forschenden nahmen erstmals auch den Deckel des Holzsargs ab. Dieser war mit drei eisernen Nägeln am Sarg befestigt, die zunächst freipräpariert werden mussten. Im geöffneten Sarg Ottos des Großen zeigten sich verstreut liegende menschliche Überreste eines männlichen, älteren Individuums mit für das Mittelalter überdurchschnittlicher Körperhöhe – höchstwahrscheinlich die Gebeine Ottos des Großen. Das Team plant verschiedene anthropologische und bioarchäologische Analysen, um die Identität des Toten zu überprüfen und mehr über seine Krankheiten, Lebensweise und äußere Erscheinung zu erfahren.
Gebeine, Textilreste und Eierschalen
Neben den Gebeinen finden sich im Holzsarg Ottos des Großen auch Reste von Textilien, Pflanzenreste sowie Sediment. Unter den Textilien stechen ein rot und ein blau gefärbtes Gewebe mit Rautenmuster hervor. Die Fragmente sind teils sehr fragil und stark konservierungsbedürftig. Ferner enthält der Sarg Schalen von Eiern. „Die Beigabe von Eiern ist in christlichen Gräbern des Mittelalters nicht unüblich, gilt doch das Ei als Symbol für die Auferstehung Christi“, erklärt das Landesamt. Im nächsten Schritt müssen nun die Gebeine und alle anderen im Sarg befindlichen Überreste vorsichtig geborgen und herausgenommen werden. Das Forschungsteam wird dann den Sarkophag vorübergehend versetzen, um an den Untergrund heranzukommen und ihn besser gegen Feuchtigkeit isolieren zu können und ihn zu stabilisieren. Ist dies abgeschlossen, wird der alte Holzsarg durch einen neuen ersetzt und die Gebeine können dann wieder hineingelegt werden.
„Das Grab Ottos des Großen im Magdeburger Dom ist von herausragender kulturhistorischer Bedeutung für Sachsen-Anhalt. Wir sind verpflichtet, diesen Erinnerungsort deutscher und europäischer Geschichte für die Zukunft zu bewahren“, betonte Ministerpräsident Reiner Haseloff. „Ich danke dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und allen anderen, die zu der dringend erforderlichen Konservierung des Grabmals beitragen.“
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte

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