Wo liegt eigentlich der hohe Norden? Immerhin gibt es unterschiedliche Nordpole. Für den Autor und Historiker Adwin de Kluyver liegt der Norden „bis zum Beweis des Gegenteils“ um und über dem 60. Grad nördlicher Breite. Diese Einordnung nimmt er im recht persönlichen Prolog seiner Forschungs- und Mythensammlung „Der geträumte Norden“ vor, die eher einem wilden Langschiff als einer Barkasse gleicht.
Es wird weit und wild gereist, gemunkelt und gemeuchelt in diesem ästhetisch aufgemachten Buch. Ob Pytheas von Massalia im 4. Jahrhundert v. Chr. nach Thule reiste oder nicht, lautet eine Frage. Ob alles Böse aus dem Norden kommt, fragt man sich in Großbritannien, als die sogenannten Wikinger kommen. Ist der Abstand zwischen zwei Breitengraden am Äquator geringer als im Norden? Sind Salamander feuerfest und wo liegt Hyperborea? Wieso trägt der Polheld Sjef van Dongen einen Pyjama und was hat es mit einer sehr langen Flaggen-Geschichte auf sich?
Fragen über Fragen anhand von vielen Karten, ergänzt um die Kurzbiografie des Hauptakteurs im jeweiligen Kapitel. Manchmal sind Entrüstung und Schmach zunächst der Forschung Lohn, manches Mal auch Geld und Anerkennung. Bei manch einer Koryphäe gehen Mumpitz und Wissenschaft Hand in Hand, Irrtümer gehören dazu und das Leben ist arg endlich. Dies und viele feine Fakten vermittelt de Kluyver so unterhaltsam wie kurzweilig.
Rezension: Alexander Schramm
Adwin de Kluyver
Der geträumte Norden
mareverlag, 320 S., € 28,–
ISBN 978–3–86648–717–8
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