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„Osteuropas Notenbanken drehen an der Zinsschraube“
Während die Europäische Zentralbank noch darüber debattiert, ob die Zinsen im Euroraum schon in diesem Jahr anziehen könnten, erhöhen Zentralbanken im Osten der EU angesichts hoher Inflationsraten die Leitzinsen in schneller Folge. Notenbanker in Polen und Rumänien haben die Märkte diese Woche mal wieder überrascht. Doch schon fragen erste Analysten, ob die Währungshüter den Zinserhöhungswettlauf womöglich übertreiben.
Polens Nationalbank hatte am Dienstag den Leitzins um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent heraufgesetzt. Ziel dieser fünften Erhöhung binnen fünf Monaten ist die Eindämmung der Inflationsrate von zuletzt 8,6 Prozent. Warschaus Notenbanker hatten im Oktober Zinserhöhungen gestartet, später als ihre Kollegen in Prag und Budapest, die seit dem Sommer die Geldversorgung verknappen.
War der Umfang der Zinserhöhung erwartet worden, so zeigten sich Beobachter von den folgenden Erläuterungen durch Bankgouverneur Adam Glapiński überrascht. Analysten hörten eine Tonlage „entschieden restriktiver“ als zuletzt, die ING bemerkte „einen entschiedenen Kurswechsel“. Die meisten Marktteilnehmer erwarten nun im März ein Plus von 0,5 Punkten. Österreichs Erste Bank sieht den Leitzins zur Jahresmitte bei 4,5 Prozent. Das Niveau hatte er in der Tschechischen Republik schon erreicht.
Rumänien und Polen treiben den Leitzins hoch
Nicht nur die Zinserhöhung gab dem Zloty starken Aufwind, der erst am Freitag von seinem Achtmonatshoch von weniger als 4,50 Zloty je Euro herunterstieg, nachdem die starke US-Inflation den Dollar stützte und Schwellenländerwährungen unter Druck setzte. Glapiński machte klar, dass er einen Leitzins von 4 Prozent als unproblematisch für das Wachstum erachte und die Notenbank die Inflation mit einer Aufwertung der Währung eindämmen wolle. Er kündigte auch an, dass die Zentralbank künftig EU-Gelder nicht mehr selbst in ihre Reserven aufnehmen und der Regierung in Zloty zur Verfügung stellen könnte, sondern dass die Brüsseler Euros am Markt konvertiert werden könnten – „was unweigerlich zu einer Aufwertung des Zlotys führen würde“, wie Analysten des Finanzkonzerns KBC festhielten.
Den polnischen Überraschungen fügte die Notenbank Rumäniens eine hinzu. Ebenfalls um 0,5 Prozent, aber doppelt so stark wie an den Märkten erwartet, trieb sie ihren Leitzins auf 2,5 Prozent. Hintergrund der geldpolitischen Beschleunigung sind auch hier erhöhte Inflationserwartungen, die nach Prognosen aus Bukarest bald zweistellige Werte erreichen könnten. Solche sind in der EU derzeit nur im Baltikum zu finden.
Werktags um 6.30 Uhr
In Ungarn befeuerte die unerwartet starke Januar-Teuerungsrate von 7,9 Prozent (nach 7,4 Prozent im Dezember) am Freitag die Erwartung weiterer Zinsschritte. Die Budapester Notenbank hatte den Leitsatz kürzlich um 0,5 Punkte auf 2,9 Prozent heraufgesetzt. Vor den für Anfang April angesetzten Wahlen bringt Ungarns Premierminister Viktor Orbán derzeit viel Geld unters Volk. So bekommen Rentner nach der Erhöhung der Pensionen eine Extrazahlung von einer Milliarde Euro, Familien mit Kindern noch im Februar eine Einkommensteuererstattung über 1,7 Milliarden Euro.
Die Tschechische Nationalbank hat bisher am stärksten an der Zinsschraube gedreht. Aktuell liegt der Satz auf einem 20-Jahres-Hoch von 4,5 Prozent – weitere Schritte nicht ausgeschlossen. Manchen wird dabei etwas schwindlig: „Überschießende Zinsen?“, fragt etwa Commerzbank-Analyst Tatha Ghose und verweist auf den Vizegouverneur der Prager Nationalbank, Tomáš Nidetzký, der genau davon und einer Zinssenkung im nächsten Jahr gesprochen habe.
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