#Philosophin Hilge Landweer: „Gehasst wird von unten nach oben“

Bildungsbürger aufgepasst: Es gibt neben dem Hass noch ein weiteres fatales Gefühl. Ein Gespräch mit der Philosophin Hilge Landweer über Pro-Palästina-Demonstranten, Friedrich Merz und importierten Antisemitismus.

Frau Landweer, an vielen Orten weltweit, auch in Berlin-Neukölln, haben Israelfeinde den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober gefeiert. Die Bilder zeigten zahllose strahlende Gesichter. Sieht so Hass aus?

Melanie Mühl

Redakteurin im Feuilleton.

Nein, Hass sieht anders aus, zum Beispiel wie die grauenvollen Taten, die die Hamas über die sozialen Medien verbreitet. Aber es scheint mir auch nicht Schadenfreude zu sein, was sich auf den strahlenden Gesichtern zeigt. Es sieht eher nach erwachender Hoffnung aus. Das ist in diesem Fall allerdings fast ebenso schädlich wie Hass. Der Hamas-Terror will den Palästinenserinnen vorgaukeln, sie könnten wieder Handlungsmacht gewinnen. Aber das ist eine Illusion. Was man auf diesen Bildern sieht, ist schwer zu interpretieren. Wenn Menschen in einem Lager in Libanon, in dem 50.000 Menschen zusammengepfercht und ohne sauberes Trinkwasser leben, den Hamas-Terror feiern, dann würde ich das als eine verzweifelte Reaktion auf eine trostlose Situation interpretieren. Diesen Feiernden pauschal blinden Hass zuzuschreiben, als seien sie durch und durch barbarisch, trifft die komplexe Gefühlslage nicht und führt nicht weiter. Dass uns Menschenmassen, die aus solch einem Anlass feiern, unsäglich und fremd vorkommen, hängt unter anderem auch damit zusammen, dass wir in einer privilegierten Position sind und ihre Situation nicht kennen.

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