Prozess gegen Christina Block: Wer ist Stephan Hensel?

Prozess gegen Christina Block: Wer ist Stephan Hensel?

Stephan Hensel hat sich nie dazu öffentlich geäußert, wie es ihm geht, nun, da er sich wöchentlich von seinem Wohnort in Dänemark nach Hamburg aufmacht. Aufmacht zum Prozess gegen seine Ex-Frau Christina Block, gegen deren neuen Lebensgefährten Gerhard Delling und gegen weitere Personen aus dem Block-Umfeld, denen vorgeworfen wird, Beihilfe zur Entführung der Kinder von Block und Hensel geleistet zu haben.

Es ist unklar, ob Hensel dabei eine gewisse Genugtuung verspürt. In Hamburg hatte er schließlich als Banker Karriere gemacht, war dann in die Führung der Block-Gruppe eingestiegen und hatte die Tochter des Patriarchen Eugen Block, Christina, bei einer glitzernden Hamburger High-Society-Hochzeit geheiratet. Vier Kinder bekamen sie. Doch die Ehe hielt nicht, Hensel verlies das Restaurantimperium, wurde aus dem Familien-Clan verstoßen und heute redet man auf der Block-Seite übel über ihn.

Vor Gericht lässt sich der 54 Jahre alte Hensel zu all dem nichts anmerken. In ruhigem Ton sagt er am Dienstag und Mittwoch als Zeuge aus. Er erklärt, wie er die Entführung von zwei der vier gemeinsamen Kinder mit Block aus seinem Heimatort, einem dänischen Kleinstädtchen erlebte, wie er von den mutmaßlichen Entführern „behandelt“, sprich verprügelt worden sei, und wie sich zuvor der Rechtsstreit um die beiden Kinder entwickelt hatte.

„Todesangst“ in der Silvesternacht

In der Silvesternacht 2023/2024 hat Hensel eigenen Angaben nach „Todesangst“ gehabt. Er wurde demnach auf den Boden geworfen, bekam Tritte und Schläge ab, die Kapuze wurde über sein Gesicht gezogen, er bekam wenig Luft. Seine Kinder habe er zunächst laut um Hilfe schreien gehört, dann leiser, dann gar nicht mehr, als die Entführer in zwei Autos mit ihnen davongefahren seien. „Man dreht sich um. Da sind fünf Leute, und man kann den Kindern nicht helfen, das bekommt man nicht aus dem Kopf.“

Vor dem neunten Verhandlungstag am Mittwoch: Hensel mit seinem Anwalt Philip von der Meden
Vor dem neunten Verhandlungstag am Mittwoch: Hensel mit seinem Anwalt Philip von der MedenImago

An dieser Darstellung gibt es wenig Zweifel, sie entspricht weitgehend der Anklageschrift, teils auch der Aussage des einzigen inhaftierten Angeklagten vor Gericht, eines Israelis, der maßgeblich an der Entführung beteiligt war. Am Mittwoch werden zudem Fotos von Hensels Verletzungen vor Gericht gezeigt: Prellungen, Schürfwunden und Blutergüsse. Die Entführer sollen die Kinder ins Auto gezerrt und über die Grenze nach Deutschland gebracht haben. In Süddeutschland trafen sie dann mit ihrer Mutter zusammen, die nun angeklagt ist, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben. Das streitet sie aber ab.

Cousine wegen Beihilfe angeklagt

Am Vortag hatte Blocks Cousine Uta B. unter Tränen ausgesagt. Ihr wird vorgeworfen, Beihilfe zur Entführung geleistet zu haben, weil sie Block mit den Kindern einen Teil der Strecke zurück nach Hamburg fuhr. Das gestand sie ein, begründete das aber damit, dass Block damals das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für Kinder hatte. B. war auch nach Dänemark gefahren zu Hensels Wohnort, dort habe die eine Block-Tochter „wie ein Roboter“ vor ihr gestanden, den Sohn habe sie nicht sehen können. Hensel habe man „alles“ zugetraut.

Hensel sitzt ihr im Gericht direkt gegenüber, mit maximal zwei Meter Abstand. Ihre Anschuldigungen hört er sich regungslos an, teilweise machte er sich Notizen. Vor dem Prozess stand er angesichts der Vorwürfe gegen ihn wegen der Entziehung der Kinder lange mit dem Rücken zur Wand. Der mediale Druck war enorm, vor allem die Boulevardpresse gab ausführlich die Sicht der Block-Familie wieder. Hensel wurde dabei vorgeworfen, sich an der Familie rächen, ja diese vernichten zu wollen, auch gehe ihm es ums Geld. All das streitet er ab.

Erst als Details aus der Anklage öffentlich wurden, als klar wurde, wie brutal die Kinder gegen ihren Willen aus Dänemark entführt worden waren, änderte sich auch in den Boulevardmedien langsam der Blick auf den Fall. Geplant wurde die Entführung laut Anklageschrift in Eugen Blocks Luxushotel Grand Elysée, wo die mutmaßlichen Entführer offenbar ein uns aus gingen. Fraglich erscheint vor Gericht schon jetzt immer wieder, warum dann nicht auch Eugen Block anwesend ist. Als Zeuge dürfte er wohl vernommen werden. Doch bis das Gericht dazu kommt, wird es noch dauern. Prozesstermine sind inzwischen bis in den März nächsten Jahres angesetzt.

„Ich kann ja nicht die Kinder mit Gewalt in ein Auto stecken“

Am Mittwoch wendet die Vorsitzende Richterin viel Zeit für die Vorgeschichte der Entführung auf. Nach der Scheidung gab es eine Besuchsregelung zwischen Block und Hensel. Doch nach einem Besuch bei ihm im Herbst 2021 blieben die zwei jüngsten Kinder bei Hensel. Damals teilten sich die Eltern das Sorgerecht wie das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Doch Hensel behielt die Kinder bei sich. Warum? Wegen der „Gewaltschilderungen der Kinder“, sagt Hensel. Schläge durch die Mutter auf den Hinterkopf führt er an, gewaltsames Hochziehen auf der Treppe. „Die Kinder konnten nicht mehr und wollten nicht mehr.“ Weiter sagt Hensel den bezeichnenden Satz: „Ich kann ja nicht die Kinder mit Gewalt in ein Auto stecken“. Der Gegenseite wird vorgeworfen, genau das getan zu haben.

Hensel führt weiter aus, er habe dann den Kindern gesagt, „gut, wenn ihr absolut nicht wollt“, schreibe er der Mutter eine E-Mail. In dieser teilte er mit, dass die Kinder vorerst bei ihm blieben. Er habe nicht gewollt, dass sie auf Dauer blieben, sondern gehofft, dass bei Block eine „Verhaltensänderung“ einsetze, dass sie die Kinder nicht mehr schlage. Die Kinder hätten sich die ganze Zeit erhofft, dass die Mutter sich entschuldige, dass man einen Weg finde, wieder zusammenzukommen. Vergeblich.

Das Haus sei „permanent überwacht“ worden

Im folgenden Rechtsstreit, erhielt Block schließlich das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht. Trotzdem behielt Hensel die Kinder weiter bei sich. Zwar habe er sie nach der Gerichtsentscheidung wirklich zurückbringen wollen, sagt er nun, doch die Kinder hätten sich „massiv geweigert“, teils deswegen im Zimmer eingeschlossen.

Auch schildert er ausführlich angebliche Observierungen durch Detekteien und Sicherheitsfirmen, die seinen Angaben nach von der Block-Familie beauftragt wurden. Weiterhin einen vermeintlichen Entführungsversuch im November 2022. Von mehreren Vorfällen will er Videos gemacht haben. Ihr Haus sei „permanent überwacht“ worden, sagt Hensel.

Die Gegenseite, das heißt Blocks Anwalt Ingo Bott, widerspricht im Anschluss den Darstellungen deutlich. Hensel habe Sachen „aus dem Zusammenhang gerissen“, die Chronologie durcheinandergebracht und es gebe es „keinen Beleg an keiner Stelle“ für die Gewaltvorwürfe, sagt Bott. Diese seien eventuell mit Gewalt in die Köpfe der Kinder gekommen. Er wirft Hensel „Selbstjustiz“ vor. Auch habe dieser „zu keinem Zeitpunkt“ versucht, Kontakt zu Frau Block herzustellen. Es sei „bedrückend“, so Bott, dass man immer noch nicht wisse, wie es den drei Kindern in Dänemark gehe, bei denen man davon ausgehen müsse, dass sie „festgehalten“ würden.

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