Riesen-Oktopusse waren Spitzenprädatoren der Kreidezeit

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Während der Kreidezeit beherrschten riesige Haie und Meeressaurier die Ozeane. Doch offenbar machten ihnen auch wirbellose Tiere an der Spitze der Nahrungskette Konkurrenz: gigantische Oktopusse, die ihre Beute mit langen Armen fingen und mit ihrem gewaltigen Kiefer mühelos Knochen und Schalen zermalmten. Das legen Analysen fossiler Kiefer von Kopffüßern nahe, die vor etwa 100 bis 72 Millionen Jahren lebten. Die größten Exemplare könnten eine Länge von über 18 Metern erreicht haben und damit zu den größten Meeresräubern ihrer Zeit gezählt haben.

Seit hunderten Millionen Jahren handelt es sich bei den Spitzenprädatoren der Ozeane um Wirbeltiere, von riesigen Meeressauriern bis hin zu Haien und Walen, die bis heute an der Spitze der marinen Nahrungsnetze stehen. „Im Gegensatz dazu wurden wirbellose Tiere der Kreidezeit bisher vor allem als Beute angesehen, die schützende Anpassungen durchliefen“, erklärt ein Team um Shin Ikegami von der Hokkaido Universität in Japan. Viele wirbellose Tiere entwickelten harte Schalen und Panzer, um sich vor Raubtieren zu schützen, während ihre Fressfeinde zugleich mit immer kräftigeren Kiefern konterten.

Doch eine Gruppe von Wirbellosen ging einen anderen evolutionären Weg: Statt auf eine immer härtere Panzerung setzten Oktopusse auf einen weichen, flexiblen Körper, der ihnen eine beispiellose Beweglichkeit verlieh und zudem gute Bedingungen für ein ausgezeichnetes Sehvermögen und eine hohe Intelligenz bot. Zudem wuchsen einige Arten zu enormen Größen heran. Welche Rolle sie im ökologischen Gefüge einnahmen, war allerdings bislang aufgrund begrenzter fossiler Belege unklar.

Wirbellose Giganten

Nun haben Ikegami und seine Kollegen 27 fossile Oktopus-Kiefer analysiert, zwölf davon neu entdeckt. Alle Funde stammten aus Sedimenten der späten Kreidezeit vor etwa 100 bis 72 Millionen Jahren und ließen sich zwei Arten zuordnen: Nanaimoteuthis jeletzkyi und Nanaimoteuthis haggarti. Aus der Größe der Kiefer schlossen die Forschenden, dass beide Arten gewaltige Ausmaße erreichten: „N. jeletzkyi hatte wahrscheinlich eine Gesamtlänge von 2,80 bis 7,70 Metern und N. haggarti wurde wahrscheinlich sogar 6,60 bis 18,60 Meter groß“, berichtet das Team. Damit übertrafen die größten Exemplare von N. haggarti selbst ikonische Meeressaurier wie den rund 17 Meter langen Mosasaurus und den etwa zwölf Meter langen Plesiosaurus.

Um mehr über die Ernährung der urzeitlichen Riesen-Oktopusse herauszufinden, untersuchten Ikegami und seine Kollegen die Abnutzungsspuren an den fossilen Kiefern. Dabei stellten sie fest, dass die aus verhärtetem Chitin bestehenden Beißwerkzeuge der ausgewachsenen Individuen zahlreiche Kratzer aufwiesen und teilweise abgesplittert waren. Kanten, die bei Jungtieren noch scharf waren, waren bei den älteren Tieren abgeschliffen. „Diese Abnutzungsmuster deuten darauf hin, dass die riesigen Oktopusse der späten Kreidezeit aktive Fleischfresser waren, die häufig harte Schalen und Knochen zermalmten“, erklären die Forschenden.

Intelligente Räuber

Zudem stellten die Forschenden fest, dass bei beiden Arten die rechte Kieferseite stärker abgenutzt war als die linke. Das lässt darauf schließen, dass die Tiere eine Seite bevorzugten – ein Merkmal, das bei heutigen Kopffüßern mit einem hochentwickelten Gehirn in Verbindung gebracht wird. „Das legt nahe, dass die frühesten Oktopusse bereits über eine fortgeschrittene Intelligenz verfügten“, schreibt das Team. Wahrscheinlich nutzten die wirbellosen Giganten geschickt ihre flexiblen Arme, um Beute zu fangen und in ihren Schlund zu befördern, wo sie die harten Schalen und Knochen zermalmten. „Unsere Studie zeigt, dass die frühesten, gigantischen Kraken außergewöhnliche wirbellose Tiere waren, die eine Position in der obersten Ebene der Nahrungsnetze der Kreidezeit einnahmen“, folgert das Forschungsteam.

Quelle: Shin Ikegami (Hokkaido University, Sapporo, Japan) et al., Science, doi: 10.1126/science.aea6285

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