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#Rock als Rettung aus der Teenager-Ödnis

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Rock als Rettung aus der Teenager-Ödnis

Wer das Plattencover von „A Rainbow In Curved Air“ von Terry Riley zwischen die Finger bekommt, weiß zunächst nicht, was er davon halten soll. Über eine grüne Wiese und einige Baumreihen ist das lächelnde Gesicht des amerikanischen Komponisten in einen orange-violetten Himmel montiert. New-Age-Kitsch? Doch wenn man die Musik hört, merkt man sofort, dass das wenig mit Esoterik zu tun hat, sondern dass die amerikanische Minimal Music von Riley, Steve Reich oder Philip Glass eine wichtige Inspirationsquelle für den Avantgarde-Rock der frühen siebziger Jahre war. Repetitive Synthesizer-Klänge, die sich mit der Zeit leicht verändern und mit der Zeit eine fast spirituelle Wirkung entfalten.

Can-Gründer Irmin Schmidt, einer der weltweit meistgeachteten deutschen Rockmusiker, sagte der F.A.Z. einmal, welche Wirkung Riley schon ein halbes Jahrzehnt zuvor auf ihn gehabt hatte: „Eigentlich verdanke ich Steve Reich und Terry, dass ich kapiert habe, worum es da ging.“ Von da an waren alle Unterscheidungen zwischen E- und U-Musik für Schmidt obsolet, und er fand als klassisch ausgebildeter Pianist und Dirigent seinen Weg zum Rock.

Riley hat viele Rockmusiker stark beeinflusst. Das „Pop- und Rocklexikon“ von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos schreibt ihm eine Wirkung auf Laurie Anderson, Talking Heads, Soft Machine und Mike Oldfield zu. In der Enzyklopädie finden sich eigene biographische Einträge zu Riley, Reich und Glass. Erwiesenermaßen groß und vielfach dokumentiert war auch der Einfluss von Riley auf Pete Townshend, den Gitarristen, Songschreiber und Vordenker von The Who. Die zwei vielleicht größten und regelmäßig am Ende ihrer Shows aufgeführten Songs „Won’t Get Fooled Again“ und „Baba O’Riley“ sind Experimente mit der Kompositions- und Synthesizertechnik Rileys. Jeweils sehr markante Loops, tatsächlich allerdings auf einer Lowrey-Orgel gespielt und unter dem direkten Eindruck von „A Rainbow In Curved Air“ komponiert, werden während der gesamten Dauer der Stücke unterlegt und erzeugen eine Grundspannung, die dem hymnenhaften Bandsound zusätzliche Kraft verleiht.

Experimente am Synthesizer: Komponist Terry Riley


Experimente am Synthesizer: Komponist Terry Riley
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Bild: Picture-Alliance

Der Titel von „Baba O’Riley“ deutet es an: Neben Riley gibt es noch eine zweite Inspirationsquelle für den Song. Seit 1967 hat sich Townshend intensiv mit dem indischen Guru Meher Baba beschäftigt. Dieser vertrat die Auffassung, das Universum sei eine Illusion und nur Gott, der in jeder Seele wohne, existiere wirklich. Zudem vermittelte er den in seinem Land verbreiteten Glauben der Reinkarnation. Seine Religion war ein Amalgam von Buddhismus, Islam und Christentum. Der Song „Don’t Worry Be Happy“ des Jazz-Sängers Bobby McFerrin von 1988 ist nach „Baba O’Riley“ die zweite berühmte Hommage an den vor allem in Amerika beliebten Guru, der von 1925 bis zu seinem Tod 1969 schwieg und sich nur durch Buchstabentafeln und Bücher verständigte.

Eine spirituelle Geschichte

Townshend ist ihm nach eigener Auskunft nie begegnet. Aber The-Who-Klassiker wie „I Can’t Reach You”,  „Pinball Wizard“, „The Seeker“, „Let’s See Action” oder „Love Reign O’er Me“ sind nach seinen Worten stark durch Meher beeinflusst. Und sein meistbeachtetes Werk: „Ich denke, ich wurde durch ihn dazu inspiriert ‚Tommy‘ als eine spirituelle Geschichte zu schreiben“, wird Townshend auf seiner Homepage zitiert.

Indischer Mystiker, der die letzten 44 Jahre seines Lebens schwieg: Meher Baba


Indischer Mystiker, der die letzten 44 Jahre seines Lebens schwieg: Meher Baba
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Bild: Picture-Alliance

Nach dem großen Erfolg von „Tommy“, durch das The Who in Abwesenheit der Beatles, der Rolling Stones und Bob Dylans auf dem Woodstock-Festival in Amerika zu den Stars des Hippie-Happenings wurden, wollte Townshend daran anknüpfen. Sein Nachfolgeprojekt „Lifehouse“ sollte ein Multimediaprojekt über die Kraft der Musik werden. Es zählt neben „Smile“ von Brian Wilson zu den großen nie realisierten Alben der Rockgeschichte. Doch einige der besten Kompositionen des Projekts, so auch „Baba O’Riley“ bildeten das Fundament der schlanken Platte „Who’s Next“, rückblickend einer der besten Rockplatten der siebziger Jahre. Erstmals seien Synthesizer-Loops zum integralen Bestandteil der Kompositionen geworden, schrieb der Rock-Dokumentar Ernst Hofacker in der „Sounds“-Ausgabe „Die Besten der Besten“ zur von einer Jury gewählten drittbesten Platte der Siebziger: „Und doch blieb all dies trotz aller Kunstfertigkeit in jeder Sekunde roher, höchst vitaler Rock’n’Roll, gespielt von der vielleicht besten Rockband aller Zeiten auf der Höhe ihres Schaffens.“

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