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„Schalke als gefühlter Sieger“
Wie einen großen denkwürdigen Sieg feierten die Anhänger des FC Schalke 04 einen auf den ersten Blick eher kleinen Erfolg gegen Borussia Dortmund, der sich in der Tabelle kaum positiv auswirken wird. Mit 2:2 (0:1) endete das 100. Bundesliga-Revierderby, doch der Schalker Trainer Thomas Reis sprang nach dem Schlusspfiff jubelnd an der Seitenlinie entlang, und die Stimme des Stadionsprechers überschlug sich, als er das Endergebnis verkündete.
Die Fans sangen wie in Trance, und die Spieler von denen bislang nur Ralf Fährmann ein solches Derby in diesem Stadion erlebt hatte, staunten über die Wucht der Emotionen, die ihnen entgegenschlugen. „Die Stimmung war brutal heute, das hat uns unfassbar gepuscht“, sagte der Schalker Stürmer Marius Bülter, der ein Tor geschossen und das zweite Vorbereitet hatte. „Wenn man zwei Mal zurückliegt und wieder zurückkommt, dann fühlt sich das schon gut an.“
Es war ein mitreißendes Fußballspiel, das nicht wirkte wie das Duell des Tabellenletzten gegen die Überfliegermannschaft, die zuvor acht Bundesligaspiele in Folge gewonnen hatte. Es war intensiv und leidenschaftlich, das Stadion vibrierte; praktisch während des ganzen Spiels lag der Rauch der immer wieder in beiden Fanblöcken brennenden Pyrotechnik über dem Rasen. Dortmund wirkte schon etwas reifer, aber es war eng, und die allergrößte Chance der eigentlich vom BVB dominierten ersten Hälfte hatte der Aufsteiger: Nach einem etwas ungeschickten Zusammenspiel zwischen Mats Hummels und Nico Schlotterbeck kam Rodrigo Zalazar an den Ball und hatte freie Bahn auf das Dortmunder Tor. Doch der 15-Meter-Schuss des Uruguayers flog knapp am kurzen Torwinkel vorbei (25.). Die Führung, mit der die Dortmunder nach einem Tor von Nico Schlotterbeck in die Halbzeit gingen, war dennoch vollkommen verdient.
Schlotterbeck hatte 18 Meter vor dem Dortmunder Tor etwas zu viel Platz, schoss einfach mal aufs Tor und ließ Schalkes Torhüter Ralf Fährmann keine Abwehrmöglichkeit (38.). Die Dortmunder waren vor der Pause die klar bessere Mannschaft gewesen, weil sie sich nicht nur auf den emotionalen Kampf eingelassen hatten, den die Schalker führen wollen, sondern ihre fußballerische Überlegenheit zur Geltung brachten. „Da haben wir richtig guten Fußball gespielt, und damit wollten wir nicht aufhören“, sagte Dortmunds Trainer Edin Terzic. Leider sei das nicht gelungen und, „dann wurde es wild“. Davon profitierten die Schalker, die nun ihre Schwächen durch Leidenschaft kompensieren konnten.

Schlotterbeck ließ die Muskeln spielen und traf zum Führungstor für den BVB
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Bild: Reuters
Die Neigung zu dieser Sorte Kontrollverlust sei „der Grund warum wir immer zurückhaltend waren, wenn von der Meisterschaft gesprochen wurde“, erläuterte Terzic, den diese Wendung offenbar nicht überrascht hatte. Vor der Pause hätten die Dortmunder das verhindern können, indem sie eine oder zwei ihrer vielen Möglichkeiten verwerten, und in der zweiten Halbzeit hatten sie dann nicht mehr mit der vollen Energie dagegengehalten. So verlor der hoch gelobte aber manchmal auch erstaunlich nachlässige Jude Bellingham jeweils entscheidende Zweikämpfe vor den beiden Schalker Toren. „Wir haben uns nicht mehr so unterstützt wie in der ersten Halbzeit, deshalb dürfen wir uns nicht beschweren, wenn man sich zwei solche Konter fängt“, sagte Terzic dazu.
Nach 50 Minuten verlor der Engländer den Ball in der Nähe der Mittellinie, woraufhin Michale Frey auf dem rechten Flügel freie Bahn hatte, und Bülter im Zentrum anspielte, dessen Abschuss eine Explosion der Freude in der Arena auslöste. Es war nach fünf Revierderbys ohne Tor für Schalker der erste Treffer in so einem Duell seit 2019. Anschließend sah das Publikum endgültig ein großartiges Fußballspiel, das hin und her wogte und in dem der BVB keinesfalls schlechter war, so dass Raphael Guerreiros Treffer zum 2:1 nicht überraschend kam. Der Portugiese, der auf der ungewohnten Position im offensiven Mittelfeldzentrum zum Einsatz gekommen war, wurde brillant von Emre Can angespielt und setzte den Ball aus 14 Metern hoch in die lange Torecke (60.).
Aber die Schalker, die genau wie die Dortmunder, in der Rückrunde ungeschlagen bleiben, glaubten weiter an ihrer Chance, und kamen durch ein Kopfballtor durch Kenan Karaman zum 2:2 (79.). Eder Balanta hatte sogar noch eine sehr gute Möglichkeit, ein drittes Tor für Schalke zu schießen, doch Torhüter Alexander Meyer hielt den nicht ganz perfekten plazierten Ball (88.). „Für die Zuschauer war es schön, für uns war es heute sehr frustrierend“, lautete das Resümee von Dortmunds Trainer Terzic, dessen Mannschaft nach dem Ausscheiden aus der Champions League nun die zweite Enttäuschung innerhalb von vier Tagen verkraften muss.
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