Schneckenplage: So überleben Ihre Gemüsepflanzen

Schneckenplage: So überleben Ihre Gemüsepflanzen

Schon die erste Nacht im Garten kann für sorgfältig vorgezogene Setzlinge zum Verhängnis werden. Denn gefräßige Nacktschnecken freuen sich über das frische, zarte Grün. Was kann man dann tun, damit das Gärtnern nicht zum Frustprojekt wird? Hier verraten wir alle wichtigen Tipps gegen Schnecken im Blumen- oder Gemüsebeet. So können Sie Ihre Sprösslinge sogar vor der hartnäckigen Spanischen Wegschnecke schützen.

Die gute Nachricht vorweg: Schnecken sind wichtig für die Gesundheit Ihres Gartens. Sie bauen organische Abfälle ab und fressen sogar verrottende Blätter. Die Weichtiere verarbeiten abgestorbene Pflanzen dabei zu Humus. So haben junge Pflanzen Platz und Nährstoffe zum Wachsen. Schnecken bieten außerdem Nahrung: Igel, Kröten und Laufkäfer können sie relativ einfach fressen. Schließlich wehren sich die meisten Schnecken nur mit Schleim gegen ihre Feinde und fliehen sehr langsam. Auch für Parasiten wie Nematoden, Fadenwürmer des Erdreichs, spielen Schnecken als Wirt eine wichtige Rolle und stärken so die Gesundheit der Böden.

Welche Schnecken gefährden die Ernte?

Von den 250 bis 400 Schneckenarten, die es in Deutschland gibt, sind nur einige wenige schädlich, darunter die Gemeine Gartenwegschnecke (Arion distinctus) und die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum). Beide Arten schlüpfen im Frühjahr und wachsen im Sommer auf ihre volle Größe an. Hobbygärtner ärgern sich vor allem über ihren Fraß an Gemüsepflanzen und Blumen, aber auch über die Übertragung von Pilzkrankheiten wie Mehltau.

Immer mehr fremde Schneckenarten finden durch Handelsverkehr ihren Weg in unsere Gärten. Dazu gehört auch die größte und nicht weniger gefürchtete Nacktschnecke: die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris). Sie wird bis zu zehn Zentimeter lang und kommt in unterschiedlichen Farben vor. Entgegen ihrem Namen stammt sie nicht aus Spanien, sondern vermutlich aus Südfrankreich. Ihr Verbreitungsgebiet verlagert sich infolge des Klimawandels immer weiter nach Mittel- und Nordeuropa. In Polen wurden zeitweise 65 Tiere pro Quadratmeter gezählt. Experten vermuten, dass sie bei Gemüsetransporten in den 1950er Jahren auch nach Deutschland gelangte und sich seitdem hierzulande ausbreitet. Die eingewanderte Art vermischte sich zunächst stark mit der heimischen Roten Wegschnecke und verdrängte diese schließlich fast vollständig. Auch die Schwarze Wegschnecke aus dem Wald ist von der invasiven Art bedroht. Noch fehlt die Anpassung von Räubern und Parasiten, die die Population regulieren.

Zum Leidwesen der Gärtner: Vor allem Gartenpflanzen leiden unter dem Appetit der Schnecken, denn eine Spanische Wegschnecke kann pro Nacht zum Beispiel bis zu 200 Quadratzentimeter Kopfsalat vernichten. Sie vermehrt sich sehr schnell und frisst sogar bei Hitze und Sonne. Im August legt die Spanische Wegschnecke bis zu 400 Eier, es überlebt aber nur ein kleiner Anteil der Nachkommen. Einige schlüpfen schon im Herbst und auch manche Alttiere überleben den Winter. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gärtner machtlos gegen die Schneckeninvasion sind.

Was hilft gegen Nacktschnecken im Garten?

Schon bei der Aussaat können Sie Schneckenfraß vorbeugen. Wählen Sie dafür schneckenresistente Gemüsesorten, beispielsweise Spinat, Radieschen, Endiviensalat oder Chicorée. Auch stark riechende Blumen und Kräuter sind bei schleimigen Gartenbewohnern unbeliebt. Dazu zählen Rosmarin, Lavendel, Salbei und Thymian. Mehrjährige Stauden wie Maiglöckchen, Hainveilchen oder die Armenische Traubenhyazinthe sowie Kornblumen, Pfingstrosen und andere Rosenarten überleben Schneckenangriffe ebenfalls besser als andere Zierpflanzen.

Um Samen bei der Direktsaat vor Schnecken zu schützen, können sie etwas tiefer in den Boden gesetzt werden. Setzlinge sollten möglichst spät nach draußen gepflanzt werden. So sind sie einerseits weniger attraktiv für Schnecken und überleben ihre Angriffe andererseits besser. Auch ein kurz gemähter Rasen nimmt den Wegschnecken Versteckmöglichkeiten und hilft so den jungen Setzlingen,

Mulchen ist zwar eine beliebte Technik in der Permakultur, kann Schneckenplagen aber unter Umständen fördern. Denn das Abdecken des Bodens mit organischem Material bietet den schleimigen Schädlingen genügend Feuchtigkeit und Verstecke. Mulchen mit Holzfasern, zerstoßenen Muschelschalen oder Kakaoschalen kann hingegen gegen Schnecken helfen. Regelmäßiges Bearbeiten des Bodens führt ebenfalls dazu, dass sich Schadschnecken weniger vermehren.

Auch die richtige Anordnung des Gartens kann Schnecken fernhalten. Der Komposthaufen sollte dafür möglichst weit weg von den Beeten liegen. Empfindliche Pflanzen platzieren Sie am besten fern von hohem Gras und Kompost, in der Sonne und auf feinkrümeligem Boden. Dort gibt es weniger Verstecke für die gefräßigen Eindringlinge. Gießen Sie zudem möglichst am Morgen und vermeiden Sie so feuchte Beete in der Nacht. In Versuchen konnte der Fraßschaden durch Schnecken so um 75 Prozent verringert werden.

Diese Tiere haben Schnecken zum Fressen gern

Eine erhöhte Biodiversität im Garten fördert die natürliche Balance zwischen Schnecken und ihren Fressfeinden. Dazu zählen beispielsweise Igel, Kröten, Spitzmäuse und Laufkäfer. Hecken, Totholz und Blumenwiesen sind beliebte Lebensräume dieser natürlichen Feinde der Schnecken. Gegen Ackerschnecken und den Nachwuchs größerer Arten kann auch das gezielte Ausbringen von Nematoden helfen. Diese Fadenwürmer nisten sich als Parasiten in Schnecken ein und töten diese bei starkem Befall. Empfehlenswert sind 0,5 Millionen Nematoden pro Quadratmeter. Ähnlich große Hoffnung liegt auf dem Tigerschnegel, einer gestreiften Schneckenart, die im Garten keine Fraßschäden an Blumen oder Gemüse anrichtet. Zu ihrem Speiseplan gehören vielmehr die Eier schädlicher Schneckenarten.

Doch selbst Tigerschnegel verschmähen die Eier der Spanischen Wegschnecke und auch Nematoden helfen gegen sie nicht. Bei Spanischen Wegschnecken eignen sich stattdessen indische Laufenten als Fressfeinde. Die langhalsigen Enten vertilgen die schleimigen Weichtiere. Man muss sie aber von Beeten fernhalten, damit sie sich nicht an angebauten Pflanzen bedienen. Gleiches gilt für Hühner, die Schneckennachwuchs unter der Erde aufspüren.

Schnelle Lösungen bei akutem Schneckenalarm

Entdeckt man abgefressene Pflanzenhalme und Schnecken im Beet, ist es zu spät für eine Gartenumgestaltung, die nur eine langfristige Lösung sein kann. Kurzfristig ist die effektivste Methode das Absammeln der Schädlinge − vor allem, wenn Spanische Wegschnecken den Garten belagern. Feuchte Holzbretter und umgedrehte Blumentöpfe als Verstecke sowie Lockmittel wie Hühnerfutter können die Suche erleichtern. Anschließend müssen die Schnecken getötet werden – durch Zerschneiden, Zertreten oder Überbrühen mit kochendem Wasser. Schnecken sind Kannibalen und fressen die toten Artgenossen zuverlässig. Es empfiehlt sich daher, die toten Tiere an einer Stelle abzulegen, oft kann man dann am nächsten Morgen dort weitere Schnecken absammeln.

Ein wirkungsvoller Schutz für Setzlinge sind darüber hinaus Schneckenkrägen oder ein Schneckenzaun. Durch die geknickte Form können Schnecken diese Barriere nicht überwinden. Wichtig ist aber, dass sie tief genug in den Boden reichen und keine Pflanzen als Brücke über den Rand dienen. Modelle aus Metall oder biologisch abbaubarem Plastik vermindern die Gefahr von Mikroplastik in Beeten.

Foto einer Bierfalle
Bierfallen gegen Schneckenbefall wirken zwar, sind aber nicht zu empfehlen. © mtreasure/iStock

Welche Methoden sollte man lieber sein lassen?

Ein beliebtes Mittel bei Schneckenbefall im Garten sind Bierfallen. Dabei ertrinken die ungebetenen Gäste durch den Effekt des Alkohols. Diese Methode wirkt zwar, ist aber nicht zu empfehlen. Denn durch den starken Geruch lockt das Bier auch die Schnecken der Nachbarn an, die sich auf dem Weg zur Falle an Ihren Beeten bedienen. Empfohlen wird hin und wieder auch, Blumen- und Gemüsebeete mit Kupfer-Bändern oder -Platten vor Schnecken zu schützen. Doch diese Methode erwies sich bei gezielten Experimenten als unwirksam.

Verzweifelte Gärtner greifen auch immer wieder zu Gift in Form von Eisen-III-Phosphat oder Metaldehyd. Metaldehyd-Präparate können in großen Mengen und bei falscher Anwendung aber nicht nur Schnecken, sondern auch andere Tiere töten und stellen sogar eine Gefährdung für den Menschen dar. Sie sind daher nicht zu empfehlen. Das natürlich vorkommende Eisen-III-Phosphat ist zwar ungefährlich für andere Tiere wie Igel und Haustiere, tötet allerdings alle Schneckenarten – auch die, die gar keinen Schaden im Garten anrichten. So wird eine große biologische Vielfalt zerstört und auch gefährdete Schneckenarten wie die Weinbergschnecke verschont das Gift nicht. Dies schadet langfristig der Gesundheit des Gartens.




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