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#So ein Aufwand!

„So ein Aufwand!“

In diesem Stück von Sasha Waltz geht es choreographisch ziemlich durcheinander. Was für eine Ernüchterung, nachdem die Choreographin zuletzt Terry Rileys Musik „In C“ fantastisch gut in Tanz verwandelt hatte. „Sym-Phonie MMXX“, das wegen Corona seit 2020 geschoben werden musste, wirkt, als hätte man die Bewegungsstile von Mary Wigman, Hofesh Shechter, Sharon Eyal und natürlich Sasha Waltz selbst mit etwas Butoh zusammen digitalisiert und einer Künstlichen Intelligenz anvertraut. Anweisung: zeig mal, was du kannst.

Also gibt der Tanz alles, einundzwanzig Tänzer drehen so auf, dass sie wirken wie die doppelte Anzahl später Anhänger der Labanschen Bewegungschöre. Befremdlich vorhersehbar ist dieses Vokabular aus Kampfsportattacken über die Diagonale, Haufenbildungen, Hebungen, Rennen rückwärts und im Kreis, Hinwerfen, Herumliegen, Umarmen, gegenseitigem Wegtragen, hinter dem eigenen gestreckten Arm Herlaufen und dergleichen. Oft sind es zu kurz gedachte Reaktionen auf die Musik. Viele Bewegungen sind an sich sehr banal und wirken nur durch die Wucht des Unisono. Andere Bewegungen wiederum werden nicht dadurch interessanter, dass man sie endlos wiederholt.

Eher albern als mitreißend

Waltz streift, indem sie zu der Auftragskomposition von Georg Friedrich Haas choreographisch nach dem ganz Großen, dem Erhabenen, Bedeutungsvollen strebt wie eine späte Nachfahrin des deutschen Expressionismus, mitunter unfreiwillig das Komische. Wenn das Ensemble synchron mit den Füßen stampft und dabei seltsam den Kopf nach vorne schleudert, wirkt das eher albern als mitreißend.

Da steht sie und kann nicht anders: Szene aus „Sym-Phonie MMXX“.


Da steht sie und kann nicht anders: Szene aus „Sym-Phonie MMXX“.
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Bild: Bernd Uhlig

Eine riesige goldene, durch kleine quadratische Erhebungen strukturierte Wand steht anfangs wie ein Klimt-Hintergrund nahe am Portal. Nach dem Eröffnungsbild, in dem die Tänzer in durchsichtigen hautfarbenen Trikots umeinandergleiten, fährt die Wand zurück nach hinten, und gibt die leere Staatsopernbühne frei für andere, schwarz gekleidete Tänzer. Nach der Hälfte des neunzigminütigen Werks verschwindet die goldene Wand hinter einem schwarzen Aushang, taucht dann lautlos links wieder auf, fährt langsam bis zur Bühnenmitte und räumt schließlich, während sie ganz nach rechts fährt, eine der Gruppen von der Bühne wie Kegel von der Kegelbahn. Zum Schluss, das hatte man sich fast gedacht, senkt sich die Wand als Decke wie in einem Horrorfilm von oben herunter. In einer gefühlten Ewigkeit flüchten die Tänzer nach und nach darunter heraus.

Die Musik von Georg Friedrich Haas lässt in der ersten Hälfte oft bedrohliche oder sirenenähnliche Klänge an- und wieder abschwellen, als wäre das Orchester ein Akkordeon, das man langsam zusammendrückt. In der Mitte pausiert die Musik lange. In der zweiten Hälfte erinnert das Orchester wieder an einen Zusammenklang einzelner Instrumentengruppen statt an Elektronik, man wittert Strawin­sky-Morgenluft und freut sich über die originellen Einsätze des Schlagwerks. Später erklingt Geistermusik im Dunkeln, das liebt der Komponist. So schön und interessant Haas das ausformuliert, so sehr stört, wie im Tanz, eine aus dem Nichts hochschießende und dann total übersteuerte Emotionalität, die nirgends hinführt. Und so ist man gezwungen, sich zu fragen: Wie kann ein Stück zugleich vollkommen überfrachtet und über lange Passagen hinweg sterbenslangweilig sein? Was für eine Ernüchterung.

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