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#Solo für Brisbane

Solo für Brisbane

Nach der jüngsten Verlautbarung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ergibt sich die Frage: Womit soll hier wovon abgelenkt werden? Will die Lausanner Machtzentrale mit der – nicht unbedingt dringlichen – Entscheidung, schon am 21. Juli der Vollversammlung die australische Stadt Brisbane als Gastgeber der Olympischen Spiele 2032 zum Durchwinken vorzuschlagen, von den Problemen der wackeligen Steril-Spiele in Tokio ablenken? Oder will sie den Zeitpunkt nutzen, an dem alle Kritiker anhand der Tokio-Spiele über die vom Coronavirus vollends entlarvte Geldfixiertheit Olympias nachdenken, um die undurchsichtige Vergabe der Spiele in elf Jahren möglichst unauffällig durchzubringen?

Vielleicht beides. Fest steht: Brisbane ist durch. IOC-Präsident Thomas Bach gab am Donnerstagabend per Videokonferenz aus Lausanne bekannt, dass das Exekutivkomitee soeben einstimmig den Vorschlag an die Vollversammlung verabschiedet habe. Und weil Brisbane als einziger Kandidat vom IOC überhaupt eine Chance bekommen hat, sich ernsthaft zu bewerben, und weil die IOC-Mitglieder sowieso nur noch zum Abnicken von Bachs Plänen zusammentreten, können die Leute in Queensland, die hinter Olympia stehen, nun feiern.

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Schon im Februar hatte die Exekutive Brisbane zum „bevorzugten Kandidaten“ erklärt, dem einzigen, mit dem es den Dialog weiterführe. Während der australische Bewerber also auf die Zielgerade bog, hatten andere Interessenten noch nicht einmal den Start erreicht. Neben Indien, Indonesien, Qatar oder auch Süd- und Nordkorea gehörte zu diesem Kreis der Übergangenen auch die Initiative Rhein-Ruhr, die völlig überrumpelt war, aber erklärte, nicht aufgeben zu wollen.

Bach betonte am Donnerstag noch einmal in auffallender Ausführlichkeit, dass es sich um einen „sehr transparenten“ Prozess handele. 2019 hatte das IOC die Reform der Vergabepraxis beschlossen, die zum Ziel hatte, die Zahl der potentiellen Bewerber zu vergrößern, nachdem sie vorher dramatisch geschrumpft war. Außerdem sollte das Korruptionsproblem innerhalb der IOC-Mitgliedschaft beendet werden. Die „Future Host Commission“ sollte Ansprechpartner und Prüfstelle für alle sein. Einen derartigen Sololauf hatte sich aber wohl niemand unter dem neuen Verfahren vorgestellt.

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„Es ist ein Vorschlag zugunsten von Brisbane, aber auch zugunsten eines Dialogs mit den anderen interessierten Parteien“, sagte Bach. Schon im Februar hatte der IOC-Präsident in einer Pressekonferenz ausgeführt, dass es keinen Interessenkonflikt gebe bezüglich des IOC-Vizepräsidenten John Coates, eines seiner wichtigsten Mitstreiter. Dieser sei an den Entscheidungen zum Thema Brisbane nicht beteiligt. Coates ist neben mehreren schwergewichtigen Funktionen – unter anderem kämpft er als Vorsitzender der Koordinierungskommission um die Austragung der Olympischen Spiele in Tokio – auch Präsident des Australischen Olympischen Komitees und damit Frontmann der Bewerbung von Brisbane. Bach führte an, alle Interessenten an 2032 wollten weitermachen mit Blick auf 2036, ja sogar 2040. „Ich denke nicht, dass sie zum Weitermachen bereit wären, wenn sie so kritisch auf die Verfahrensweise schauen würden“, sagte er.

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