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„Sotheby’s geht nach Köln“
Es ist eine bemerkenswerte Nachricht: Sotheby’s wird als erstes internationales Auktionshaus noch in diesem Jahr Versteigerungen von Deutschland aus durchführen. Angekündigt sind Onlineformate, wie sie sich seit dem Ausbruch der Pandemie in enormer Geschwindigkeit etabliert haben. Die Wahl dafür fiel auf Köln. Damit rückt Köln als fünfter Verkaufsstandort von Sotheby’s neben die europäischen Zweigstellen in London, Paris, Genf und Mailand. Über das künftige Quartier in Deutschlands traditionsreicher Kunstmarkt-Metropole gibt es noch keine Informationen. Fest steht allerdings, dass es um moderne und zeitgenössische Kunst, Design, Fotografie und Luxusartikel gehen wird. Das Material soll in Deutschland und den Nachbarländern akquiriert werden. Die Katalogisierung wird ein Team von Spezialisten vor Ort vornehmen. Die Auktionen werden von Köln aus online präsentiert.
Offen ist noch, ob und wie das Unternehmen dieses Engagement in Zukunft ausweiten wird, etwa auf „private sales“, also auf abseits der Öffentlichkeit getätigte Abschlüsse, meist im höheren Preissegment. Klar ist indessen, was diese Umwandlung Deutschlands vom bloßen Beschaffungsort hin zum „selling centre“ bedeutet: Der neue global agierende Mitbewerber möchte den reichen deutschen Markt abschöpfen, nicht nur was den Zufluss angeht, sondern auch was die steigende Aktivität deutscher Käufer in internationalen Auktionen betrifft – und ebenso die Präsenz einer internationalen Klientel im zuletzt ausschließlich von deutschen Auktionshäusern bespielten Feld.
Fragen an den CEO von Sotheby’s
Charles Stewart, der CEO von Sotheby’s, hat dazu der F.A.Z. exklusiv Fragen beantwortet. Stewart ist Amerikaner, Jahrgang 1969, und war ein führender Investment Banker bei Morgan Stanley, ehe er 2015 zu Altice USA wechselte. Altice ist ein weltweites Kommunikationsunternehmen, bei dem Patrick Drahi Mehrheitsaktionär ist. Der israelisch-französische Unternehmer und Milliardär Drahi hat vor knapp drei Jahren die Auktionsfirma Sotheby’s für genannte 2,7 Milliarden Dollar gekauft und von der Börse genommen. Im Oktober 2019 ernannte er Stewart zum CEO von Sotheby’s. Nur wenige Monate später sah sich Stewart mit dem Ausbruch der Pandemie und ihren massiven Auswirkungen auch auf den globalen Auktionsmarkt konfrontiert.
Daraus zieht er nun weitreichende Konsequenzen. Die Frage, was dabei Deutschland so attraktiv für ihn mache, beantwortet Stewart bündig: „Kurz gesagt, macht die Stärke, die Größe und die Resilienz des heutigen deutschen Markts, in der Kombination mit der Historie von Sotheby’s in Deutschland, unsere Expansion dorthin zum ganz natürlichen nächsten Schritt.“ Außerdem sei man als internationales Haus in der Lage, aufgrund der eigenen Expertise und Reichweite deutschen Sammlern, quasi vor deren Haustür, „etwas Besonderes“ anzubieten.
Warum Köln und nicht zum Beispiel Berlin? Die Wahl fiel auf Köln, sagt Stewart, „in seiner einzigartigen Position als eine Region mit höchster Dichte von Wirtschaft, Kapital und Sammlerschaft in Europa“, samt der Nähe zu den Benelux-Staaten. Er erwähnt auch die Anziehungskraft der Art Cologne, wohl in der Erwartung von Synergien mit Deutschlands ältester Kunstmesse. Vermuten lässt sich, dass sich zudem die nicht nur im Kölner Raum als hoch verdienstvolle Förderer und Vermittler zeitgenössischer Kunst agierenden Galerien angesprochen fühlen dürfen. Der Schritt nach Deutschland scheint sich zunächst vor allem auf ein „mid-market level“ zu konzentrieren. Was macht diesen deutschen Mittelmarkt so anziehend für Sotheby’s? Stewart erklärt, es handele sich „um einen Bereich, den wir Sammlern in Deutschland bisher nicht so oft bieten konnten, wie wir es gerne getan hätten. Das bedeutet, dass wir nun, was aufregend ist, eine Vielzahl neuer Künstler und Genres in diesen deutschen Auktionen anbieten können, die bisher selten bei Sotheby’s zu sehen waren.“
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