#Südtirol probt wieder einmal den Sonderweg

Südtirol probt wieder einmal den Sonderweg

Die autonome Provinz Südtirol will von diesem Montag an weiterreichende Lockerungen durchsetzen als die Zentralregierung in Rom. Während die rund 50 Millionen Italiener in den als „gelben Zonen“ ausgewiesenen Regionen mit geringem Infektionsrisiko vom Gastgewerbe nur im Freien bewirtet werden dürfen, sind in Südtirol auch die Innenbereiche der Restaurants wieder geöffnet. Für den Einlass ist jedoch der „grüne Pass“ notwendig, eine im Auftrag der Provinzregierung in Bozen entwickelte Handy-App für Geimpfte, Genesene und (negativ) Getestete.

Matthias Rüb

Matthias Rüb

Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

Die für Regionen zuständige Ministerin Mariastella Gelmini hat angekündigt, Rom werde gegen den Erlass der Südtiroler Provinzregierung Klage vor den Verwaltungsgerichten einlegen. In Bozen zeigte man sich zuversichtlich, dass die Klage der Zentralregierung bis zu einem Urteil hinfällig werde, weil auch Rom die Einführung eines (nationalen) „grünen Passes“ sowie weitere Lockerungen in den kommenden Wochen plane.

Südtirol hatte seit dem Beginn der Pandemie im Februar 2020 immer wieder einen Sonderweg beschritten, um etwa mit dem freiwilligen kostenlosen Massentest für die gut 530.000 Einwohner der Provinz von November an früher Lockerungen durchzusetzen.

Anfang Februar musste die Regierung in Bozen wegen steigender Infektionszahlen und aufgrund des Auftretens der britischen Mutation des Coronavirus jedoch zuvor gewährte Lockerungen wieder zurücknehmen und verhängte einen strengen Lockdown. Restaurants und Kaffeebars, auch Einzelhandelsgeschäfte – außer für den täglichen Bedarf – mussten wieder schließen. Die Stadt oder Gemeinde des Wohnsitzes durfte man nur wegen dringender Notwendigkeiten verlassen, Mittelschulen und Gymnasien stellten wieder auf Fernunterricht um. Angesichts der von Rom in 15 der 20 Regionen jetzt gewährten Lockerungen drängt Südtirol auf die Aufhebung der fünftägigen Quarantänepflicht für EU-Bürger bei der Einreise nach Italien, damit Urlauber aus dem Ausland bald wieder in die beliebte Ferienregion reisen können.

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