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„Telegram-Chat: Ungeimpfte wollen sich anstecken“

Ein junger Mann, er nennt sich Martin, hat sich absichtlich mit Corona angesteckt. Er hat lange überlegt, ob er es machen soll. Am Ende schien es ihm die „smarteste Lösung“.
Martin vertraut der Politik nicht. Nicht ihren Zahlen und ihren Informationen. Er sagt, es gab „auch schon andere Lügen in der Politik“. Er liest Zeitungen, aber ihm kommen die „alternativen Informationen“ aus den Telegram-Kanälen schlüssiger vor. Am Anfang, im Frühling 2020, ging ihm alles viel zu schnell, und es gab zu schnell eine Lösung. Als er hörte, dass bereits an einem Impfstoff gearbeitet werde, war sein erster Gedanke: Ich lasse mich nicht impfen. Seitdem, sagt er, denke er fast jeden Tag über darüber nach, ob er „auf dem Holzweg“ oder seine Entscheidung die richtige sei. Und er kommt immer wieder zu dem Schluss: Ja, sie ist richtig. Er selbst, glaubt er, habe kein Risiko; er setze auch andere keinem größeren Risiko aus, weil auch Geimpfte ansteckend seien; und er vertraut dem Impfstoff nicht.
Martin wohnt in Hamburg. Er ist 32 Jahre, hat ein kleines Kind, arbeitet in einer Behörde. Er geht gerne in Bars und Klubs, er hat ein Leben, das sich außer Haus und unter Leuten abspielt. Im Spätsommer war es damit vorbei, früher als in anderen Bundesländern wurde hier 2 G eingeführt. Irgendwann bekam er dann „richtig Angst“: Was würde passieren, wenn auf der Arbeit 2 G gelte? Das letzte bisschen Vertrauen habe er verloren, als Mitte Dezember klar war, dass Zahlen, die das Rathaus rausgegeben hatte, nicht stimmten: Von Personen ohne vollen Impfschutz gingen nicht 90 Prozent aller Neuinfektionen aus, wie der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher Mitte November gesagt hatte. Denn bei knapp 63 Prozent der Leute war der Impfstatus nicht klar – sie waren aber zu den Ungeimpften gezählt worden. Tschentscher bedauerte später die „Verunsicherung“. Aber Martin glaubt, dass das Absicht gewesen war. Es hat ihm „den Rest gegeben“.
Er wollte nicht lügen
Er dachte nun über Lösungen nach. Einen gefälschten Impfpass wollte er nicht kaufen, das fand er „moralisch nicht vertretbar“. Keine Rolle spielte, dass er auf diese Weise als Ungeimpfter ohne Maske in Bars und Restaurants sitzen würde. Aber er wollte nicht den Geimpften spielen. Dann erzählte ihm ein Bekannter aus der Sportgruppe, dass er sich über Telegram einen gefälschten positiven PCR-Test gekauft und sich so den Genesenen-Status beschafft hatte. Aber auch das wollte Martin nicht, er wollte nicht lügen. Also kam für ihn nur noch eines infrage: eine absichtliche Ansteckung.
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