
Dieses Buch wird weder den Menschen gefallen, die sich über LGBTQA* und die „Genderdebatte“ aufregen, noch denen, für die Biologie irrelevant ist. Der emeritierte Neurowissenschaftler Lutz Jäncke gibt beiden Extrempositionen unrecht.
Dazu erklärt er die Unterschiede zwischen Gender und Geschlecht, erläutert biologische Tatsachen (und seltene Varianten) und unsere komplexe Psychologie: Tatsächlich, so zeigt eine Auswertung von 2.000 Studien, sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Denken und Fühlen, in den mathematischen und verbalen Fähigkeiten quasi unbedeutend. Bemerkenswert sind weniger die Unterschiede, als vielmehr die Überlappung in den allermeisten Eigenschaften. Während sich bei einigen Tierarten die Geschlechter stark auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert haben, können Menschen ihre Fähigkeiten viel flexibler ausbilden. Und das tun sie auch, geleitet durch Erwartungen von Kultur und Gesellschaft.
Gerade in den wohlhabenden westlichen Ländern zeigt sich dabei ein soziales Phänomen, das auf den ersten Blick paradox wirkt: Obwohl die Gleichstellung vorangeschritten ist, wenden sich junge Frauen eher den weiblich konnotierten Berufen und Studiengängen zu. In afrikanischen Kulturen ist der Frauenanteil in den MINT-Fächern dagegen deutlich höher. Das Buch ist ein gut lesbarer, faktenreicher Beitrag zu dieser Debatte, mit kleinen Schwächen bei den Zusammenfassungen am Ende der Kapitel. Antonia Rötger
Lutz Jäncke
Mann und Frau – ein Auslaufmodell?
Hogrefe Verlag, 264 S., € 28,–
ISBN 978-3-456-86410-5
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