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#Ukrainische Armee rückt auf strategischen Knotenpunkt vor

„Ukrainische Armee rückt auf strategischen Knotenpunkt vor“

Ukrainische Einheiten sind am Freitag weiter auf den strategischen Knotenpunkt Kupjansk im Nordosten des Landes vorgerückt. Mehrere Quellen berichteten, dass Soldaten die westlichen und südlichen Außenbezirke der Stadt erreichten, nachdem sie in nur drei Tagen fünfzig Kilometer tief auf russisch besetztes Terrain vorgedrungen waren.

Thomas Gutschker

Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte in Brüssel, dass der Krieg in eine „entscheidende Phase“ trete. „Die ukrainischen Kräfte haben es geschafft, Moskaus Offensive im Donbass zu stoppen, hinter russischen Linien zurückzuschlagen und Territorium zurückzuerobern.“

Der amerikanische Außenminister Antony Blinken bescheinigte der Ukraine, dass ihre Gegenoffensive „nachweislich echte Fortschritte macht“ und einem „starken Plan“ folge. Blinken unterrichtete den Nordatlantikrat in Brüssel über seinen Besuch in Kiew am Vortag.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach seinem Treffen mit Blinken in einer Video-Ansprache davon gesprochen, dass seit Monatsbeginn „tausend Quadratkilometer“ und „Dutzende Siedlungen“ befreit worden seien. Das bezog sich auf die Offensiven im Nordosten und im Süden, wo ukrainische Einheiten seit Ende August vorrücken. Eine vergleichbar dynamische Lage hatte es zuletzt im Mai gegeben, als es ukrainischen Kräften gelang, russische Besatzer bei Charkiw zurückzudrängen.

Die amerikanische Denkfabrik Institute for the Study of War bestätigte die Geländegewinne. Wahrscheinlich würden ukrainische Truppen Kupjansk binnen 72 Stunden einnehmen. Die Stadt, die vor Kriegsbeginn rund 30 000 Einwohner hatte, ist der wichtigste Umschlagplatz im Nordosten der Front. Dort kreuzen sich Straßen- und Eisenbahnverbindungen, über die russische Truppen in Isjum und Sewerodonezk direkt aus Russland versorgt werden.

Lage in Kupjansk laut Besatzer „kompliziert“

In Moskau entstand das für Präsident Wladimir Putins Propagandaapparat ungewohnte Bild, in der Defensive zu sein. Das Verteidigungsministerium verbreitete, entgegen seiner sonstigen Praxis, am Freitag keine eigene Version des Geschehens, sondern veröffentlichte lediglich Bilder, die fahrende Truppentransporter, Lastwagen mit Haubitzen und Lada-Geländewagen zeigen, mit dem Zusatz, sie würden ins Gebiet Charkiw verlegt.

Das Staatsfernsehen meldete dazu, das diene dazu, eine ukrainische „Gegenoffensive“ abzuwehren, und ließ zwei Vertreter der russischen Besatzer zu Wort kommen. Einer sagte, Angriffe ukrainischer „Saboteure und Terroristen“ auf die Stadt Kupjansk seien abgewehrt worden; allerdings sei die Lage dort „ziemlich kompliziert“. Der andere gab zu, die „Vororte“ der Stadt Balaklija – deren Befreiung der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag bekannt gegeben hatte – würden schon nicht mehr „von uns kontrolliert“; auf russischer Seite gebe es Verluste, doch die Ukraine verzeichne „verrückte Verluste“. Später kündigte letzterer noch die Evakuierung von Zivilisten aus Kupjansk und Isjum an.

Putins Sprecher wollte eine Pressefrage nach den Entwicklungen unter anderem um Balaklija nicht kommentieren. Das Verteidigungsministerium hatte zuvor einen Angriff auf ein ukrainisches Waffenlager in der Stadt gemeldet – und damit indirekt eingestanden, dass sie nicht mehr von den eigenen Truppen kontrolliert werde.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg rief die Verbündeten dazu auf, noch „tiefer in ihre Lager und Vorräte zu greifen, um die Ukraine mit dem Nachschub zu versorgen, den sie dringend benötigt“. Ohne Deutschland spezifisch zu erwähnen, wies er das Argument der Bundesregierung zurück, dass weitere substanzielle Lieferungen zulasten der Verteidigung des eigenen Landes und des Bündnisses gehen würden. „Wenn Präsident Putin in der Ukraine gewinnt, ist das nicht nur schlecht für die Ukrainer, sondern für uns alle“, sagte der NATO-Generalsekretär.

Durch die Unterstützung des Landes erhöhe man die eigene Sicherheit, zumal Russland achtzig Prozent seines Heeres im Einsatz habe. Blinken verwies darauf, dass die Vereinigten Staaten schon 14,7 Milliarden Dollar für die Verteidigung der Ukraine aufgewendet hätten. Die Unterstützung durch die Ukraine-Kontaktgruppe, die sich am Vortag abermals in Ramstein getroffen hatte, zeige Wirkung auf dem Schlachtfeld.

Der russische Präsident selbst war derweil zum wiederholten Male mit Geschichte befasst. Am Donnerstagabend veröffentlichte der Kreml ein Grußwort Putins zur Neueinweihung eines Denkmals für im Zweiten Weltkrieg gefallene sowjetische Soldaten im besetzen Donezker Gebiet. Es war bei Gefechten 2014 zerstört worden, für die schon damals das Narrativ vom Kampf gegen den „Faschismus“ bemüht wurde. Putin bezeichnete die Gegner als „neu gebackene Nazis“ und nannte mit Blick auf die Demontage sowjetischer Denkmäler in „einigen Ländern“ die Wiedererrichtung eine „Warnung an alle, die sich von ihren Vorfahren lossagen und die Lehren der Geschichte vergessen haben“.

In Sankt Petersburg wurden derweil sieben Verordnete eines Bezirks im Zen­trum der Stadt wegen „Diskreditierung“ der Armee von der Polizei einbestellt. Sie hatten am Mittwochabend die Duma, das Unterhaus, schriftlich aufgefordert, Putin des Amtes zu entheben. In dem Schreiben heißt es, Putins Entscheidung für die „Spezialoperation“ schade Russlands Sicherheit und weise Anzeichen eines Staatsverrats auf.

Kampffähige Einheiten der russischen Armee würden vernichtet; junge, arbeitsfähige Russen würden getötet oder zu Invaliden; Russlands Wirtschaft leide; die NATO werde erweitert; die Ukraine erhalte, anstatt, wie doch von Putin angestrebt, „entmilitarisiert“ zu werden, moderne Waffen.

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